Das Theater befand sich zuerst im "Hotel Stefanie" in der Taborstraße 12 und "wird eher als eine Kneipe beschrieben als ein Theater. [...] Das Publikum saß im Zigarettenrauch vor der armselig dekorierten Bühne und wurde dazu vom Teller- und Gläsergeklapper gestört." (1)
Mit dem Wiener Theatergesetz aus dem Jahr 1929 änderte sich die Situation insofern, als Theater wie die Jüdisce Bühne nun nicht mehr in die Singspielhallenkonzession, sondern in die neue Theaterkonzession fiel. Von an musste das Haus jährlich bei der Bundespolizeidirektion, beim Verband der österreichischen Theaterdirektoren, beim
Musikverband, bei der Union des Bühnen-und Kinopersonals und beim Deutschösterreichischen Bühnenverein um Konzessionsverlängerung ansuchen, konnte dafür aber "Singspiele, Burlesken, Possen und Sprechstücke auf Deutsch oder im jüdischen Jargon" (2) geben. Gründungsdirektor war Leopold Jungwirth, ihm folgten
Schulim Podzamcze und Braclawski und 1933 Adolf Bell, ehe Leopold Jungwirth 1935 erneut an das Haus zurückkehrte.
Man spielte im Café Astoria, das einen Theatersaal besaß, und danach in Praterstraße. Hier wurde der Theatersaal auf 300 Plätze erweitert, sodass man für größeres Publikum spielen konnte, dennoch geriet das Theater 1935 in finanzielle Schwierigkeiten. "1937 wurde nur noch am Wochenende gespielt, und
1938 musste die Jüdische Bühne schließen." (3)

Zu Spielplan, Positionierung und Aufnahme siehe die Diplomarbeit von Theresa Dienstl, Jüdisches Theater in Wien in den 1930er - Vermittlung der jüdischen Identität, aus dem Jahr 2003.

Die ehemalige Jüdische Bühne, später Ernst Lönners Kleines Theater in der Praterstraße, ist heute ein Supermarkt.


Quellen & Links:
(1) Theresa Dienstl: Jüdisches Theater in Wien in den 1930er - Vermittlung der jüdischen Identität. Dipl. Wien 2013, S. 60.
(2) Ebda., S. 61.
(3) Ebda.

Wiener Stadt- und Landesarchiv, MA 104, Bücher der Theaterpolizei, B 9/1-B9/5.
Wiener Stadt- und Landesarchiv, MA 104, Karton A 8/2. Theaterkonzession für Schulim Podzamcze, Jüdische Bühne T 15/27/32.
Wiener Stadt- und Landesarchiv, MA 104, Karton A 8/2, Pläne der Jüdischen Bühne für die Praterstraße 60, T 15/36/33; T 15/15/38.
Wiener Stadt- und Landesarchiv, Karton A 8/2, T 15/2/35.

Franz Hadamowsky: Das Theater in der Leopoldstadt von 1781 bis 1860. Wien 1934.
Leopold Rosner: 50 Jahre Carl-Theater. Wien 1897
Dieter Klein / Martin Kupf / Robert Schediwy: Stadtbildverluste Wien. Ein Rückblick auf fünf Jahrzehnte. Wien 2005.

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