Das 1845 (andere Angaben: 1847) gegründete Schreyersche Affentheater erhielt im Jahr 1862 durch den neuen Leiter, den Volkssänger Johann Fürst, den Namen Fürst-Theater und war bis in die späten 1870er-Jahre hinein eine der beliebtesten Volksbühnen der Stadt, an denen popuöäre Volkssänger wie Josef Matras auftraten.
An Stelle der einfachen Singspielhalle ließ Fürst ein elegantes Theatergebäude errichten. 1892 übernahm das Haus Heinrich Jantsch und nannte es neuerlich in Jantsch Theater um, ließ es 1905 noch einmal im neobarocken Stil umbauen und wandelte das Theater in den kommenden Jahren zu einem Arbeitertheater für die Wiener Kleinbüger- und Unterschicht um. Noch 1905 folgte ihm Josef Jarno, der das Haus bis 1927 als Theater führte, aufgrund der schwierigen Situation der Wiener Theater in der Zwischenkriegszeit schließlich aufgeben musste.

Das dreirangige Lustspieltheater zählte in den Jahren der Direktion Jarno zu den bekanntesten Theatern der Stadt. Josef Jarno hatte viele Jahre das Theater in der Josefstadt geleitet, war jedoch 1923/24 aufgrund der enormen Geldschwierigkeiten des Theaters und des akuten Renovierungsbedarfs vom finanzkrätigeren Max Reinhardt, respektive dessen Finanziers, abgelöst worden und leitete nun das Lustspieltheater sowie das Renaissancetheater in Wien-Neubau.

Von 1927 bis 1929 besaß Jarno die Kino-Konzession für das Lichtspieltheater, das zu einem Kino umgebaut wurde, "als Theaterbühne war es aber verloren". (Prosl 1949, S. 112)

Ab 1927 gehörte das nunmehrige "Lichtspieltheater" - ein Kinobetrieb - der Hugo Engel G.m.b.H., die auch das Elite Kino in Wien, Innere Stadt, besaß; ab 1929 war Siegfried Unger & Co. Konzessionär des Kinos, das im selben Jahr auch den Tonfilm einführte. Ende 1929 zählte es neben Flotten, Apollo und Ufa Tonkino zu den ersten Kinos in Wien, die ihre Anlage auf den Tonfilm umgestellt hatten. Während des NS-Regimes leitete ein Herr Doblhofer das 1938 in Filmpalast umbenannte Kino. Er wurde 1941 bei der Gestapo angezeigt und wahrscheinlich deportiert.

1981 brannte das Kino, das in späteren Jahren auch Tegethoff Kino und zuletzt wieder Filmpalast hieß, völlig ab und wurde nicht wieder aufgebaut. Es war das letzte noch existierende Praterkino. Alle anderen waren bereits bei den alliierten Luftangriffen auf Wien 1945 zerstört worden.

Fürsts Singspielhalle im k.k. Prater
2, Ausstellungsstraße (Praterhütte 45)
1862-1870 Fürsts Volkstheater im k.k. Prater
1872 Fürsttheater im k.k. Prater
1892 Wiener Volkstheater im k.k. Prater, vormals Fürsttheater
1894 Jantsch' Wiener Volkstheater im k.k. Prater
1896 Jantsch- Theater im k.k. Prater
1905 Lustspieltheater

Quellen

Robert Maria Prosl: Die "Theater für 49". Vortrag, gehalten im Institut für Theaterwissenschaft an der Universität Wien am 22. März 1946. In: Jahrbuch der Gesellschaft für Wiener Theaterforschung 1946-1947. Wien: Verlag Jugend und Volk 1949, S. 102-136.

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