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Chronik Film/Kino in Wien

1832 erfindet der Tiroler Mathematiker und Naturforscher Simon Stampfer (*1792) das Laufbild - eine stroboskopische Scheiber, durch die man Bilder auf einer sich drehenden Scheibe durch Schaulöcher beobachten kann: die Laterna magica.

1836 Das "Vagabunden- und Schaustellergesetz" wird erlassen, das bis in die erste Häfte des 20. Jahrhunderts auch für die Erwerbung von Kinos bzw. das Vorführen von Filmen zur Anwendung kommt.

1847 14. Jänner Ludwig Döhlinger führt mit dem von Stampfer erworbenen Gerät im Josefstädter Theater zum ersten Mal in Wien bewegliche Bilder vor.

1895 Am 28. Dezember zeigen die Brüder August und Louis Lumière in Pariser Grand Café am Boulevard des Capucines zum ersten Mal eine öffentliche Filmvorführung. Zu diesem Zeitpunkt gab es auf der Welt noch keine festen Kinovorführräume - 20 Jahre später mehr als 50.000 weltweit, vom Bioskop und Kinetoskop zum Elektrotheater, Ladenkino und "Lichtspieltheater".

1896 werden in Wien ähnliche Filme durch Eugène Dupont gezeigt: Am 20. März 1896 findet in der Lehr- und Versuchsanstalt für Fotografie und Reproduktionsverfahren die erste belegte öffentliche Kinovorführung mit dem Lumière'schen Kinematographen vor geladenem Publikum in Wien statt. Ab 27. März werden weitere Vorstellungen in der Inneren Stadt, Kärntnerstraße 45 / Ecke Krugerstraße 2, bald darauf auch in der Kärntnerstraße 39 sowie ab August im Stadtpanoptikum geboten.
Kinematographen stehen von da an zumeist bei Schaustellern und auf Jahrmärkten (unter anderem in dem 1896 am Wiener Kohlmarkt eröffneten "Stadt-Panoptikum" von Louis Veltée); es gilt deshalb auch für diese Präsentationen das 1836 erlassene "Schaustellerpatent" (s.o.).
Am 26. August 1896 eröffnet Louis Veltée am Kohlmarkt 5 das sog. "Stadtpanoptikum".

1897 experimentiert Hermann Casler mit dem Verfahren des 70mm-Filmes, der erst Mitte des 20. Jahrhunderts in die Kinopraxis eingeführt wird.

1898 Ab diesem Jahr mussten alle Operateure eine Prüfung ablegen, ohne diese hatten sie kein Recht auf öffentliche Filmvorführungen in Wien. Im selben Jahr entwickelt Rudolph eine neue Methode zur Bildvergrößerung: das Cinemascope. Der Cinemascope-Film wird in den Fünfzigerjahren zur ebenso großen Konkurrenz gegenüber den bisherigen Filmproduktionen wie Anfang der Dreißigerjahre der Tonfilm. Führende Wiener Cinemascope-Kinos waren in den ersten Jahren das Weltspiegel und das Eos Kino.

1903-1905 entwickelten sich aus zahlreichen ehemaligen temporären Vorführsälen und Zeltkinos die ersten festen Kinos in Wien, Zentren waren dabei die Innere Stadt sowie der Prater, aber auch die Mariahilfer Straße im 6. Wiener Gemeindebezirk, Wien-Mariahilf. Es sind vorerst einfache Räume in Zelten, Eckgasthöfen und Höfen, in denen man möglichst viele Stühle hineinstellt und die Kinoprogramme mit der Ausschank von Getränken und dem Verkauf von Speisen begleitete.

1905 wird das erste Filmverleihunternehmen der Monarchie gegründet.

1906 gibt es 12 "echte" Kinos in Wien; im selben Jahr entstehen die ersten Filmverleihunternehmen.

1907 Gründung des "Reichsverbandes der österreichischen Kinematographenbesitzer"; Beginn einer österreichischen Filmproduktion.

1908 Sophie Nehez besteht als erste Frau die Wiener Filmvorführerprüfung und die erste österreichische Filmproduktion.
Eine Gemeinschaftsarbeit von Anton und Luise Kolm (der Tochter von Louis Veltée), Jakob Julius Fleck und Heinz Hanus - Von Stufe zu Stufe - kommt als erster abendfüllender österreichischer Spielfilm in die Wiener Kinos. Der Film beginnt und endet übrigens im Wiener Prater - der Vergnügungspark gilt als ein wichtiger Topoi des frühen Films -, leider gilt der Streifen heute als verschollen.

