Das bedeutendste "Theater für 49" war das Mitte 1937 eröffnete Theater "Die Insel", gegründet vom Wiener Schauspieler und Regisseur Leon Epp (1905-1968), das 1945 in der ehemaligen Komödie wiederersteht als "Insel in der Komödie" und 1951 zu einem Kino-Betrieb umgewandelt wurde. Doch auch schon die 1. Insel befand sich nicht in einem Keller, sondern "in der Sattelkammer des ehemaligen Palais des Hoch- und Deutschmeisters Erzherzog Eugen, am Parkring im Parterre. Also schon rein äußerlich wirkte es viel vornehmer. Die 49 Sitzplätze waren auf 7 Reihen aufgeteilt. Die Eintrittskarten kosteten 4 Schilling bis 80 Groschen. Die höchste Einnahme bei ausverkauftem Saal betrug 130 Schilling." (Prosl 1949, S. 116) Wie streng die Auflagen der Polizei für diese Theater der 49 waren, zeigt folgendes Beispiel: Am 14. Oktober 1937 gab man eine Vorstellung für geladene Gäste, bei der jedoch 5 zusätzliche Stühle aufgestellt wurden. Diese führte zu einer Strafhandlung gegen Epp seitens der Behörden, und der Theaterleiter sollte 100 Schilling zahlen oder 24 Stunden ins Gefängnis in das Polizeigefangenenhaus an der Elisabethpromenade. Leon Epp entschied sich für den Strafantritt. Später erzählte er: "Ich saß zum Gaudium des ganzen Ensembles die 24 Stunden ab und setzte dann wieder meine Direktionsgeschäfte fort." (Prosl 1949, S. 117) Leon Epp kann vielfach als ein Pionier des "freien Theaters" vor und nach 1938 bzw. '45 bezeichnet werden. Bereits bei der Gründung seines literarischen "Theaters für 49" war, ähnlich wie wir es auch in der sog. "freien Szene" kennen der Wunsch stark, sich künstlerisch vom "Geschäftstheater" (Prosl 1949, S. 115) abzuwenden und nicht als "Schauspielbeamter" (Prosl 1949, S. 115) in den Dienst eines österreichischen Staatsschauspiels zu stellen. "[...] es schwebte mir immer vor, ein kleines literarisches Theater für 200 bis 300 Personen aufzumachen. Ich bin aber immer über die Geldfrage gestolpert. Das gründete Elias Jubal, der am Reinhardt-Seminar studiert hatte, sein 'Theater der 49'. Nun stellte ich mir eine Gruppe von Schauspielern zusammen, die wie ich dachten und mit mir kollektiv [!] arbeiten wollten, und suchte nach einem passenden Lokal, um ebenfalls für 49 Personen spielen zu können. Ehe ich es fand, gab ich bei Jubal ab 8. Mai 1936 Gastspiele." (Prosl 1949, S. 115) Das Bedeutende an der Insel war ihre eindeutige künstlerische Richtung: die Gründung eines "literarischen Theaters", d. h. eines Theaters, dass sich explizit der internationalen Gegenwartsliteratur widmete - ähnlich wie heute etwa das Schauspielhaus (was also nichts Neues mehr ist). "Der Glaube, dass ein Theater, das sich eindeutig und mit aller Intensität zur Dichtung bekennt, einen Publikumskreis finden muss und ihm künstlerische, geistige und menschliche Werte vermitteln kann, gibt uns den Mut, dieses Theater 'Die Insel' - der Dichtung - zu schaffen. Als unser Ziel und als wesentlichste Aufgabe des Theaters betrachten wir die sorgfältigste Führung des Dialoges, um so die Musik des Wortes - der Dichtung - zum Klingen zu bringen und dem Hörer zu erschließen." (Prosl 1949, S. 115f.) In der Folge des "Anschlusses" wurde das "Deutschmeister-Palais" von der neuen, nationalsozialistischen Gemeindeverwaltung annektiert und die Insel musste aufgegeben werden. Die Abschiedsvorstellung fand am 18. Juni 1938 statt. Der der Sozialdemokratie nahe stehende Leon Epp galt auch als politisch gefährlich, und auch die Arbeitsform des Theaters als "Kollektiv" - obwohl Epp sicherlich hier die führende Funktion einnahm und später in der Insel in der Komödie eine "klassische" Theaterleitung einführte - war für die nationalsozialistischen Machthaber suspekt. Mitte 1945 war Leon Epp in Graz als Gastregisseur beschäftigt und versuchte eigentlich, dort Fuß zu fassen, was sich aber angesichts der schwierigen Verhandlungen mit der englischen alliierten Besatzung als unmöglich erwies. Seine Frau Elisabeth Epp fand in der Nähe ihrer Wohnung - das Ehepaar wohnte in der Johannesgasse - die unbenutzten zerstörten Räume der Komödie und reichte bei der Stadt Wien um die Konzession für ihren Mann ein. In ihren Lebenserinnerungen schildert sie, dass Epp damit anfangs gar nicht glücklich war, da die Räume schwer zerstört waren. Wir haben letztes Mal auch schon von Stadtrat Matejka gehört, der beim Aufbau behilflich war und das "Theater-Projekt" unterstützte. Nach mehren Wochen der Renovierung, bei der u. a. auch das im Aufbau befindliche Ensemble mitwirkte, wurde die Insel in der Komödie im Oktober 1949 eröffnet. Der Raum hat, wie sie wissen, mehr als 300 Sitzplätze und war also kein Theater der 49 mehr. Die Insel bestand als einer der ersten freien Theater mit festem Ensemble und Haus bis 1951. Dann wurde, nach monatelangen Konflikten, das "Aus" vonseiten der Stadt ausgesprochen. Der Gewerkschaftsbund bot Leon Epp die Direktion des von ihm geleiteten Volkstheaters an, und von 1952 bis zu seinem Tod 1968 - Leon Epp starb an den Folgen eines Autounfalls kurz vor Weihnachten - leitete er dieses Haus.


