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Gründung 1926/1927
Im Sommer 1926 erhielt Ludwig Körner-Vivegny, 8., Lederergasse 13, die Konzession zur alleinigen Führung der Singspielhalle in der Johannesgasse 4, die er unter dem Namen „Modernes Theater“ führte.

Im März 1927 reichte Körner um die Genehmigung zur Herstellung einer eisernen Kurtine ein. Wenige Wochen zuvor hatte das Ensemble des Hauses, das aus rund 20 Schauspielerinnen und Schauspielern bestand, die Auszahlung der rückständigen Gagen verlangt. Dass es oft bis zu drei Vorstellungen am Tag spielen musste, geht aus den Akten des Wiener Magistrats hervor, in denen immer wieder um Genehmigung von Nachmittags- wie auch Nachtvorstellungen angesucht wurde. Da sich der Konflikt mit der Belegschaft des Theaters zuspitzte und Körner daher vorerst keine Kurtine einbauen lassen konnte, bat er im August 1927 um eine Verschiebung der Frist bzw. der Beendigung seiner Konzession bis Ende des Jahres. Körner argumentierte dabei in seinem Schreiben von 31. August 1927 an den Magistrat der Stadt Wien:
„Es handelt sich bei dieser Fristerstreckung lediglich um die Erhaltung [der] erworbenen Rechte resp. um die Möglichkeit, die schwebenden Finanzierungsverhandlungen ungestört und auf Grund der bestehenden Konzession zu Ende führen zu können. Der Einbau konnte bisher nicht vorgenommen werden, weil die entsprechenden Verhandlungen mit reichsdeutschen Finanzleuten bisher nicht abgeschlossen werden konnten und über das Schicksal meiner Bühne erst in den kommenden 3 bis 4 Wochen endgültig entschieden wird.“
Zu Spielzeitende 1927 war die Entscheidung gefällt und Körner nicht mehr künstlerischer Leiter der Bühne. Sein Exekutionsverfahren zog sich noch bis November dieses Jahres.

Übernahme durch Rolf Jahn und Umbenennung in Komödie 1927
Um die Konzession reichte nun der 1898 in Frankfurt am Main geborene „Rolf Adolf Paul Jahn, Schauspieler, wohnhaft Berlin-Charlottenburg, derzeit Wien, Hotel Imperial“ ein. Jahn war es auch, der bereits in seinem Ansuchen auf die Umbenennung des Theaters in „Die Komödie“ hinwies. Gegen Jahns Antrag legte keine der österreichischen Interessenverbände Einwände ein, sodass Jahn Ende November 1927 neuer Konzessionär des Theaters war, das nun als Die Komödie betrieben wurde.

Jahns Konzession lief vorerst bis Ende August 1929; am 3. Jänner 1928 wurde der damals erst 25-jährige, eben erst promovierte Jurist Otto Ludwig Preminger (1., Ring des 12. November 10) aktenkundig zum „Direktor-Stellvertreter“ bestellt. Gespielt wurden in den kommenden Spielzeiten unter anderen Die Frau des anderen von Walter Hackett, das Lustspiel Die Republik befiehlt, Gustav Esmanns Vater und Sohn, Paul Franks und Peter Herz‘ Komödie Die Jungfrau von Avallon, Kalkutta, 4. Mai, Die Braut im Junggesellenheim von George Middleton und Stuart Olivier (deutsch von Armin Friedmann), Die schönsten Augen der Welt und Bridge und Poker, im Februar 1930 Bernard Shaws You never can tell. Im August 1930 zeigte man Walter Hasenclevers Ehen werden im Himmel geschlossen als Nachtvorstellung.

Erwin Freund folgte Preminger im Sommer 1929 als Direktorstellvertreter, nachdem dieser gemeinsam mit Jakob Feldhammer das „Neue Wiener Schauspielhaus“ (heute: Volksoper) übernommen hatte.

