Von 1850 bis 1918 befand sich hier das k.u.k. Militär-Reitlehrinstitut, das jedoch nach Ende des Ersten Weltkriegs geschlossen wurde. Das Gebäude stand danach für 12 Jahre leer, ehe es 1921 zur "EOS Lichtspielbühne" umgebaut wurde. Der damalige Umbau war von einigen Diskussionen begleitet, da das Areal bereits zu diesem Zeitpunkt unter Denkmalschutz stand. (1)














Vom 1921 bis 1931 trug das neue Wiener Großkino, dessen Foyer über 1.000 Personen fasste, den Namen "Eos-Kino" und wurde auch als "das Neue Eos-Kino", als "Eos-Lichtspielbühne" oder "Eos-Lichtspiele" bezeichnet und "gilt in der Wiener Film und Kinogeschichte als wohl erster Kino-Palast der Stadt". (2)
Zur Eröffnung des Kinos spielte man Anfang 1922 den Sascha-Monumentalstummfilm Herren der Meere, der an Locations an der Adria gedreht worden war.
In den Zwanzigerjahren beschäftigte der damalige Direktor, Isidor Goldblatt (3), ein angesehener Cafétier, hier ein 60-köpfiges Orchester zur Begleitung der gespielten Stummfilme. Der Kinosaal wurde nicht nur für Filme genutzt, man gab hier auch Vorträge und andere Präsentationen.












Hans Karl Koizar spricht in seinen Erinnerung an seine ersten Kinoerfahrungen davon, dass das Architektenteam Feuer den Bau des neuen geleitet hatte und sein Vater, der akademische Maler Koizar, mit der farblichen Gestaltung des Innenraumes betraut wurde, den er mit einer Crew von nicht weniger als 60 Mitarbeitern in einen nachblauen Raum mit sandfarbener Decke und indirekter Beleuchtung verwandelte. Am Portal, das sich Ecke Rennweg und Ungargasse befand, thronten sechs meterhohe Leuchtobelisken, die die Straße erleuchteten. Weithin bekannt wurde das Kino in diesen Jahren auch durch seinen Lichtreklamen und die riesigen Schaufenstern, die das Kino bis zuletzt zu einem der letzten Juwele der ehemaligen "Kinostadt" Wien machte.

Ab 1931 wurde das Kino von der Sascha Film Industrie (4) geführt, die es auch in "Sascha Palast" oder auch "Sascha III" umbenannte. Auf über 1.200 Sitzplätze, die mit Kopfhörer-Anschlüssen für Schwerhörige ausgestattet waren, bot man die damals besten und größten Filmattraktionen der Zeit. Eröffnet wurde mit der Welturaufführung der Sascha-Film-Eigenproduktion Sturm im Wasserglas. Im April 1931 folgte
Lichter der Großstadt von und mit Charlie Chaplin "der erstmals eine eigene Tonspur für seinen Film produzierte. Der dritte Höhepunkt war die Dreigroschen Oper von Bertolt Brecht und Kurt Weill, die damals erfolgreichste deutsche Theateraufführung.

In den Jahren der "Tonfilmschlager" ab 1934 erregte das Wiener Großkino einiges Aufsehen mit Live-Auftritten internationaler Stars wie Maria Jeritza, die anlässlich der Premiere eines ihrer Filme auf das Vorderdach ihres Autos vor dem Kino stieg und eine Arie sang.

Klaus Christian Vögl gibt in seiner großen Kino-Studie Angeschlossen und gleichgeschaltet (2018) an, dass das Kino ab Dezember 1934 an Ing. Kurt Wolanski verpachtet wurde. Diesem wurde, da Wolanski ein "in NS-Diktion nunmehrige[r] 'Mischling ersten Grades'", am 31. Juli 1938 der Pachtvertrag gekündigt, "nachdem im Mai bereits ein 'kommissarischer Verwalter' für den Betrieb eingesetzt worden war". (5)

Am 5. November 1944 (6) zerstörte ein Bombenangriff das Kino völlig. Hermine Kunesch (andere Angaben sprechen bereits von den späteren Kinobetreibern, der Familie Huber) übernahm Teile der Einrichtung sowie die Geräte des völlig abgebrannten Sascha Palastes und ließ damit ein anderes, 1945 eröffnetes Kino im selben Bezirk ausstatten: das > Eos-Kino auf der Landstraßer Hauptstraße 137 .

Vögl 2018 schreibt dazu: "Am 31. März 1945, als auf österreichischem Gebiet bereits gekämpft wurde, eröffnete das 1944 zerbombte Wiener Eos-Kino wieder an neuem Standort in der Landstraßer Hauptstraße - eine Absurdität, die zeigt, wie sehr die Machthaber bis zuletzt bemüht waren, den Anschein einer administrativen Normalität zu wahren." (7)














An der Stelle des einstigen Film-Palastes wurde nach 1945 die städtische Postautobetriebsleitung errichtet. 1990 zog an der Stelle des einstigen Großkinos das "Renaissance Penta Vienna Hotel" ein. (8)


Quellen & Links:
(1) www.geschichtewiki.wien.gv.at/Eos-Kino u. www.geschichtewiki.wien.gv.at/Milit%C3%A4r-Reitlehrer-Institut
(2) www.geschichtewiki.wien.gv.at/Eos-Kino; Linzenz & Besitzverhältnisse bis 1933 s. Schwarz 1992, S. 204.
(3) Isidor Goldblatt (Porzellangasse 22/6, 1090 Wien) wurde aufgrund seiner jüdischen Herkunft vom NS-Regime am 22. Juli 1942 nach Theresienstadt deportiert,
wo er am am 25. September desselben Jahre ermordet wurde (Gebäude L 504, Z N° 23). Quelle: Todesfallanzeige Ghetto Theresienstadt Sterbematrik. Vögl 2018 hingegen listet weder das Eos-Kino noch das Sascha-Kino unter die "arisierten" Kinobetriebe.
(4) www.geschichtewiki.wien.gv.at/Sascha-Film
(5) Vögl 2018, S. 97.
(6) Vgl. Vögl 2018, S. 423.
(7) Vögl 2018, S. 269.
(8) Vgl. dazu auch Wien-Wiki: An seiner [Sascha Filmpalast] Stelle folgte um 1990 das Penta-Hotel. 2018 besteht an der Adresse das 'Imperial Riding School Renaissance Vienna Hotel'. Der Name des Hotels erinnert an die "königliche Reitschule", die zuvor an der Adresse bestand." - www.geschichtewiki.wien.gv.at/Eos-Kino

Das umfangreiche Fotomaterial wurde uns von DI Helmut Werner zur Verfügung gestellt.

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