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Das Theater in der Kolingasse entstand durch die Fusionierung des Studios der Hochschulen und des aus der Szene 48 entstandenen Theaters der 49, das bis dahin im Café Dobner gespielt hatte.

Während ein Teil des Ensembles rund um Davy, Schwarz und Erich Neuberg als Theater in der Kolingasse blieb, zogen die Mitglieders des Studios der Hochschulen weiter und gründeten 1949 Das Experiment, Theater der 49 im Konzerthaus (1030 Wien).

Das Studio der Hochschulen stellte eine der ersten "Alternativen" zum etablierten Theater nach 1945 dar. Am 10. Mai 1945 erföffnete das Studentenhaus in der Kolingasse 19 mit Mensa und kleinem Festsaal. Bereits am 7. Juni 1945 folgte die dortige Eröffnung des Studios in der Kolingasse unter der künstlerischen Leitung von Dr. Friedrich Langer, dem Leiter des Kulturreferats der Interessenvertretung der Studierenden der Uni Wien, die bereits am 29. Mai 1945 mit einer Vorlesung an der Philosophopischen Fakultät wiederwiedereröffnet worden war.

Zum Ensemble gehörten u. a. Helmut Qualtinger, Kurt Sobotka, Gerhart Mörtel, Helmut Wochinz, Kurt Radlecker, Friedrich Haupt, Mischa Kehlmann, Erich Neuberg, Herbert Fuchs, Bibiane Zeller, Lona Dubois, Herta Kravina, Maria Ott, Xenia Hagmann, Hedy Reichel und der junge Wiener Schauspieler Fritz Zecha, der wenige Jahre später an der ebenfalls im Herbst 1945 eröffneten Insel in der Komödie spielt.

Am 2. Dezember 1949 fand hier die Premiere von Ödön von Horvaths Die Unbekannte aus der Seine in der Regie Kurt Radleckers statt. Kurt Sobotka schreibt dazu in seinen Lebenserinnerungen, es sei die "deutschsprachige Uraufführung" gewesen. Der Wiener Sessler-Verlag verweist demgegenüber auf die UA in Linz 1947.
"Trotz allem, oder vielleicht gerade deshalb, war es 'Ein großer Abend für das Studio!' Ich weiß noch, dass wir damals das Stück auf einer extremen Schräge spielten. Der Bühnenboden fiel zum Zuschauerraum hin sehr steil ab. Das galt 1949 als sehr modern." (Kurt Sobotka, Wenn ich mich recht erinnere ..., Wien 2003)

Es folgten Shakespeares Komödie der Irrungen in der Bearbeitung Hans Rothes, Nestroys Talisman in der Regie Helmut Qualtingers und Salomon Rappaports Dibbuk unter der Leitung von Walter Davy und mit der Musik von Gerhart Rühm.
Franz Tassié hob anlässlich der Premierenbesprechung in der Weltpresse vor allem die Leistung Davys hervor: "Wenn nicht alles trügt, gehört Walter Davy zu den Auserwählten seines Faches. Ich schreibe die Worte im Bewusstsein nieder, dass sie eine Karriere beinträchtigen können, denn wir leben in einer heimtückischen Stadt, in der die Mittelmäßigkeit allen Platz gepachtet hat und das Talent, das viele Talent, in Einsamkeit irrt."

Am 19. Oktober 1950 wurde die 5. Spielzeit eröffnet - am 12. November 1950 musste das Theater in der Kolingasse aufgrund der Kündigung des Hausherrn schließen: nach 70 Inszenierungen in 5,5 Jahren und mit 150.000 S. Schulden.

Friedrich Langers Weg vom Theater führte direkt in das Kulturreferat der Stadt Wien: Viktor Matejka holte ihn dorthin und errichtete eigens für Langer eine neue Planstelle (Vorgänger Langers im Kulturreferat war Hans Horak gewesen, Direktor der Kammerspiele, der für Matejka als externer Berater tätig gewesen war).

Zum Theaterraum vgl. Herbert Lederer: Bevor alles verweht... Wiener Kellertheater 1945-1960. Wien: ÖBV 1986, S. 31.