1863 wurde von Ludwig Viktor, dem jüngsten Bruder Kaiser Franz Josephs, ein repräsentatives Palais an der Ecke Schubertring / Schwarzenbergplatz errichtet. Architekt war Heinrich von Ferstel, der auch die ebenfalls entlang der Ringstraße errichtete Votivkirche geplant hatte. Das Palais wurde 1869 als erstes der heute bestehenden historischen Gebäude am heutigen Schwarzenbergplatz
im Stil der italienischen Renaissance fertiggestellt. Ferstel fügte dem Bau u.a. einen überkuppelten Rundturm ein, das Portal, das auf den Schwarzenberplatz gerichtet ist, wird von einem deutlich hervortretenden Mittelrisalit bestimmt. Der Festsaal im 1. Stock weist eine Reihe von Rundbogenfenstern auf, zwischen denen korinthische Säulen stehen. Über diesen befinden sich zwischen den Fenstern im zweiten Stock sechs überlebensgroße Statuen von Josef Gasser und Franz Melnitzky, die historische Persönlichkeiten der österreichischen Geschichte darstellen: Niklas Graf Salm, Ernst Rüdiger Graf Starhemberg, Ernst Gideon von Laudon, Josef von Sonnenfels, Johann Bernhard Fischer von Erlach und Prinz Eugen von Savoyen, dazwischen liegt das von Karyatiden flankierte Wappen des Erzherzogs. Franz Schönthaler schuf die Bildhauerarbeiten. Das Erdgeschoß beherbergte ein monumentales, von neun durch große gelbe Kalksteinsäulen gestützte Kuppeln geprägtes Vestibül, das Treppenhaus, die Remise sowie die Portierwohnung. Die Haupttreppe führt nur zum Mezzanin mit den ehemaligen Wohnräumenund zu den Repräsentationsräumen im ersten Stock, wo sich in der Beletage zur Ringstraße hin auch die Privaträume des Erzherzogs befanden. Eine Nebentreppe verbindet alle Stockwerke. Im zweiten Obergeschoß lagen Kanzleien sowie Räume für den Hofstaat. Das durchbrochene Stiegengeländer der Hauptstiege ist aus Untersberger Marmor, und auch die anderen zahlreichen Repräsentationsräume weisen Sockeln, Pilaster und Säulen aus Kunstmarmor auf. Der große Ballsaal ist farblich in Weiß und Goldgelb gehaltenen, seine Decke mit Goldstuck verziert.
Erzherzog Ludwig Viktor zog sich in den folgenden Jahren zunehmend auf sein Schloss Kleßheim in Salzburg zurück. 1900 wurde das Palais aufwendig renoviert, 1910 schließlich dem Militärwissenschaftlichen und Casinoverein (heute hat der Neustädter Offiziersverein hier seinen Sitz) und später dem Burgtheater als Probebühne zur Verfügung gestellt. Heute dient die ehemalige Probebühne als weitere Nebenspielstätte des Burgtheaters vor allem als Spielort für Gegenwartsstücke und Spezialprojekte, etwa im Bereich Nachwuchsförderung.

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