1909 Nach den ersten Jahren eines echten Wiener "Kinobooms" gibt es in Wien nicht weniger als 74 Kinos in Wien, davon 41 innerhalb des Gürtels. Viele dieser Kinos schlossen binnen nur weniger Monate oder übersiedelten unter Beibehaltung ihrer Namen in andere, besser frequentierte Straßen. Das es zu diesem Zeitpunkt noch keine geregelte Kinoansiedlung in Wien gab - es galt in diesen Jahren noch immer das "Vagabunden- und Schaustellergesetz" des Jahres 1836 - wurde die Lizenzvergabe äußerst locker gehandhabt, und viele Kinobesitzer siedelten mit ihren zumeist kleinen Ladenkinos in vorerst noch recht unlukrative Gegenden, die sie binnen weniger Jahre, ja Monate, wieder verlassen mussten. Eine ebenso rege wie ungeregelte Kino-Bewebung innerhalb Wiens war die Folge, der erst durch die drei Jahre später ausgerufene erste Wiener Kinoverordnung Einhalt geboten wurde. Kinolizenzen waren in diesen ersten Jahren vorwiegend "Bettellizenzen", die nach Bedürftigkeit erteilt wurden, wobei gerade die Frage nach dem "Bedarf" eines Kinounternehmens an den unterschiedlichsten Wiener Standorten in diesen ersten Jahren eine recht schwer zu beantwortende war - viele UnternehmerInnen scheiterten daher in diesen frühen Jahren, da sie ihre Betriebe an wenig frequentierten Neben- und Seitengassen errichteten.

1910 filmt die neu gegründete Erste Oesterreichische Kinofilms-Industrie mit Sitz in der Währinger Straße 15 in Wien IX das Begräbnis von Bürgermeister Karl Lueger. Der Film wird in 22 Wiener Kinos gezeigt.

1911 Umbenennung der Ersten Oesterreichischen Kinofilms-Industrie in Wiener Kunstfilm-Industrie Ges. m. b. H. Im selben Jahr Entstehung des Verbandes der Kinoindustriellen.

1911-1914 Eröffnung von nicht weniger als 102 neue Kinos in Wien.

1912 erscheint die erste Kinematographenverordnung Wiens, nach der auch für den Betrieb von Kinos um Konzessionen angesucht werden musste - das erste eigene "Kinogesetz" Wiens. Im selben Jahr findet in Wien der Internationale Kinematographenkongress sowie die Internationale Kinoausstellung statt.
In der gesamten Monarchie spielten über 700 feste Kinos täglich Programme - und 127 sog. "reisende" Kinos, deren Kinosäle aus einem Zelt bestanden und die vor allem Komödien und "Dokumentationen" wie Eine Fahrt mit der Mariazeller Bahn zeigten. Mit der Einführung der Kinematographenverordnung änderten sich auch die Vergabemodalitäten insofern, als man in den folgenden Jahren weniger Einzelpersonen, als vielmehr gemeinnützigen Vereinen Konzessionen zur Führung von Kinos bzw. Lichtspielen genehmigte, vor allem Kriegsveteranen, Invaliden- und Witwenvereinen, wie sie in den Jahren nach Ende es 1. Weltkrieges zahlreich entstanden, aber auch Volksbildungsvereinen, die vor allem in den Jahren des "Roten Wien" eine Reihe von Wiener Kinos leiteten - am bekanntesten das Kosmos Kino in Wien-Neubau.

1913 werden erstmals in Wien auch Tonfilme präsentiert - u.a. im September in den Sophiensälen (Edison Kinetophon) oder Gaumont-Vorführungen unter demTitel Sprechender Film. Diese finden jedoch wenig Anklang - aus unterschiedlichen Gründen, vor allem wegen der hohen Materialkosten und des zu geringen internationalen Verleihs zu jener Zeit. Im selben Jahr gründet Alexander Joseph "Sascha" Graf Kolowrat-Krakowsky die Sascha-Filmfabrik in Wien XX, Pappenheimgasse 2/Ecke Treustraße. Die erste Wiener Filmfabrik des wohl bekanntesten Filmpioniers der Wiener Kinogeschichte bestand bis 1933, war jedoch bereits in den 1920er-Jahren nur noch eine Kopier- und Einfärbeanstalt im Verbund des damaligen Kolowrat-Filmimperiums.

1914 gibt es in Wien nicht weniger als 150 Kinos. Mit Beginn des Ersten Weltkrieges wird die Einfuhr ausländischer Filme verboten; die heimische Filmproduktion erlangt dadurch einen ungeahnten Aufschwung.

1915 übernimmt Alexander Joseph "Sascha" Graf Kolowrat-Krakowsky die Filmexpositur des k.k. Kriegspressequartiers in Wien. 1886 in Glendale (NY) geboren, hatte Kolowrat bereits 1910 die Sascha-Filmfabrik in Pfraumberg in Böhmen gegründet, war jedoch 1912 nach Wien gezogen, wo er u.a. den Film Die Gewinnung des Erzes am steirischen Erzberg in Eisenerz produzierte und 1913 die Sascha-Filmfabrik eröffnete (Pappenheimgasse 2, Wien XX).

1916 wird die baubehördlichen Auflagen zur Gründung von Kinos in Wien wesentlich verschärft. Diese Auflagen führen ebenso wie der Erste Weltkrieg zu einer Reihe von Schließung bzw. zu einer ersten Stagnation bei den Kinogründungen in Wien, dennoch werden auch während der Krieges weitere Kinos in Wien eröffnet.
Noch im selben Jahr gründet Kolowrat gemeinsam mit dem deutschen Filmpionier Oskar Meßter die Sascha-Meßter-Filmfabrik. Bereits zu dieser Zeit werden knapp 50% der Wiener Kinos und nicht weniger als 90% der Verleihunternehmen von jüdischen InhaberInnen geführt.

1917 eröffnen vier weitere neue Kinos in der Stadt.

