1905 enstand im Prater das von Theresia Klein (1859-1931) gegründete Kino Klein als eines der ersten frei stehenden Lichtspieltheater der Stadt.
Als Standort wählte Klein jenen des ehemaligen "Kaiserwurstels" - und sie behielt das Kaspertheater auch in den kommenden Jahren bis in die Dreißigerjahre.

Das Kino beheimatete darüber hinaus auch die populäre Prateraktion "Reinprechtsche Riesenschaukel" sowie eine Schaubude für weitere theatrale und vor allem für Abnormitätenvorführungen wie der "Frau ohne Unterleib", den "stärksten Kettensprenger" oder "den kleinsten Menschen aller Zeiten".

Im Jahr 1900 wurde die Riesenschaukel durch ein „Automobil Caroussel“ ersetzt und Mutoskope aufgestellt. 1905 werden erstmals auch "Lebende Bilder - singend pfeifend"in Kombination mit einem Phonographen gezeigt. Noch im selben Jahr ersetzte schließlich ein großzügiger Neubau die bisherige Bude mit Ausnahme des "Wursteltheaters". Das neue Gebäude verfügt über eine barock verzierte Fassade und zwei kleine Zwiebeltürme an den straßenseitigen Ecken.

Theresia Klein machte sich auch einen Namen als frühe Importeurin internationaler Filmproduktionen, so dass bereits am 23. März 1908 das Illustrierte Wiener Extrablatt lobend festhielt, dass gerade diese Kinobetreiberin "durch ihre Verträge mit ersten Pariser Lieferanten allwöchentlich Neues und Sehenswertes" brachte.
1924 wurde das Kino aufgrund seiner charakteristischen Kristalltürme in "Krystall Kino" umbenannt, ab 1926 wurde von November bis März nur an den Wochenenden gespielt, und von 1927 bis 1929 fanden an den Firmungstagen in Wien im Mai von 9 bis 8 Uhr abends Kindervorstellungen an. Gezeigt wurden bis in die frühen Dreißigerjahre vor allem Wildwest- und Kriminalfilme; 1933 führte man - als letztes der Wiener Praterkinos - auch hier den Tonfilm ein. 1945 wurde das Kino bei einem Bombenangriff zerstört und nicht mehr aufgebaut. Heute befindet sich an der Stelle dieses zeitweise populärsten Praterkinos am Eingang des Praters die "Prateruhr".

Anmerkungen
* Schwarz 2003 gibt als Schließungsdatum 1959 an.


Texte
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Fotonachweis
Wien Museum

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