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Zu den Autoren der Kabarettbühne zählten neben
Spitz selbst u. a. Hans Weigel, Fritz Brainin, Hans Horwitz und
der arbeitslose Buchdrucker Josef Pechacek, der seine Songs und
Arbeiterlieder selbst vortrug. Nach nur 9 Produktionen, die stark
improvisatorischen Charakter trugen und aus Kurzszenen bestanden,
wurde die Bühne im Februar 1934 an diesem Standort bereits
wieder geschlossen. Das Ensemble zog im März 1934 in das Café
Colonnade in die Räume des ehemaligen > Kabaretts Seeschlange
in der Inneren Stadt und fusionierte schließlich mit der >
Literatur am Naschmarkt auf der Wieden.
"Die Stachelbeere" war in ihren Programmen politischer als die "Literatur am Naschmarkt". Ihre zeitkritischen Programme thematisierten u. a. die damalige politische Situation und die anhaltende Arbeitslosigkeit in Wien. Die Vorstellungen der Stachelbeere begannen und schlossen meist mit einem Ensemblegesang von Rudolf Spitz: Draußt in Döbling am Wald, Wo das Hifthorn erschallt, Wächst im Grünen die Stichel-Stachelbeere. Stichel-Stachel sind auch wir - Recht begabt, aber stier - Denn wir geben der Wahrheit die Ehre. Ist die Schale rauh in manchem Falle, Bitten wir doch alle, Dies zu übersehn. Schaun S', da drin, meine Herrn, Steckt ein echter gold'ner Kern: Und der ruft donnernd: Auf Wiedersehn! (Rudolf Spitz, hier zit. n. Hans Weigel: Gerichtstag vor 49 Leuten. Rückblick auf das Wiener Kabarett der dreißiger Jahre. Graz: Styria 1981, S. 22.) Für das achte Programm der Stachelbeere wurde von Josef Pechacek ein Liedtext mit dem Titel Arbeitslosen-Oper verfasst: Der Wirt: Das Bier ist angeschlagen, Der Kasten ist voll Eis, Ein Gulyas für den Magen Gibt's zum Reklamepreis. Bei mir ist immer Stimmung, Solang man tüchtig zecht, Ich pfeif auf die Gesinnung, Mir ist ein jeder recht. Die Ruhe auf der Gasse Bleibt solang unberührt, Solang des Volkes Masse, Beim Wirt politisiert. Das Bier, das löst die Zungen, Ein jeder spricht sich aus. Und ist ihm das gelungen, Geht er befreit nach Haus. Es folgt auf jede Krise Die Zeit der Konjunktur - Klavierspieler und Wirt: Doch bleibt sie so wie diese Vorübergehend nur. Der Arbeitslose: Wenn jeder Tag ein Sonntag ist, Weil du ein Arbeitsloser bist, Dann ist der wahre Sonntag nichts mehr wert. Was ist ein Sonntag ohne Geld? Ein Tag, der dich zum Besten hält Und dir die Freude aus dem Herzen zerrt. [...] Die Arbeit ist ein Sehnsuchtstraum, Wer keine hat, bleibt Wüstenbaum, Er bleibt es manches liebe lange Jahr. Die Arbeit ist die spröd'ste Braut, Man wirbt und man wird abgebaut, Und selten führt sie einer zum Altar. (Hier zit. n. Hans Weigel: Gerichtstag vor 49 Leuten. Rückblick auf das Wiener Kabarett der dreißiger Jahre. Graz: Styria 1981, S. 35f.) < zurück |