Gegründet wurde dieses Kino von der erfolgreichen Kinofamilie Roschlapil, die bereits 1904 in der Alserbachstraße den Weltbiograph führten. Eröffnet wurde im Herbst 1909 - in einer edlen "Theater"-Ausstattung, die, so eine Besprechung in Die Schwalbe vom 16. September dieses Jahres, wie auch das Programm und die Vorführung "anbelangt, als erstklassiges Etablissement gelten muss. In schlichter Eleganz präsentiert dieses Unternehmen eines der schönsten unserer Stadt [...] mit dem Kino Modern ist ein der Großstadt würdiges Etablissement geschaffen worden." Das Programm des Kinos verdeutlicht die damalige Aufführungspraxis: "Jeweils zehnminütige Filme zeigten abwechselnd 'Belehrendes' und kleine Geschichten. Das Eröffnungsprogramm des Kinos Modern begann mit Marschmusik. Die ersten Bilder auf der Leinwand zeigten einen Rundgang durch St. Bonifacio. Der humorvolle Teil wurde mit Jochen macht Reserveübungen bestritten - ein Militärschwank zur Aufheiterung. In der Pause spielte die Salonkapelle des Kinounternehmens einen Walzer, währenddessen neue Gäste Gelegenheit hatten, ihre Plätze einzunehmen, um, nachdem es wieder dunkel geworden war, das 'Wunder' aufblühender Tulpen zu sehen; [...]. Der Filmbeitrag Zum Kuckuck der Schwiegersohn gehörte wieder zur heiteren Abteilung des Programms. In der anschließenden Pause konnten sich das Publikum vom Lachen erholen, um im dritten Teil Märchen und Träumen zu folgen, die schließlich musikalisch mit einem Schlussmarsch ausklangen. Das gesamte Programm dauerte knapp eine Stunde." (Grafl 1993, S. 30f.)
1972 wurde mit dem Freien Kino an dieser Stelle das erste "Alternativkino" Wiens eröffnet. Die Leiter versuchten in den folgenden Jahren, unabhängige Programme zusammenzustellen und anzubieten - das Projekt scheiterte an der Förderung durch die Stadt Wien, "da das Konzept von Programmkinos beiden Förderstellen noch nicht als notwendig für die Film- und Kinokultur [der Satdt Wien] angesehen wurde." (Grafl 1993, S. 141)
1976 schloss der zu diesem Zeitpunkt als Roßauer Kino geführte Betrieb für immer und machte einem weiteren Wiener Privattheater Platz: der damals zweiten englischsprachigen Bühne der Stadt, dem International Theatre, das sich in den Räumen des ehemaligen Kinos seinen "Studiocharakter" mit 99 Sitzplätzen erhielt und bis heute englischsprachige Dramen, vor allem zeitgenössische und Boulevardstücke bringt. Das kleine Theater feiert 2006 sein dreißigjähriges Bestehen an diesem Standort.

Weitere Angaben
Tel.: +43 / (0)1 / 319 62 72
Mail: office@internationaltheatre.at
Website: www.internationaltheatre.at

Texte
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