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< zurück Gründung und Lizenztransfer an neuen Standort Bereits ab 1909 gab es im Elisabethhof in der 18., Gentzgasse 115 ein Kinematographentheater, das von Maria Jersan gegründet und geleitet wurde. 1912 wanderte das Kino in das 1910 im Secessionsstil erbaute Gebäude 18., Gentzgasse 119, wo es am 8. November 1918 unter dem neuen Namen „Währinger Filmtheater“ eröffnet wurde. Von da an leitete Maria Jersan den Betrieb gemeinsam mit Olga Nowak. 1914 hatte es einen länglichen Saal für 311 Personen. 1918 übernahm der 1882 in Abtsdorf geborene August Racek die Kinolizenz. Ab 1919 leitete die offene Handelsgesellschaft „Währinger Filmtheater – August Racek & Juliane Racek“ das Kino. 1922 wurde der Fassungsraum für 335 Personen erweitert. 1930 wurde hier der Tonfilm eingeführt und das Kino in „Währinger Tonfilmtheater“ umbenannt.“ 1934 hatte es einen Saal für 345 Personen. NS-Zeit Das Kino blieb auch nach dem „Anschluss“ und während der NS-Zeit in Besitz von August Racek und Juliane Racek. Die Besitzverhältnisse sahen im Detail so aus: August Racek 25 % Juliane Racek 25 % August Racek jun. 30 % Dr. Friedrich („Fritz“) Racek 20 % Die Konzession zur Führung des Kinos lag bei August Racek, die Spielbewilligung der Reichsfilmkammer, Außenstelle Wien, erhielten 1938 (andere Ang.: 1939) August und Friedrich Racek gemeinsam. Alle vier Gesellschafter waren Parteianwärter der NSDAP ab 1938 bzw. einfache Parteimitglieder, sodass das Kino nach Kriegsende als „nazifizierter“ Betrieb galt. Wiedereröffnung nach Kriegsende Da das Kino keine Kriegsschäden aufwies, konnte es bereits am 5. Mai 1945 wiedereröffnet werden. Aufgrund der Mitgliedschaft bzw. Anwärterschaft aller Gesellschafter:innen des Kinos bei der NSDAP wurde zu diesem Zeitpunkt Paula Bettauer als provisorische Leiterin ernannt. Paula Bettauer war die Schwiegertochter von Hugo Bettauer, der bereits 1925 von einem illegalen Nationalsozialisten ermordet worden war. Auch ihr Mann, Dr. Helmut Bettauer, war als Antifaschist von der Gestapo hingerichtet worden, die Eltern von Paula Bettauer waren in ein Konzentrationslager deportiert worden, Paula Bettauer selbst hatte den Krieg drei Jahre lang als „Unterseeboot“ überlegt, wie sie in ihrem Personaldatenblatt von 27. September 1945 selbst bekanntgab. Am 1. Oktober 1945 folgte ihr Alfred Migsch als öffentlicher Verwalter, Bettauer blieb jedoch Geschäftsführerin des Kinos. Am 9. Oktober 1945 wurde das Kino von der amerikanischen Besatzungsmacht beschlagnahmt, die dort mit eigenen Apparaten Vorstellungen bis 21. Jänner 1946 veranstaltete und das Kino für die Öffentlichkeit geschlossen blieb. Von 22. Jänner bis 3. Mai 1946 konnte das Kino, nun für das Publikum freigegeben, täglich eine Vorstellung bieten, ab 4. Mai 1946 wurden täglich drei Vorstellungen angeboten. In einem Schreiben von 11. Mai 1946 wies August Racek jun. darauf hin, dass die Familie 1938 gezwungen worden war, die Parteimitgliedschaft zu beantragen, da man sonst keine Spielbewilligung erhalten hätte. Racek gab zudem an, dass sein Vater das Kino bereits ab 1917 geführt hätte und vor 1938 jahrelang Ausschussmitglied des Gremiums der österreichischen Lichtspieltheaterbesitzer gewesen war. Sein Vater und seine Mutter hätten schließlich die Parteimitgliedschaft erhalten, während er, August jun., und sein Bruder bis zu Kriegsende nur Anwärter geblieben wären. August Racek wies in seinem „Antrag auf Enthebung des öffentlichen Verwalters“ an den Bürgermeister der Stadt Wien deutlich auf die damalige rechtliche Lage hin, wenn er festhielt: „Hierzu erlaube ich mir zu bemerken, dass zufolge des bekannten Stadtsenatsausschusses vom 4. September 1945 lediglich jene Kinobetriebe in öffentliche Verwaltung übergehen sollten, deren Inhaber entweder illegale Nationalsozialisten (bzw. Funktionäre nach § 17 des Verbotsgesetzes) oder abwesend (geflüchtet) waren. Beides trifft in unserem Falle in keiner Weise zu.“ Dem Schreiben folgte am 18. Mai 1946 eine Antwort von Dr. Migsch, in dem dieser deutlich machte, dass die provisorische Leitung bei einem derart wichtigen Kino korrekt bestellt worden war, dass das Kino von Bettauer gut geführt worden sei und dass schließlich die Behauptung, die Familie hätte unter Druck gehandelt, nicht geltend gemacht werden könne, da alle Mitglieder – und nicht nur etwa August Racek sen. – sich zur Parteimitgliedschaft angemeldet hatten, was rein rechtlich nicht notwendig gewesen wäre. Umwandlung in ein KIBA-Kino Am 31. März 1947 wurde die Konzession zur Führung der Kinos von der Stadt Wien schließlich an die gemeindeeigene KIBA übertragen. Damit blieb, wie Migsch in einem späteren Bericht festhielt, nur noch das Inventar in seiner, also öffentlicher Verwaltung. Am 15. Juli 1947 wurde aufgrund des neu erlassenen Nationalsozialistengesetzes die öffentliche Verwaltung aufgehoben und die Familie Racek trotz ihrer Nähe zum NS-Regime erneut als Betriebsinhaber:in bestellt. Das Kino wurde vermutlich bis 1958 von der Familie Racek geleitet, wobei die Konzession weiterhin bei der KIBA blieb. Umbau und Neueröffnung als Camera Kino Anfang der Siebzigerjahre wurde das Kino umgebaut und in „Camera Kino“ umbenannt: Das Portal wurde (Architekt verm.: Robert Kotas) mit hellbraun schattierten, reliefartigen Klinkern neu gestaltet und ein großer Programmanzeiger eingebaut, der auch die in der Straßenbahn vorbeifahrenden Passant:innen rasch über das laufenden Programm informierte. Der Kassenraum wurde funktionaler gestaltet und ein neues Büffet errichtet. Der Kinosaal selbst blieb auch nach dem Umbau in seiner ursprünglichen Gestalt erhalten. Doch auch diese modernisierenden Maßnahmen konnte das traditionelle Vorstadtkino nicht vor der Schließung bewahren: 1979 wurde das „Camera Kino“ endgültig geschlossen, jedoch bis 1985 immer wieder temporär für unterschiedliche künstlerische Darbietungen genutzt. 1986 wurde das einst beliebte Bezirkskino für einige Zeit als „Pornokino“ wiedereröffnet, kurz darauf mietete sich die Volksoper hier ein, die den Raum als Probebühne nutzte. Seit deren Auszug aus den Räumen steht das einstige beliebte Währinger Kino leer. Bei einer Internetrecherche im Branchenhandbuch konnte noch im Jahr 2006 den Verweis auf die einstigen Besitzer:innen gefunden werden: August und Juliane Racek. |