1918 werden nicht weniger als 100 österreichische Spielfilme hergestellt, darunter v.a. Kostümfilme, Gesellschaftsdramen, aber auch Propagandafilme - und unzählige Kriegswochenschauen. Nach dem Ende des ersten Weltkrieges und dem Ende der Monarchie wird aus dem ehemaligen Reichsverband der Kinematographenbesitzer der Bund.
Das spätere NSDP-Mitglied Heinz Hanusch (eig. Heinz Hanus), einer der Pioniere des österreichischen Films, gründet in diesem Jahr den Verband der Filmregisseure und Kameraleute.
Graf Kolowrat eröffnet die Sascha-Filmindustrie AG - die größte Filmproduktions- und Filmverleihanstalt in Wien.
Nur ein Kino wird in diesem Jahr in Wien neu eröffnet. In Wien gibt es insgesamt bereits 155 Kinos.

1919 werden fünf weitere Kinolizenzen in Wien vergeben; Einführung der Opferfürsorge-Abgabe.

1920 Aus dem "Bund" wird der bundesweit tätige Zentralverband der österreichischen Lichtspieltheater. Dreizehn weitere Kinos eröffnen in diesem Jahr in Wien.

1921 Sieben Kino werden in Wien eröffnet. Erster Höhepunkt der deutschsprachigen Filmproduktion.

1922 Ottakring ist mit 13 Lichtspieltheatern der Kino-stärkste Wiener Bezirk. Es folgen Wien-Landstraße, Neubau und Wien-Leopoldstadt (ohne Prater) mit je zwölf Kinos. Im Prater selbst gibt es zu dieser Zeit acht Kinos, in Favoriten, Meidling und in der Inneren Stadt je elf Kinos, in allen anderen Bezirken unter zehn Lichtspielbühnen. Mit 5.764 Kinoplätzen in Wien-Ottakring ist dieser Bezirk auch an Sitzplätzen der stärkste Wiener Kinobezirk. Es folgen der Prater, dessen acht Kinos nicht weniger als 4439 Menschen Platz bieten. Wien-Döbling ist zu dieser Zeit mit knapp 1.000 Plätzen der wienweit schwächste Kinobezirk.
Im selben Jahr wird zum ersten Mal auch ein Konzessionsansuchen für ein Wiener Freiluftkino vorgelegt.

1923 Sascha Kolowrat eröffnet am Rosenhügel in Mauer das größte österreichische Filmproduktionsunternehmen.

1926 Erst acht Jahre nach Kriegsende und dem Ende der Zensur im Zuge der Republik-Gründung wird die Kinozensur abgeschafft. Im selben Jahr das erste Wiener Kinogesetz erlassen, nach dem die Kompetenz in Kinoangelegenheiten von nun an beim Land liegt, das für Gesetzgebung und Vollzug verantwortlich ist. Aufgrund der in diesem Jahr schlechteren Situation der österreichischen Produktionsfirmen wird für den Import von ausländischen Filmen eine Bewilligungspflicht eingeführt; dennoch blühen gerade die Filmverleihfirmen immer mehr auf.

1927 gibt es in Wien nicht weniger als 170 Kinos - 67.000 Sitz- und 308 Stehplätze. Dabei fassten nur vier Wiener Kinos mehr als 1000 Personen, das Gros der anderen Wiener Kinos fasste zwischen 200 und 400 Personen.
1927 hatte sich in Wien die Idee von Freiluftvorstellungen bereits soweit durchgesetzt, dass Feiluftvorstellungen nun auch zu politischen Zwecke herangezogen wurde, etwa von der Sozialistischen Partei, die sich gleich einen der zentralsten Wiener Plätze für ihre Vorstellungen aussuchte: den Wiener Naschmarkt. Die Propagandafilme wurden auf einer 60 Quadratmeter großen Leinwand gezeigt, das Areal fasst über 10.000 Personen.

1928 178 Kinos in Wien - in Österreich insgesamt 750 - und nicht weniger als 70 Verleihunternehmen.
Im selben Jahr wird die gemeindeeigene Kiba (Kinobetriebsanstalt GmbH) gegründet, zu deren Aufgaben es primär gehörte, die sozialdemokratischen Interessen innerhalb Wiens durch die Führung von Propagandakinos zu stärken.

1929 Während der Weltwirtschaftskrise gab es in Wien Einheitspreise für den Kinobesuch: 50 Groschen kostete damals ein Platz im Parkett, 60 Groschen ein Balkon- oder Logenplatz. Im selben Jahr wird der erste Tonfilm gezeigt - und führt zu ersten heftigen Protesten der Kinomusiker der Stadt.

Ende der 20er-Jahre schlossen die ersten Sommerkinos Wiens bereits wieder von den Park- und Grünanlagen der Stadt, und es sollte knapp 50 Jahre dauern, ehe sie wieder in der Stadt Einzug fanden.

1930 Ab 1930 werden die meisten Stummfilmkinos der Stadt konsequent zu Tonfilmkinos umgebaut. Bereits in wenigen Monaten sind von 569 laufenden Filmen 158 Tonfilme. Ein Jahr später überwiegt bereits der Tonfilm in den Kinos, 1932 laufen keine Stummfilme mehr in Wien. - Doch die Umstellung auf den Tonfilm führt auch zu einer Krise der sog. Kinomusiker, die ab 1929 mehrmals auf den Straßen Wiens demonstrieren. Viele der ehemaligen kleinen Grätzelkino überstehen die Einführung des Tonfilms aus finanziellen Gründen nicht, andere, besser situierte, Kinos nutzen diese Umbruchphase für stattliche Umbauaktionen, etwa die Verschönerung von Portalen, Eingangs- und Kassenhallen, der Zuschauerräume und natürlich der technischen Einrichtungen.