In der Reichspost hieß es dazu am 28. August 1929:

„In der Komödie werden in der kommenden Spielzeit folgende Stücke zur Uraufführung, beziehungsweise zur Erstaufführung kommen: Grandhotel von Paul Frank; Spinne im Netzvon Brentano, deutsche Bearbeitung von FeliL Saiten; Kalkutta, 4. Mai von Lion Feuchtwanger; Die Braut von Stuart Middleton; Die schönsten Augen der Welt von Sarment; Die große Liebe von Fagan; Man trägt wieder Herz von Herbert B. Kranz; Glück mutz der Mensch haben von Louis Verneuil. Dem Ensemble der Komödie werden wieder angehören die Damen: Elli Förster, Elfe Herrmann, Lotte Mosbacher (als Gast für zwei Monate), Marita Streelen, Vera Spakova; die Herren: Martin Berliner, Kurt Daehn, Josef Rehberger, Karl Staub. Ferner wurden neu verpflichtet: Ria Rose und die Herren Dunieeki, Fröhlich, Jmmendorff. Als Gäste werden auftreten die Herren Ralph Artur Roberts, Paul Graetz und Otto Wallburg. Direktor Rolf Iahn hat für die kommende Spielzett Erwin Freund alS stellvertretenden Direktor, Schriftsteller Erwin Weill als Dramaturg und Robin Robert als Oberregisseur verpflichtet.“

1930 zeigte man Glück muss man haben, Der Bildhauer von St. Stefan, Freudiges Ereignis sowie im März ein Gastspiel des Neuen Wiener Konservatoriums.
Die neue Spielzeit brachte unter anderen Das harte Brot, Gentlemen, Kalt und warm, vier Einakter von Robert Scheu, Marguerite, Weltreise, Der keusche Lebemann und Der Mustergatte in die Johannesgasse 4. Im Dezember 1930 zeigte man hier Ralph Benatzkys musikalisches Lustspiel Meine Schwester und ich, das im März desselben Jahres in Berlin seine Uraufführung gefeiert hatte.

In der Spielzeit 1931/1932 folgte Alfred Huttig (1., Weihburggasse 3) als neuer Stellvertreter Jahns.

Im Juli 1931 reichte Jahn ein weiteres Mal um Verlängerung seiner Konzession beim Magistrat Wien ein. Im Jahr darauf wurde Jahn als dessen neuer Direktor an das Deutsche Volkstheater geholt. An der Komödie folgte ihm der Dramaturg Hans Demetz (1871-1950), der seine Direktionszeit am 25. Oktober 1932 mit Das Märchen von der Fledermaus begann.

Auf den 13. Dezember 1932 datiert ein Schreiben des damaligen Hauseigentümers, des Wiener Kaufmännischen Vereins, an den Wiener Magistrat, aus dem deutlich hervorgeht, dass Jahn persönlich Pächter der Theaterräumlichkeiten war und diese an den jeweiligen Konzessionär des Theaters „subvermietete“ bzw. supverpachtete.
Im konkreten Fall lag die Sachlage so, dass Demetz „durch eigenes Verschulden nach kaum einmonatiger Spielzeit den Betriebsstillstand verursachte“, sodass der Hauseigentümer um den sofortigen Entzug der Konzession ansuchte, „da uns durch die Leerstehung der Theaterlokalitäten nicht nur momentane Verluste erwachsen, sondern uns auch für die Zukunft durch schwierige Vermietungsmöglichkeiten großer Schaden entsteht. Wir ersuchen daher im eigenen als auch im Interesse unseres Mieters, Herrn Direktor Rolf Jahn oder dem von ihm namhaft zu machenden Submieter noch vor den Weihnachtstagen die Spielkonzession erteilen zu wollen.“

Im September 1933 findet sich ein neuer Schriftzug – „Theater Die Komödie“ – und ein neuer Direktor des Hauses: Conrad Dwerthon.

Der zu diesem Zeitpunkt noch im Hotel de France gemeldete aus Berlin kommende Theateragent hatte im August 1933 um die Erteilung der Konzession angesucht. In seinem Konzessionsansuchen fasste der Theaterunternehmer das Konzept für seine Direktion folgendermaßen zusammen:

