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Kunstproduktion und somit Theaterarbeit fordert und fördert kritisches Bewusstsein. Denn Kunst verhält sich diametral zur Macht, ergreift Partei, kämpft für Autonomie und Selbstbestimmung. Autonomie heißt Eingriff, handeln auf Basis der Selbstverantwortung. Theater greift in gesellschaftliche Prozesse ein und sucht Veränderung dort, wo Versteinerung droht. Theater will Gesellschaftsveränderung. Wir begreifen uns als Stimulans dieser Prozesse [...] Theater ist ein gemeinschaftlicher Prozess, sowohl in der Herstellung als auch im Gebrauch, daher fundamental kollektiv-demokratisch. Kollektive Demokratie ist aber kein bloßes Wort, sondern eine Haltung. Frei im Gegensatz zu den verkrusteten Institutionen der Hochkultur einer Verschwendungsgesellschaft. Hinter Verkrustung und Vergeudung steht die Angst, ihren Reichtum zu verlieren, der als Luxus aufgegeben wird, steht eine sinnlose Anhäufung von Reichtum (mit x-facher Overkill-Kapazität), der wir nur "armes" Theater entgegensetzen können. Ihr Reichtum ist Armut. Unser Reichtum gründet in Geschichtsbewusstsein. Wir sind stolz darauf, die Grundsätze der Arbeiterbewegung zu wahren. Damit haben wir uns den Vorteil einer "lebendigen Geschichte" erhalten, der uns eine Zukunft des Widerstands sichert: Widerstand durch Produktivität und Kreativität. Daraus ergibt sich ein gemeinsamer programmatischer Nenner des "Freien Theaters": politisch, anti-patriarchalisch, avantgardistisch, experimentell, nicht kommerziell. In diesem Sinne verstanden, kann Theater nie ein Ort des Besitzers, sondern nur einer der gemeinsamen Nutzung sein, womit eine für "Freies Theater" notwendige und erwünschte Fluktuation gewährleistet ist. Quelle: IF Freies Theater: Förderungspapier. Wien, November 1985 (Auszüge). |