1931 führt die Premiere des Filmes Im Westen nichts Neues zu einem der ersten politischen Skandale; Demonstrationen, Störaktionen und Tumulte sind die Folge.

1933 wird der Zentralverband der österreichischen Lichtspieltheater zu einer öffentlich-rechtlichen Körperschaft. Die Interessenvertretung wird ständisch umorganisiert; man richtet ein Gremium ein der Lichtspielunternehmer Österreichs ein, die als Körperschaft öffentlichen Rechts fungiert, der jede/r BetreiberIn eines Kinos in Österreich angehören muss. Im Wesentlichen bleibt die Struktur des Gremiums mit jener des Zentralverbandes aus dem Jahr 1920 ident; bereits 15 Wiener Kinos waren in diesem Jahr bereits "NS-Kinos" - demgegenüber befanden sich 50% der Wiener Kinos in jüdischen Händen (vgl. Vögl 1987, S. 87)

1934 wird in den Bundesländern teilweise die Filmzensur wiedereingeführt.

1935 folgt mit dem neuen Wino Kinogesetz eine weitere Verschärfung der ständestaatlichen Kontrollmaßnahmen. In diesem Jahr gibt es 179 Kinos in Wien, 738 in ganz Österreich. In Wien sind 13 Produktionsfirmen ansässig; von den 300 Filmen, die in diesem Jahr anlaufen, sind die meisten amerikanischer Herkunft, es folgen Produktionen aus Deutschland, 27 Filmen werden in Österreich produziert.

1936 findet der Erste offizielle Wiener Filmball statt
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1937 Durch die in diesem Jahr veröffentlichte Novelle zum Wiener Kinogesetz wird nur noch dem- bzw. derjenigen eine Konzession übertragen, der/die einen tatsächlichen Bedarf nach einem neuen Kinostandort nachweisen kann ("Ortsbedarf").

1938 übernimmt die deutsche Reichsfilmkammer das österreichische Kinowesen; das Reichspropagandaministerium lenkte die Filmproduktionen, der Zentralverband der österreichischen Lichtspieltheater / das Gremium der Lichtspielunternehmer Österreichs wird noch am Tag des Einmasches, am 12. März 1938, aufgelöst.
Wien wird neben Berlin und München zur Hauptproduktionsstätte (vor allem durch die neu gegründete Wien-Film sowie die Tobis-Sascha); die Wiener Außenstelle der Berliner Reichsfilmkammer befindet sich in der Siebensterngasse in Wien-Neubau. Die jüdischen Kinobetriebe werden binnen Tagen arisiert; die Zensur verschärt. Am 18. Juni wird die deutsche Reichskulturkammergesetzgebung in Österreich gültig.
Am 27. August des Jahres erscheint im Kinojournal eine aufschlussreiche Liste, nach der es kurz nach dem Anschluss 65 "jüdische", 19 unter "jüdischem Einfluss" stehende und 86 "arische" Kinos in Wien gab. Bis zum Oktober 1938 werden 55 der Wiener Kinos an "verdiente Parteigenossen" - die Ostmärkische Filmtheater Betriebs Ges.m.b.H. freilich erhielt die größten Kinos der Stadt wie das Scala und Apollo Kino oder das ehemalige Zentral Kino, das nunmehr in Ufa Kino, umbenannt wird. Im Dezember des Jahres ist die "Arisierung" bis auf das Westend und das Arkaden Kino abgeschlossen. - Kruger, Nestroy, Votivpark, Schweden und Elite Kino sowie das Burg Kino spielen zu diesem Zeitpunkt als einzige Wiener Kinos noch "feindliche" Filme des fremdsprachigen Auslands.
In den folgenden Jahren wird schließlich auch der zu "fremdländisch" klingende Begriff "Kino" gegen "Lichtspiele" oder "Filmtheater" ausgetauscht - das Maria Theresien Kino wurde vom neu eingesetzten Konzessionär gar in "Ostmark" umbenannt, andere ehemalige "Kinos" verloren einfach diesen bis dahin gebrauchten "Zunamen" und hießen in den folgenden Jahren schlichtweg "Kurbel", "Kreuz" oder "Royal".
Die Kiba betreibt in diesem Jahr sieben Kinos in Wien - Apollo, Busch, Mariahilf, Opern, Scala, Schweden und Weltspiegel Kino - sowie weitere Kinos in Linz und Steyr; im Herbst des Jahres wurde die Kiba von der Ostmärkischen Filmtheater Betriebs GmbH übernommen, einer Tochter der deutschen Filmtheater GmbH; damit war auch hier die "Gleichschaltung" erfolgt, die Kiba blieb während des Krieges auch die einzige Betriebskette, die in der "Ostmark" neben den arisierten Einzelbetrieben weiterbestehen durfte.

1939 hat der Kinoboom zu Kriegsbeginn - 222 Kinos in Wien! - sein Ende. In den folgenden Kriegsjahren geht die Zahl der Kinos in Wien wieder deutlich zurück.

