Freilichtkino Äußeres Burgtor (1922‒1934)
1010 Wien


Am 26. Juni 1922 suchte die Wiener „Weltkulturgesellschaft“ beim Magistrat der Stadt Wien um die „feuerkommissionelle Besichtigung des äußeren Burgtores anlässlich der Aufstellung eines Filmvorführapparates für Interessenvorführungen, ferner anlässlich der Veranstaltung von Ausstellungen und Vorträgen der WORLD UNIVERSITY der Weltkulturgesellschaft“ an.
Die Begehung fand im August des Jahres statt, die Bewilligung erfolgte, jedoch nur für „nicht öffentliche, sondern nur auf die Interessenten, d. h. die Vereinsmitglieder und geladene Gäste beschränkte“, sog. ‚geschlossene‘ kinematographische Vorführungen rein wissenschaftlichen Inhalts“.

1925 erfolgte ein neuerliches Ansuchen, da der „Verein World University“ in den bis dahin mehrfach genutzten Räumen ein zu errichtendes eigenes Kino plante. Dem Ansuchen waren Vereinsprotokolle sowie Vereinsblätter beigelegt. Dennoch wurde der Antrag für eine eigene Kinokonzession für den „Vortragssaale im linken Trakte des Äußeren Burgtores“ per 19./30. Mai 1927 mit folgender Begründung durch das Magistrat Wien abgelehnt:
„Bei aller Anerkennung der Bestrebungen des Vereines im Interesse der Allgemeinheit muss darauf Rücksicht genommen werden, dass im 1. Bezirk außer der Wiener Urania elf Kinobetriebe [!] bestehen – darunter das Burgkino unweit des in Aussicht genommenen Vorführlokales, die durch die Eröffnung eines neuen Betriebes dieser Art wirtschaftlich geschädigt würden. Außerdem ist die Tätigkeit des Vereins keine so umfangreiche, dass eine so außerordentliche Förderung seine Zwecke wie sie in der Verleihung einer Kino-Konzession gelegen ist, gerechtfertigt scheint.“

Gegen diesen Bescheid wurde Berufung eingelegt, doch findet sich im Aktenbestand kein weiterer Hinweis auf die Nutzung der Räume in den folgenden Jahren.

Erst für Februar 1932 liegen erneut Daten vor. Zu diesem Zeitpunkt reichte Dr. Max Zehenthofer von der „Österreichischen Kulturfilmstelle zur Förderung der heimischen Volkswirtschaft und des Fremdenverkehrs“ des „Vereins des österreichischen Filmfreunde“, 7., Lerchenfelderstraße 2 (Auersperg-Palais), dessen Satzungen dem Magistrat ebenfalls vorgelegt wurden, um die Konzession für die öffentliche Vorführung von Laufbildern (Filmen) mittelst Kinematographen und für die „Vorführung von Stehbildern mittelst Skioptikons oder sonstiger Apparate mit der Beschränkung auf die Vorführung von Stadt- und Landschaftsbildern aus dem österreichischen Bundesgebiet, ferner von gesellschaftlichen und sportlichen Ereignissen und seriöser Gesellschaftsreklame in Wien I., auf der rechten Seite des Äußeren Burgtores auf dem Heldenplatz“ ein. Die Konzession wurde dem Verein, der auch „im Kursalon der Stadt Wien“ Vorführungen durchführte, in diesem Falle erteilt, obgleich noch im August das Bundesdenkmalamt, 8., Auerspergstraße 1, „schwere Bedenken“ gegen dieses Projekt vorlegte.

Neben Freiluftaufführungen auf dem Heldenplatz, für die die „Bildfläche an zwei beweglichen, durch Seile in Spannung gehaltene Stangen am Rande der Rasenfläche zwischen Burgtor und Völkerkundemuseum während der Vorstellungen“ hochgezogen wurde, sollte Ende 1932 auch ein fester Bildwerferraum für die „Kulturfilmstelle der Filmfreunde“ errichtet werden, für dessen Planung der Wiener Architekt und Stadtbaumeister Primus Hofmann, 15., Hütteldorferstraße 74, angefragt wurde. Tatsächlich wurde in diesem Falle die Genehmigung bis 31. Dezember 1933 erteilt.

Noch im März 1933 wurde dem Magistrat mitgeteilt, dass man Herrn Zdenko Buresch, 19., Döblinger Hauptstraße 2, als neuen Vorführoperateur eingestellt habe. Doch schon am 24. April 1933 erreichte ein Schreiben der Österreichischen Kulturfilmstelle das Magistrat Wien mit der Mitteilung, dass der Verein den Betrieb „Freilicht-Kino, I., Äußeres Burgtor“ „bis auf Weiteres eingestellt habe“ und Buresch im Zuge dessen gekündigt worden sei.

Eine letzte Konzessionsverlängerung findet sich in den Akten der Magistratsabteilung 52 aus dem Jahr 1934: Die bisherige Eigentümerin der Konzession, die „Österreichischen Kulturfilmstelle Ges.m.b.H.“ verzichtete auf eine Verlängerung der Konzession, der neue Konzessionswerber – dem diese auch zugesprochen wurde, war ab Februar 1934 der 1988 in Wien geborene Wilhelm Hoffermann.

Quellen
M.Abt. 104, A11/1: Freiluftkino äußeres Burgtor, Imperial Kino [ebenfalls im Konvolut enthalten: Gartenbau Kino, Freiluft Kino Stadtpark]

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