< zurück

In den 80er-Jahren wurde zum ersten Mal ein Beirat für den Bereich "freie Gruppen" eingerichtet. Die damalige Stadträtin Ursula Pasterk (SPÖ) hatte damals ein ehrenamtlich organisiertes Gremium zur Seite, dass dem Kulturamt der Stadt Wien bei der Vergabe der Fördergelder und Subventionen zur Seite stand.
Kritisiert wurde bereits in den Anfangsjahren des Beiratssystems, dass dessen Mitglieder nicht in Absprache mit der "freien Szene" ernannt worden waren.
Es bestand der "Verdacht, dass dem besagten Beirat nur Personen angehören, die dem Kulturamt genehm sind, beziehungsweise solche, denen man aus dem Subventionstopf 'Schweigegelder' in Form von Jahressubventionen zukommen lässt". (Hirschbüchler 1991, S. 43)
Bereits nach wenigen Jahren des Beiratssystems wurde vonseiten der IG freie Theaterabreit ein paritätisch besetzter Beirat durchgesetzt, bei dem die Hälfte der Mitglieder durch VertreterInnen der Stadt Wien (Beamte), die andere durch freie Theaterschaffende besetzt wurde.
Ebenfalls im Zug der 90er-Jahre wurde der Beirat auf die drei am stärksten vertretenen Sparten spezialisierte: Sprechtheater und Tanz; Musiktheater, Performance sowie Theater für junges Publikum (Kinder und Jugendliche) wurden darin inkludiert, was in Folge zu einer Reihe weiterer kulturpoltischer Diskussionen führte.
1990 umfasste der Sprechtheaterbeirat acht, der Tanztheaterbeirat sechs Personen; damit waren allein 14 VertreterInnen von Stadt und "freier Szene" mit der Beobachtung, Analyse und Bewertung der Entwicklung innerhalb des Bereichs "freies Theater" in Wien sowie mit der damit einhergehenden Subventionsvergabe betraut. Das bedeutete dennoch in vielerlei Hinsicht immer noch zu wenig Wahrnehmung und Stärkung, etwa im oben erwähnten Bereich Musiktheater oder im Bereich Performance und spartenübergreifende Arbeiten.
Bereits in den Jahren des Beiratswesens wurde ebenfalls kritisiert, dass die Entscheidungen und deren Begründungen zu wenig transparent waren.
Man fand Entscheidungen über Projekte und Gruppen sowie die Angaben der Subventionshöhen zwar in den Informationsseiten der Stadt, wusste jedoch nichts über die eingereichten Beträge bzw. über die ebenfalls eingereichten, jedoch nicht subventionierten anderen Projekte. Ideen, wie die Veröffentlichung alle Einreichungen sowie die Forderung, Entscheidungen auch durch die Veröffnetlichung inhalticher Begleittexte transparenter zu machen, wurden nicht realisiert.
Eines der Ergebnisse der Diskussionen und Forderungen war hingegen die Veröffentlichung eines Leitfadens für Förderwerber durch die Stadt Wien, der u. a. eine für die Vergabe von Subventionen seitens der Stadt Wien ausschlaggebende Definition für "freie" Theaterarbeit brachte:
Unter den Begriff "Freie Gruppen"' fallen jene Theatermacher, die außerhalb der etablierten Groß-, Mittel- und Kleinbühnen 'frei' und professionell arbeiten und produzieren, sich als Gruppe zu einem Verein zusammengeschlossen haben und ein Projekt verwirklichen wollen. Dies betrifft die Sparten Sprechtheater, Bewegungstheater, Performance, Tanztheater, musikalisches Theater sowie etwaige Mischformen.
Leitfaden für Förderwerber des Kulturamtes der Stadt Wien, S. 1.