1941 hatte einzig das "Hochstädt" noch seinen Beinamen "Kino" behalten; die Scala in Wien-Wieden ist das repräsentativste Kino der "Ostmark".

1943 Am 8. Jänner des Jahres führt der Polizeipräsident von Wien die Kino-Betriebssperre ab 22 Uhr ein.

1944 Bei einem schweren Bombenangriff im Juni wird rund ein Viertel aller Wiener Kinobetriebe zerstört, darunter das Busch Kino im Prater, der Sascha Filmpalast und das Schweden Kino.
Von 1. September an sind alle Theater geschlossen, die Kinos dürfen weiterspielen - und so wird etwa aus der Volksoper ab 6. Oktober 1944 für einige Monate das zweitgrößte Kino der Stadt mit nicht weniger als 1.550 Plätzen! (Vögl 1986, S. 17)

1945 Im April dieses Jahres werden weitere Wiener Kinos zerstört. Nach Kriegsende müssen die Kinos einen Monat geschlossen bleiben, bis das Überwachungsorgan der Alliierten, der "Information Service Brunch" installiert ist, der die Programmüberwachung sowie die "Entnazifizierung" der in Film und Theater tätigen KünstlerInnen übernimmt.
Am 10. Mai des Jahres wird das diesbezügliche Gesetz zur Entnazifierung verabschiedet. Es betrifft einen Großteil der Wiener Kinos. Ebenfalls noch im Mai wird aus der ehemaligen Reichsfilmkammer unter der neuen Verwaltung das Gremium der Lichtspielunternehmer Österreichs (Zentralverband der österreichischen Lichtspieltheater) wiederinstalliert. Ein Bombenfonds zur Behebung der schlimmsten Schäden wird gegründet: Bereits im August 1945 sind 35 Kinos wieder in Betrieb. Kurz nach Kriegsende setzt schließlich ein neuer Aufschwung mit internationalen Filmen in den Wiener Kinos ein.
Bei der "Entnazifizierung" werden in den kommenden Jahren zahlreiche Unregelmäßigkeiten begangen: Die meisten Kinobetriebe werden tatsächlich nicht ihren ehemaligen Besitzern bzw. den überlebenden Verwandten und Nachfahren übergeben, sondern der Kiba, der stadteigenen Kinobetriebsgesellschaft, die ebenfalls in diesem Jahr neu gegründet wird. Diese erhielt nicht nur die Immobilien, sondern auch 40 % der Konzessionen.
Die Zeitschrift "Mein Film" erscheint wieder.
Und auch die "Gesellschaft der Filmfreunde" wird in diesem Jahr wiedergegründet.

1946 wird aus dem Gremium der Lichtspielunternehmer Österreichs die Fachgruppe der Lichtspieltheater. Im selben Jahr kommt es zur Spaltung der Alliierten-Kino- und Film-Überwachung in Wien: Die sowjetischen Besatzer gründeten einen eigenen Sowexport-Film-Verleih.
In diesem Jahr erscheinen die Zeitschriften "Funk und Film" und "Österreichische Kino-Zeitung" wieder.

1947 erreichte die kulturpolitische Krise der Nachkriegszeit ihren ersten Höhepunkt. Dabei waren es vor allem die Wiener Theater, die immer schmerzhafter die Konkurrenz des Kinos zu spüren begannen, doch auch die Kinos selbst waren von Strom- und Kohlemangel, aber auch von der mangelnden Kaufkraft des Nachkriegspublikums geprägt. So konnte aufgrund der mangelnden Stromversorgung im Jänner des Jahres 1947 in den Kinos wie auch in den Theatern nur an den Wochenenden gespielt werden.

1947 Gründung der Staatlichen Hauptstelle für Filmbildung.
Die Katholische Filmkommission nimmt ihre Arbeit auf.

1947/48 wird der Zentralverband der österreichischen Lichtspieltheater der Kammer der gewerblichen Wirtschaft eingegliedert.

1948 geben die westlichen Alliierten die Zensur auf - mit Ausnahme von 1.200 "Nazi-Filmen" auf der Verbotsliste des Jahres 1947. Die sowjetischen Zone besteht hingegen bis 1955 auf einer Filmgutachtung und auf einer prozentuellen Film-Aufteilung von 50 % Filmvorführungen sowjetischer Herkunft bzw. sowjetischen Verleihs; dennoch ist man bei Vergehungen eher locker - es bleibt zumeist bei Verwarnungen.
Im Volksbildungshaus Alsergrund präsentiert sich in diesem Jahr das Österreichische Kinemathek-Museum (1951 zieht es in das Hotel "Münchnerhof" in Mariahilf um.)
Gründung der Filmwissenschaftlichen Arbeitsgemeinschaft innerhalb der Gesellschaft der Filmfreunde (1953 wird diese eine eigene Gesellschaft, der ab 1956 auch der Aufgabenbereich "Filmwirtschaft" zukommt.)

1949 wird das Künstlerhaus Kino eröffnet.
Die ersten Internationalen Festwochen des religiösen Films finden statt (es gibt sie bis 1963, u. a. im Konzerthaus und im Apollokino).
Im Taborkino finden die Festwochen des sowjetischen Films statt.
Und im Apollokino gibt es in diesem Jahr Wiener Filmfestwochen.