„Unter der künstlerischen Leitung des bekannten Schriftstellers Dr. Hans José Rehfisch und des Regisseurs Karl Heinz Martin beabsichtige ich Prosastücke und musikalische Komödien zur Aufführung zu bringen.
Wegen des kleinen Fassungsraums der Komödie beabsichtige ich, an Nachmittagen Klassiker zu spielen und eventuell am Abend noch eine zweite Vorstellung zu geben. Auch hierfür bitte ich ergebenst um Spielerlaubnis.
[…]
Ich bin im Jahre 1905 in Berlin geboren und besitze die polnische Staatsbürgerschaft. Von 1923 bis 1928 war ich als Theateragent tätig. Vom Jahre 1929 an bin ich selbständiger Theaterunternehmer mit dem ständigen bisherigen Wohnsitz in Berlin. Ich habe in Form von eigenen Unternehmungen Gastspiel-Tourneen über ganz Europa mit Elisabeth Bergner, Albert Bassermann, Kurt Götz, Fritz Kortner, Alexander Moissi, Paul Wegener und v. a. unternommen, war ständiger Manager sämtlicher Reinhardt-Ensemble-Tourneen, die von Berlin ausgingen, und der Tourneen des preußischen Staatstheaters in Berlin.
Im Jahre 1930/31 leitete ich in Berlin das Lessingtheater und 1932 das Theater am Nollendorfplatz in Berlin als alleiniger Konzessionär.
Auch in Wien habe ich bereits mehrere Gastspiele erfolgreich durchgeführt, so u. a. 1931 im Raimund-Theater das große Ensemble-Gastspiel von Elisabeth Berger, deren ständiger Impresario ich bin und in diesem Jahre ebenfalls im Raimund-Theater das Ensemble-Gastspiel mit Paul Wegener und Hermine Körner.“

Nachdem vom österreichischen Direktorenverband keine Einwände kamen, wurden Dwerthon und der kurz zuvor aus Deutschland nach Wien emigrierte Schriftsteller Hans. J. Rehfisch als neue künstlerische Leiter der Bühne offiziell bestellt.
Im September 1933 spielte man Shaws Arzt am Scheideweg und das Lustspiel Das Fräulein Scuderi von Otto Ludwig. Doch schon bald konnte die neue Direktion das Haus finanziell nicht mehr halten und war gezwungen, die Konzession nur wenige Monate nach der Eröffnung wieder zurückzulegen. Bereits im Jänner 1934 schrieb Dwerthon an das Wiener Magistrat: „In Beantwortung Ihres Bescheides […] teilen wir ergebenst mit, dass im Theater Die Komödie zurzeit nicht gespielt wird.“

In seinem kurzen Schreiben an den Wiener Magistrat hieß es nur wenige Tage später vonseiten Dwerthons, „[…] dass ich die Konzession zum Betriebe des Theater Die Komödie in Wien hiemit mit sofortiger Wirksamkeit zu Gunsten des Herrn Direktor Rolf Jahn, Hauptpächter der Komödie, zurücklege“.

Noch Februar 1934 legte seinerseits Rolf Jahn (2., Rustenschacherallee 40), Direktor des Deutschen Volkstheaters und vertreten durch den Wiener Rechtsanwalt Dr. Josef Berndt (1., Annagasse 3), sein Konzessionsansuchen um die neuerliche Leitung des Theaters, nun im Verbund mit dem Volkstheater, vor. Wie aus einem Schreiben des Verbandes der österreichischen Direktoren von 21. Februar 1934 hervorgeht, war Jahn weiterhin Pächter der Komödie geblieben und hatte diese Pacht an Dwerthon als „Unterpacht“ weitergegeben, der wiederum die Konzession erhalten und zuletzt aus finanziellen Gründen wieder zurückgegeben hatte. „Jedenfalls kann Herrn Direktor Jahn nicht zugemutet werden, das Theater nicht bespielen zu können, weil der Unterpächter nicht mehr in der Lage ist, die Konzession zu benützen“, unterstützten die anderen Wiener Direktoren das Ansuchen ihres Kollegen.

Ab der Neubestellung Jahns, der weiterhin Pächter blieb, stand das Theater im Verbund mit dem Deutschen Volkstheater, das auch im Schriftverkehr als Direktionsadresse ausgewiesen wurde.

Im November 1935 wurde für die Aufführung von Jimmys Bar der Orchesterraum überdeckt.

