1898 übernahm Theresia Klein (1857/59-1931) die Praterhütte Nr. 40. Hier fand sich die damals beliebte Prater-Attraktion "Reinprechtsche Riesenschaukel", die elektrisch betrieben wurde, sowie ein Wursteltheater, der sog. "Kaiserwurstel".
Ihr Mann Leopold betrieb daneben die Praterhütte Nr. 161, wo er ein Zwergentheater leitete, in dem er "Freaks" zur Schau stellte. Zu seinen "Abnormitätenvorführungen" zählten u. a. die "Frau ohne Unterleib", der "stärkste Kettensprenger" oder "die kleinsten Menschen aller Zeiten".

Im Jahr 1900 wurde die Riesenschaukel durch ein „Automobil Caroussel“ ersetzt und Mutoskope aufgestellt.

1905 erbaute Theresia Klein an ihrem Prater-Standort das "Kino Klein" als eines der ersten frei stehenden Lichtspieltheater der Stadt und zeigte hier "singende, pfeifende" "lebende Bilder": kurze Filme, die mit Grammofonbegleitung (Phonograph) gezeigt wurden. Das neue Gebäude verfügt über eine barock verzierte Fassade und zwei kleine Zwiebeltürme an den straßenseitigen Ecken, die zu einem neuen Wahrzeichen des Praters wurden.

Das bekannte "Wursteltheaters" führte Klein daneben weiterhin fort und leitete es bis zu ihrem Tod.

Theresia Klein machte sich bald schon einen Namen als frühe Importeurin internationaler Filmproduktionen. Am 23. März 1908 hielt das Illustrierte Wiener Extrablatt lobend fest, dass gerade diese Kinobetreiberin "durch ihre Verträge mit ersten Pariser Lieferanten allwöchentlich Neues und Sehenswertes" brachte.

1924 wurde das Kino aufgrund seiner charakteristischen Kristalltürme in "Krystall Kino" umbenannt.
A b 1926 wurde von November bis März nur an den Wochenenden gespielt.
Von 1927 bis 1929 fanden an den Firmungstagen in Wien im Mai von 9 bis 8 Uhr abends Kindervorstellungen an.
Gezeigt wurden bis in die frühen Dreißigerjahre vor allem Wildwest- und Kriminalfilme. 1933 führte man - als letztes der Wiener Praterkinos - auch hier den Tonfilm ein.
1945 wurde das Kino bei einem Bombenangriff zerstört und nicht mehr aufgebaut.

Heute befindet sich an der Stelle dieses zeitweise populärsten Praterkinos am Eingang des Praters die "Prateruhr".

Quellen & Links:
* Schwarz 2003 gibt als Schließungsdatum 1959 an.


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