1950 wurde das nach Kriegsende geltende Gesetz, nach dem kein NS-Belasteter ein Kino führen durfte, wieder aufgegeben. Die Rückgabe arisierter Kino an die ehemaligen BesitzerInnen gehörte zu den viel diskutierten Fragen der Wiener Kulturpolitik nach 1945. Zahlreiche Prozesse und Rückgabestreitigkeiten waren die Folge. Viele Ansuchen wurde bis heute nicht geklärt, eine große Anzahl der Wiener Kinos von der Sascha Filmproduktion und der Kiba übernommen, etwa das Maria Theresien Kino, das Flieger, Löwen und Wienzeile Kino (Sascha), der Kiba wurde 1951 unter heftigen Prozessen u.a. das Theater Die Insel in der Komödie übergeben - das heutige Metro-Kino des Österreichischen Film-Archivs!
Im selben Jahr wird das Forumkino eröffnet.
Die Erste historische Kinoausstellung des Kinemathek Museums findet statt.
Und im Taborkino gibt es die CSR Filmfeswoche.

1951 wird der Erste österreichische Filmclub gegründet.
Die Zeitschrift "Filmschau" der katholischen Filmkommission erscheint zum ersten Mal (sie wird bis 1972, zuletzt als "multiMedia" bestehen).
Die Katholische Kirche startet eine Unterschriftenaktion mit dem Titel "Wir wollen den guten Film".
Im selben Jahr wird auch die Evangelische Filmgilde gegründet.

1952 Im Taborkino gibt es eine Marlene-Dietrich-Ausstellung des Ersten österreichischen Filmclubs.
Im Auditorium Maximum der Universität Wien wird die Internationale Festwoche des wissenschaftlichen Films präsentiert (ebenfalls durch den Ersten österreichischen Filmclub).
Im Taborkino laufen in diesem Jahr auch die Chinesischen Festwochen.

1953 existierten immer noch über 200 Kinos in Wien - zahlreiche Bezirks- und Grätzelkinos, die in den ersten Jahren nach Kriegsende von den zahlreichen internationalen Filmen profitierten, die man nun endlich auch in Wien zeigen konnte.
Das Jahr verzeichnet mit 48,8 Millionen BesucherInnen einen historischen Höchststand in Wien.
Die Studie "Großstadtjugend und Kino" wird in Auftrag gegeben.

1954 Am 1. Oktober gehen 32 Wiener Kinos infolge einer neuen Grenzziehung in niederösterreichischen Besitz über.
Im Flottenkino in Mariahilf wird das erste "Artkino" Wiens, das Studio 1, eröffnet.
Die Erste internationale filmwissenschaftliche Woche wird von der Österreichischen filmwissenschaftlichen Gesellschaft in Zusammenarbeit mit der Hauptstelle für Bildungsfilm veranstaltet (sie läuft bis 1970 insgesamt acht Mal).
In der Österreichischen Nationalbibliothek wird die Sonderausstellung "Vorstufen des Films in der bildenden Kunst" gezeigt.
Im neu eröffneten Lux Palast in Neulerchenfeld (Wien XVI) wird der erste Cinemascope-Film gezeigt.

1955 Beschluss des Wiener Kinogesetzes, das in den folgenden Jahren mehrfach novelliert wird (zuletzt 1980):
"Es schreibt für den Konbetrieb die Konzessionspflicht vor. Ein Kino darf nur in einer genehmigten Betriebsstätte betrieben werden. Der Betrieb muss einen ausgebildeten und geprüften Filmvorführer beschäftigen, der dem Magistrat (MA 7) gemeldet werden muss. Im Kino dürfen nur Dienstnehmer ab dem vollendeten 16. Lebensjahr beschäftigt werden." (Herbert Dörfler 1986)
Im selben Jahr erscheint auch die Kinobetriebsstättenverordnung, die sich zum Großteil auf die ersten kinobaurechtlichen Bestimmungen aus dem Jahr 1916 berufen.
Gründung des Österreichischen Filmarchivs (seit 1997 Filmarchiv Austria, Augarten, Wien II).
In der Nußdorferstraße wird das Auge Gotte Kino eröffnet.
Gründung der Zeitschrift "Filmdienst" der Evangelischen Filmgilde (gegr. 1951).

1956 Allgemeine Wiener Einführung des des Breitwandverfahrens, der Cinemascopetechnik, bald danach des Stereotons (später Dolby-Stereo).
In der Zedlitzhalle findet im Rahmen der Zweiten filmwissenschaftlichen Woche die Sonderausstellung 10 Jahre neuer österreichischer Film statt.
Beginn der Aktion "Der gute Film" (Mitbegründer ist Siegmund Kennedy) und der staatlichen Prädikatisierung.
Die Katholische Kirche ruft den Österreichischen Filmsonntag aus, und die Österreichische Bischofskonferenz veröffentlicht einen Hirtenbrief zum Thema Film.

1957 finden sowohl die Internationale Arbeiter-Filmwoche wie die Sowjetische Filmwoche (in der Urania) statt.

1958 Höhepunkt der Nachkriegsfilmproduktion; etwa zeitgleich Einführung des Fernsehens. Die Wiener Stadthalle wird eröffnet.

1959 erscheint die Studie "Großstadtjugend und Kino".
Im Palais Palffy wird der Wiener Filmclub gegründet.