Das Haus in der Johannesgasse

Bis 1944 Die Komödie
1945-1945 Die Insel in der Komödie
1951 Übernahme durch die Kiba
1974 Neugestaltung des nunmehrigen Kiba-Kinos durch Architekt August Weisshaar; Eröffnung am 25. Jänner


Texte

"Das kleine Theater für 49 am Parkring im Deutschmeister-Palais war wirklich zu einer 'Insel der Dichtkunst' geworden, umbrandet von den Wogen des Alltags, die schließlich das kleine blühende Eiland verschlangen. Nach acht Jahren unfreiwilliger Pause, in der aber der Gedanke, der ihren Gründer beseelt hatte, nicht erstorben war, fand sie ihre Wiedergeburt als 'Theater Die Insel in der Komödie'.
Jetzt war Leon Epps Traum vom kleinen literarischen Schauspielhaus für 200 bis 300 Personen in schöne Erfüllung gegangen. Sein bisheriges Wirken lässt auch hoffen, dass er sein Programm, in dem er Folgendes zum Ausdruck bringt, treu erfüllen wird:
'Theater bedeutet nicht nur die Zerstreuung und Ablenkung vom Alltag. Theater bedeutet im letzten Sinn eine kultische und religiöse Auflösung der seelischen Vorgänge, die zur Sammlung, Besinnung und Erlösung führen soll. Aus der Demut vor dem Leben, vor dem Leiden und der Freude, diesen drei Werten, aus denen sich unser geistiges Dasein zusammensetzt, bilden sich jene unfassbaren und unaussprechlichen Kräfte, die sich auf den Zuhörer übertragen und ihm den Ausgleich im kultischen Theater geben, den er bewusst oder unbewusst dort sucht. Ob dieser Ausgleich im befreienden Humor des Lustspiels, der Komödie oder ihm mahnenden Ernst des Schauspiels gesucht wird, ist ohne Belang, wenn das Primäre des Theaters das Dichterwort ist. Ein Theater der Dichtung soll unsere 'Insel' sein. Indem wir ihr dienen und an ihr unseren künstlerischen Willen und unsere Kärfte steigern, wollen wir die Aufgabe, die wir uns stellen, erfüllen." (Prosl 1949, S. 118)


Quellen

Angela Eder, Diss. Wien 2005. Robert Maria Prosl: Die "Theater für 49". Vortrag, gehalten im Institut für Theaterwissenschaft an der Universität Wien am 22. März 1946. In: Jahrbuch der Gesellschaft für Wiener Theaterforschung 1946-1947. Wien: Verlag Jugend und Volk 1949, S. 102-136.

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Weitere Angaben
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