Vor der Einführung des Tonfilms verfügte das 1916 als Wohlfahrstunternehmen im Zuge der Kriegsvorsorge von der Zentral Kino G.m.b.H. (in Zusammenarbeit mit der Ufa) gegründete Kino über ein eigenes Orchester zur Begleitung der gezeigten Filme. Die Konzession hatte bis 1926 das "Komitee der Tagesheimstätten für Kriegerwaisen und bedürtige Kinder von Eingerückten in Wien". Die Abgaben - 2 % der Bruttoeinnahmen) dienten derErrichung von Kindertagesheimen für Kriegswitwen. 1925 wurde für den Film Die zehn Gebote eine Kinoorgel eingebaut, die bis 1930 zum Einsatz kam. (Die Orgel wanderte daraufhin in die Sieveringer Pfarrkiches in Wien 19, wo sie bis 1962 betrieben wurde.)
Ab 1926 hatte die "1. Wiener Suppen- und Teeanstalt, Zentralverein für Volksernährung in Wien IX", deren 1. Vizepräsident Vizebürgermeister Franz Hoß war, 2. Vizepräsident Stadtrat Julius Tandler, die Lizenz inne.
Nur wenige Jahre darauf wurde das großzügig angelegte Kino durch die erste Präsentation des deutschen Tonfilmsystems wienweit bekannt, aber 1929 gab man hier durchgängig Tonfilme.
Bereits 1927 wurde das Kino der deutschen Ufa angeschlossen und in den folgenden Jahren, vor allem aber in den Jahren des Nationalsozialismus, zum Wiener Ufa Ton Kino (u.a. auch zur Unterscheidung vom Zentral Kino in Wien-Simmering und als Hinweis auf die Nutzung des Tobis Klangsystems der Ufa).

Das Tabor Kino war, wie auch der Name Ufa Ton Kino, belegt, ähnlich wie das ebenfalls in Wien-Leopoldstadt gelegene Schwedenkino, das Filme der MGM in Wien zeigte, ebenfalls ein sog. "Premierenfilme", und zwar für Filme der Ufa, was das Kino nicht zuletzt in den 30er-Jahren einem starken politischen Einfluss von Berlin aussetzte; so trafen sich hier bereits vor 1933 illegaler Nazitionalsozialisten.

Auch in den Nachkriegsjahren war das Bezirkskino als Tabor Kino beliebter Treffpunkt und zeichnete sich vor allem durch seine bequeme zweisitzige Bestuhlung aus sowie durch seine 70mm-Projektionen. "Die Außen- und Innenarchitektur dieser frühen Großraumkinos erinnerte stark an den traditionellen Theaterbau." (Bauer 1994, S. 13)

1996 wurde das Tabor Kino als letztes bestehendes Kino der Leopoldstadt geschlossen und an dieser Stelle ebenfalls ein Supermarkt errichtet.


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