1960 wird der Wiener Jugendfilmclub gegründet.
In Wien wird die Erste Wiener Filmfestwoche (Mitbegründer: Siegmund Kennedy, gest. 1967) veranstaltet (die spätere "Viennale").
In der 1958 eröffneten Stadthalle wir die Filmproduktion aufgenommen (bis 1965).

1960ff. In den Sechzigerjahren setzt ein "Kinosterben" ein, das mit Höhenpunkten in den Siebziger- und Achtzigerjahren sowie einer Reihe von Schließungen von alt eingesessenen Kinos wie auch sog. "Kinoplex(x)en" bis in die letzten Jahre reicht. Mitte der Neunzigerjahre gab es sowohl im achten wie auch außerhalb des Gürtels im 11., 12., 13., 17., 19. und 23. keine Kinos.
Zwischen 1960 und 1977 schließen über 700 Kinos in Österreich. Einen kurzen Aufwärtstrend erlebte das Kino mit der Einführung der Mehrsaalkinos in den 80er Jahren (1986: 536 Kinos in Österreich, 97 in Wien), seither ist die Entwicklung wieder rückläufig (1993: 260 Kinos in Österreich, 50 in Wien).

1961 wird die seit 1946 wieder erschienene Zeitschrift "Funk und Film" eingestellt.
Im selben Jahr erscheinen die Zeitschriften "Internationale Filmrundschau (bis 1972) und "Wir blenden auf. Zeitschrift des Wiener Landesjugendreferates" (bis 1983) zum ersten Mal.

1962 eröffnet das erste Kino-Center Wiens: das Panorama Kino am Pratersten.
1962-1967 heißen die Wiener Filmfestwochen "Festival der Heiterkeit".

1963 wird die gesamtösterreichische Kino-Krise öffentlich diskutiert: "Die österreichischen Lichtspieltheater befinden sich seit Jahren in einer Krise, die nunmehr jenes akute Stadium erreicht hat, in dem die wirtschaftliche Existenz des ganzen Gewerbes überhaupt infrage gestellt ist." (Schwarz-Weiß-Buch 1963, S. 5) Dabei war zu diesem Zeitpunkt der Höhepunkt der Kino-Krise noch gar nicht erreicht: 1960 bis 1965 schließen nur 5 % der Kinos, bis 1970 sind es dann bereits 21 %.

1964 In der Albertina wird das Österreichische Filmmuseum gegründet.
Die Wiener Festwochen dieses Jahres haben das Motto "Wien um 1900".

1965 eröffnet das erste "Programmkino" Wiens: das Action Kino auf der Wiedner Hauptstraße; parallel dazu erscheint die Zeitschrift "Action" (bis 1969).

1967 findet die Erste Maraisiade - Junger Film 1967 statt.

1968 kommt es bei der Zweiten Maraisiade - Junger Film 1968 zu Auseinandersetzungen.
Im selben Jahr wird die Austria Filmmakers Cooperative gegründet, eine Vereinigung von Avantgarde-Filmemachern, bei der u. a. Valie Export, Peter Weiberl, Gottfried Schlemmer, Hans Scheugl oder Ernst Schmidt jr. Mitglieder sind. Valie Export präsentiert ihr "Tapp- und Tastkino".
Die Wiener Filmfestwochen/Festival der Heiterkeit wird in Viennale umbenannt.

1969 besetzen die Mitglieder der Austria Filmmakers Cooperative das Filmmuseum.

1970 Wird das katholische Zentrum für Film, Funk und Fernsehen in Österreich in Zentrum für Massenkommunikation umbenannt.
Im Rahmen der Viennale (seit 1968) findet eine Sonderschau des Kuratoriums Neuer österreichischer Film statt.
Die Gruppe Rosa grün blau veröffentlicht ein Manifest gegen ein "Kino des Zwanges".

1970-1972 werden als die "schwärzesten" (Bauer 1994, S. 20) Kino-Jahre der Nachkriegszeit bezeichnet: In diesen drei Jahren schließen weitere 33 % der österreichischen Kinos. Als Gründe führt Bauer 1994, S. 20, "plötzliche Vielfalt an Freizeitgestaltungsmöglichkeiten", das "bereits institutionalisierte Fernsehen", "rigide Verleihpolitik" und letztlich das "eigene Unvermögen, Veränderungen herbeizuführen [...]" an.

1972 wird das erste Wiener "Altstadt-Erhaltungsgesetz" erlassen.

1974 wird die seit 1946 wieder erschienene "Österreichische Kino-Zeitung" eingestellt.

1976 wird die Arena in den Räumen des ehemaligen Wiener Inlandschlachthofes besetzt.

1977 erscheint die "Stadtzeitung" Falter zum ersten Mal und gibt als eine der ersten Zeitungen ein umfassende Kino-Programm der Stadt heraus.

1978 wird die Medienwerkstatt Wien gegründet; das von der ÖVP initiierte erste Wiener Stadtfest findet statt.

1979 beginnen in Österreich großflächig die ersten sog. "Kino-Center" zu eröffnen; das erste war in Braunau am Inn mit vorerst 2 Sälen.

