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© KinTheTop/Angela Heide zuletzt aktualisiert: 29.10.2021 Zitierweise: http://www.kinthetop.at/forschung/kinthetop_16_WeltspiegelkinoDetail01.html, zuletzt eingesehen [Tag.Monat.Jahr] ![]() ___ 1909 erhielt „Georg Neufellner, Restaurateur“, 16., Lerchenfelder Gürtel 55, die Spielbewilligung zur Errichtung einer Singspielhalle an dieser Adresse, wobei sich das neue Unterhaltungsetablissement im „im Hofparterre des Hauses“ befand. Das neue Theater hatte eine Podium, drei Ausgänge und fasste 670 Personen. Als Partner des Hauseigentümers Neufellner und Betreiber des Singspielhallenbetriebes wurde im Konzessionsakt von 26. Juli 1909 Wilhelm Seidl-Meier genannt. Im Oktober desselben Jahres wurde die Konzession bis 30. September 1911 verlängert. Am 30. September 1911 wurde die Konzession, die „zur Aufführung von einaktigen, dem Volksleben der Gegenwart entnommenen Singspielen, Possen und Burlesken mit Gesang sowie auch von einzelnen Liedervorträgen und Soloszenen“ berechtigte (Schreiben v. 14.02.1913) um ein weiteres Jahr verlängert und um folgende Veranstaltungen ergänzt: „akrobatische, gymnastische und Tanzproduktionen jedoch mit Ausschluss der Vorführung kinematografischer Bilder“. Festgehalten wurde zudem, dass die Errichtung eine Singspielhalle an eine „doppelte Konzession“ gebunden war: „a) die Konzession für den Unternehmer oder Leiter der Singspielhalle und b) eine Konzession für den Eigentümer des Lokales, in welchem derlei Produktionen stattfinden, und es ist in letzterer Beziehung daran festzuhalten, dass für die letzterwähnten Unternehmungen ausschließlich Inhaber von Restaurations- und Wirtshauslokalitäten konzessioniert werden.“ Im Frühjahr 1914 wurde die Konzession insofern erweitert, als nun zudem „Reklamebilder mittels eines Skioptikonappartes bis 28. Februar 1915“ bewilligt wurden. Das neuerliche Ansuchen, auch Filme zeigen zu dürfen, wurde jedoch „von der Polizei-Direktion wegen Mangels an Lokalbedarf abgewiesen“ (Schreiben v. 16.05.2914). Ende 1914 wechselte die Neufellner Singspielhalle ihren künstlerischen Leiter, und Leopold Uhl folgte auf Wilhelm Seidl-Meier. Eine letzte Konzessionsverlängerung findet sich in den Akten des Wiener Stadt- und Landesarchivs von 28. März 1918 und betraf den Zeitraum von 11. Februar 1918 bis 28. Februar 1919. Danach finden sich keine Akten mehr zur Neufellner’schen Singspielhalle in Ottakring, die in diesem Jahr zu einem Kino umgebaut wurde. ![]() ___ 1919 vom Ottakringer Kinopionier Alfred Grögl (1911-1914, daneben Leiter des Neulerchenfelder Kino-Theaters) in der ehemaligen Singspielhalle Georg Neufellner eröffnet, wurde es bereits in den ersten Jahren seines Bestehens zu einem der bekanntesten der Gegend. 1927 musste Grögl die Konzession abgeben, die sich von da an in den Händen des Landesverbandes der Kriegsinvaliden befand. 1934 übernahm die Kiba das Kino. Während des Nationalsozialismus zählte das Weltspiegel Kino neben dem Park Theater, dem Ostmark Kino, Schottenring Kino, Sascha Palast sowie Stafa und Schloss Kino zu den acht größten Kinos der Stadt. Im September 1944 wurde das Großkino völlig zerstört. Beim Wiederaufbau in den Jahren 1949/1950 entdeckte man u.a. einen bis dahin unentdeckten dreigeschoßigen Weinkellner. Im November 1950 wurde das neue Kino durch die Apollo-Kino- und Theater-GmbH. mit einer Projektionsfläche von 30m² wiedereröffnet. Mit über 1.000 Plätzen, Balkon und neu gestalteten Aufenthalts- und Büfetträumen zählte es zu den gediegensten Kinoprojekten der ersten Nachkriegsjahre. Dank der Verwendung der neuen 70mm-Format-Projektionsmaschinen der hier gezeigten Filme konnte das Kino gegenüber der großen Konkurrenz von Apollo, Tabor oder Gartenbau Kino, den damals bekanntesten Cinemascoper-Kinos der Stadt, erfolgreich Stand halten. Über die baulicher Neugestaltung des populären Nachkriegskinos schreibt Grafl 1993: "Gleichzeitig war die Inneneinrichtung auch eine Präsentation österreichischer Handwerkskunst: Schalldämmplatten auf beiden Seiten des Zuschauerraumes garantierten eine optimale Tonqualität. Eichenholz im Vorraum, Nussholzrahmungen des Bühnenaufbaues und Eichenglastüren waren die Visitenkarten der ausführenden Firmen. Dieser Kinoneubau bot eine besondere Gelegenheit, endlich auch Marmor aus Österreich und Mühldorfer Naturstein für Stiegenaufgang und Foyer zu verwenden." In den Neunzigerjahren findet man das Kino nur auch einschlägigen Pornoseiten im Internet - wobei nur noch die ehemalige Balkon-Fläche bespielt wurde. Die restlichen Räume des ehemaligen Kinos wurden zu einem Supermarkt adaptiert. Zuletzt zeigte das Kino auch wieder Blockbuster aus Hollywood sowie Kinder- und Jugendprogramme. Quellen & Links https://thegap.at/xkino-fetischisten/ sowie das Forum https://www.tramwayforum.at/index.php?topic=1925.210 |