2002 gab die Stadt Wien eine sog. "Theaterstudie" in Auftrag; zu den drei Beauftragten VerfasserInnen zählen ein Angestellter des Stadt-Wien-nahen Theater der Jugend (Günther Lackenbucher), eine Mitarbeiterin der Stadt-Wien-Organisation "Theaterverein Wien" (Anna Thier, damals auch in dessen Vorstand) sowie der deutsche Journalistin und Ehemann einer österreichischen vor allem am Stadttheater tätigen Regisseurin (Uwe Matheis). Unter dem Motto "ganz oder gar nicht" wurde zum Einen die Reduzierung der Gruppen gefordert - weniger Gruppen sollten dafür je ausreichende Mittel für ihre künstlerische Arbeit erhalten als bis dahin im viel kritisierten sog. "Gießkannenprinzip" des Beiratssystems der letzten 15 Jahre davor -, zum anderen meinte "ganz oder gar nicht" auch die Bestellung eines Kuratoriums selbst: statt der ehrenamtlichen Beiratsmitglieder forderten die drei AutorInnen der knapp 40-seitigen "Studie" die Bestellung eines bezahlten Kuratoriums von drei Personen, in denen sich die VerfasserInnen selbst sahen: Nach Veröffentlichung der "Studie" wurden die drei AutorInnen so auch vom amtierenden Kulturstadtrat zu den ersten drei Kuratoren des neuen Fördersystems der Stadt Wien bestellt. Allen drei Kuratoren konnte aufgrund ihrer bis dahin ausgeführten Tätigkeiten für Organisationen der Stadt Wien (etwa der Theaterverein Wien, dessen Träger die Stadt Wien selbst ist) eine gewisse Nähe zur Stadt Wien nachgewiesen werden; ebenso wurde kritisiert, dass nur drei Kuratoren - einer der wichtigsten Kritikpunkte bereits des Beiratssystems - nicht die entsprechenden Fachkompetenzen ausweisen können; dennoch wurde das neue Kuratorensystem im Zuge einer Gemeinderatssitzung mit den Stimmen aller Parteien abgenommen und ist seit dem Förderjahr 2004 in Wien eingeführt.
2006 wechselte einer der drei Kuratoren, Günther Lackenbucher, an die Seite der amtierenden Kulturstadtrates (SPÖ) als dessen Theater-Referent.
Anfang 2007 wechselte Lackenbucher in das neu errichtete Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur (bm:ukk) als Kultur- und Theaterreferent an der Seite der neuen Bundesministerin für Unterricht, Kunst und Kultur, Claudia Schmied (SPÖ).
Wenige Wochen später holte er seine ehemalige Kuratoriumskollegen, Anna Thier, als eine der neuen BundesbeirätInnrn in das Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur.
Im Februar 2007 begannen die drei neuen Kuratoren - eine ehemalige Kollegin Günther Lackenbuchers und vormals bereits Beiratsmitglied, eine ehemalige Mitarbeiterin der Stadt-Wien-Organisation Tanzquartier Wien (Träger: Theaterverein Wien, als dessen rechtlicher Träger wiederum die Stadt Wien fungiert) sowie ein davor u. a. am Burgtheater tätiger Regisseur - ihre Arbeit für die Stadt Wien.
Die positiven Ergebnisse und jahrelangen Bemühungen um eine paritätische, vor allem auch mit den Grundlagen und Hintergründen für freie Kultur- und Theaterarbeit innerhalb der Stadt Wien vertraute Kommission aus mehreren, auch vonseiten der nicht institutionell arbeitenden Theaterschaffender selbst betrauten Personen sind so mit den Entscheidungen des von 1996 bis 2001 als Leiter der Sektion für Kunstangelegenheiten im Bundeskanzleramt und seit 2001 als Kulturstadtrat tätigen Juristen Andreas Mailath-Pokorny zurzeit wieder in den Hintergrund gerückt gegenüber einer Direktverwaltung (vertreten durch drei MitarbeiterInnen der Stadtpolitik) durch die Stadt Wien.