1980 folgt der Eröffnung des ersten "Multiplex"-Kinos auch in der Bundeshauptstatt; es folgt eine Wiener Kinogesetz-Novelle. Wirtschaftspolitischer Hintergedanke der Gesetzesänderung: "Wenn man aus einem Kino vier macht, so verdoppelt sich der Umsatz, ohne dass die Zahl der Sitzplätze verdoppelt werden muss." (Fischmann 1982, S. 8) - Eine Annahme, die sich, wie die zahlreichen Multiplex-Eröffnungen und baldigen neuerlichen Schließungen vermuten lassen, sich in dem erhofften Ausmaß bis auf Ausnahmen, nie wirklich realisierte. Auch die Berechnung der Kinos bzw. Kinoplätze ändert sich von da an: Hatte man bis dahin ein Kino als einen Saal mit bestimmter Anzahl an Sitzen gerechnet, so zählt man seit 1980 nach Sälen.

1981 Wird der Stadtkino-Filmverleih gegründet und das Stadtkino in den Räumen des ehemaligen Schwarzenberg Kino eröffnet. Die Zeitschrift Filmschrift erscheint zum ersten Mal, hält sich aber nur ein Jahr bis 1982.

1982 wird die Gesellschaft für Filmtheorie "Synema" gegründet.

1983 gibt es bereits 96 Säle in nur noch 69 Kinos! Im selben Jahr erscheint zum ersten Mal die Gratiszeitung skip in den Kinos.

1984 Von 9. November bis 16. Dezember 1984 findet in Wien die erste Wiener Kinoausstellung statt. Organisiert wird die Schau von der Fachgruppe der Lichtspieltheater in der Wiener Stadthalle. Interessanterweise sind es damals vor allem die Kinocenter, die laut Befragungen des Publikums am besten ankommen; das Kolosseum Center wird damals zum beliebtesten Kino Wiens gekürt; das Gartenbaukino ist beliebtestes "Sommerkino". Umgekehrt weist Bauer in seiner Diplomarbeit aus dem Jahr 1994 (S. 24ff.) darauf hin, dass von 1975 bis 1984 der Anteils an Programmkino-BesucherInnen von 7 auf 10,6 % anstieg.

1985 Die Zeitschrift FilmLobuch erscheint zum ersten Mal. Auch diese hält sich nur weniger Jahre bis 1989.

1986 weist Wien bereits 96 Säle in nur noch 58 Kinos auf. 55% der Wiener Kino-BesucherInnen gehen zu diesem Zeitpunkt vor allem in die neuen Cineplexe, die 54% des Umsatzes auf sich vereinten.

1992 Seit der ersten öffentlichen Kinovorführung im Jahr 1896 sind an die 400 Kinos in Wien belegt. Hatte es zeitweise in allen Bezirken Kinos gegeben, so gab es 1992 bereits neun Bezirke, in denen es kein Kino mehr gab; in den anderen Bezirken gab es fünf mit nur einem Kino und von den bestehenden waren eine Reihe einschlägige Sexkinos. Eine Ausnahme bildete Mitte der Neunzigerjahre bereits Wien-Neubau mit vier erhaltenen unabhängigen Privattheatern (Admiral, Bellaria, Erika und Star Kino - zwei von ihnen sind 2005 Privattheaterbetriebe).
In diesem Jahr wird die Gruppe Kinoki gegründet, die zuerst Filmprogramme im Ernst-Kirchweger-Haus anbietet, danach in das Lokal "Siebenstern" in Wien-Neubau siedelt, und dort von da an "Mikrokino im Siebenstern" anbietet.
Das Frauenfilmfestival "Rote Küsse" findet statt.

1993 bietet auch das WUK (Wiener Werkstätten und Kulturhaus) in Wien IX ein Fimprogramm mit Avantgardefilmen an: das KINOimWUK.

1994 wurde der Zusammenschluss der unabhängig programmierten Kinos diskutiert, "obwohl die Realisierung vermutlich an den äußerst individualistisch agierenden Besitzern scheitern wird." (Bauer 1994, S. 59)
Ein weiterer alternativer Filmverleih, der "Polyfilm", des "Verbands Wiener Volksbildung" wird gegründet.
In der Shopping City Süd ("SCS") nahe Wien wird das erste Multiplexxkino eröffnet: das UCI.

1995 wird die Zeitschrift Meteor. Texte zum Laufbild gegründet. Sie erscheint nur 5 Jahre und wird 1999 wieder eingestellt.

1996 wird zum ersten Mal das Sommer-Freiluft-Kino "Kino unter Sternen" im Augarten, Wien II, organisiert.

1998 folgt, ebenfalls im Augarten, das Sommerkino des Filmarchiv Austria.

1999 wird die Kiba aufgelöst und die ehemaligen Kiba-Kinos in Wien an die Gesellschaft City Cinemas verkauft.

2002 geht City Cinemas in Konkurs. Die beiden traditionellen Wiener Kinos "Kolosseum" und "Flotten" werden geschlossen.
Die Viennale übernimmt das Gartenbaukino, das Filmarchiv Austria das Metro-Kino (vgl. Schwarz 2003, S. 212).

2005 findet die ursprüngliche Form der Hinterwandprojektion, wie sie beim ersten Sommerkino Wiens verwendet wurde, beim ersten Kurzfilmfestival in der Kaiserstraße, dem sidewalkCINEMA - die Idee, Filme bei freiem Eintritt - und mit den eigenen mitgebrachten Stühlen - kennen lernen zu können - kehrt dabei wieder zurück auf die Wiener Straßen. www.sidewalkCINEMA.at