1937 ändert sich der Briefkopf erneut und scheint das Deutsche Volkstheater in den Korrespondenzen nicht mehr auf. Neuer Konzessionär war ab Oktober dieses Jahres Ludwig Schurli (18., Schöfflgasse 69). Gegen diesen wurden vonseiten der Interessenverbände wie auch der Vaterländischen Front keine Einwände beim Magistrat eingebracht. Wesentlich anders waren hingegen die Reaktionen des damaligen Oberstadtbaurates, der darauf hinwies, dass es sich bei Schurli um einen „Strohmann“ für einen „Herrn Goldfeld“ handelte, welcher bereits als eigentlicher Direktor des Theaters an der Wien in der Intendanz Hans Knappl fungiert hatte – eine Direktion, die zu „schlimmen Erfahrungen“ und schließlich zum Rücktritt Knappls 1936 geführt hatte. Dennoch erhielt Schurli mit 25. Oktober 1937 die Konzession – vorerst nur bis 30. November desselben Jahres. Eröffnet wurde am Folgetag mit „Schule der Liebe“.

Wenige Tage darauf reagierte der Ring der österreichischen Bühnenkünstler auf die wohl weiterhin kritisierte Konzessionsvergabe mit einem Schreiben, aus dem hervorgeht, dass der neue Leiter sich „durch seine Tätigkeiten in Theaterkanzleien sich eine Erfahrung in der administrativen Führung von Theaterunternehmungen verschafft hat“, er zudem die verlangte Kaution hinterlegt habe und schließlich nur eine „provisorische Konzession auf die Dauer von einem Monat erhalten habe“.

Deutlicher ging aus einem Schreiben des Wiener Rechtsanwalts Dr.jur. et Dr.rer.pol. Ernst Politzer von 24. November 1937 hervor, dass die Vorwürfe der Behörden gegen Schurli nicht den Tatsachen entsprachen. Politzer brachte „auf die an mich gerichtete Anfrage der Behörden höflichst zur Kenntnis, dass der Betrieb der Komödie zur Gänze im Namen und auf Rechnung des Konzessionärs, Herrn Ludwig Schurli, geführt wird und dass daher Herr Ludwig Schurli für den Betrieb, sowohl was die finanzielle Gebarung wie auch die künstlerische Führung betrifft, voll verantwortlich ist. […]
In dem Bericht, der der Behörde vorliegt, ist Erwähnung getan, dass Herr Karl Goldfeld, Wien VI., Gumpendorferstraße 15, in das Theater-Unternehmen Kapitalien investiert hat. Ich stelle ausdrücklich fest, dass dies nicht den Tatsachen entspricht und dass auch nicht ein Groschen von Herrn Karl Goldfeld stammt.“

Schließlich wurde eine Konzessionsverlängerung bis 1938 beantragt und wohl auch genehmigt – Schurli findet sich in den folgenden Schreiben als Direktor des Theaters, dessen letzte Vorstellung in der Spielzeit 1937/1938 am 30. April 1938 stattfand. Man zeigte Ein Volks steht auf.

Am 5. Dezember 1937 wurde für die Uraufführung von Ödön von Horváths Himmelwärts der Orchesterraum „in der Höhe des Parterreniveaus überdeckt“.
Die Produktion war ein Gastspiel der Freien Bühne von Otto von Ambros-Egon Sala; die Musik der Inszenierung steuerten J. C. Knaflitsch (Komposition) und Philipp von Zeska (Gesangstexte) bei; es spielten unter anderen Eduard Loibner, Peter Preses und Robert Klein-Lörk.

kurz darauf erhielt Schurli für die Vorstellungen der Komödie Das Ministerium ist beleidigt eine temporäre Konzession für öffentliche Stehbilder zu dieser Inszenierung, als Silverstergala zeigte man Sylvesternacht mit Jushny (Der blaue Vogel ganz verrückt).

Im Laufe des Jahres 1938 übernahm „Pg. Hans von Pott“ die nunmehrige „Betriebsführung“ des Theaters, während Schurli noch in einigen Schreiben als Direktor zeichnete; mit 19. Dezember 1938 wurde Potts am „27. Oktober 1938 erteilte Zulassung zur Veranstaltung ständiger Gastspielaufführungen in der Komödie […] bis zum 30. April 1939 unter denselben Bedingungen verlängert“. Gezeigt wurde als eine der ersten Produktionen dieser Spielzeit die Operette Liebe in der Lerchengasse von Hermann Hermeneck (Musik: Arno Vetterling).

Erst mit Beginn der Spielzeit 1939/1940 Übernahm Rudolf Haybach (18., Scheibenbergstraße 8), die Direktion des Theaters. Die Zulassung des Präsidenten der Reichstheaterkammer (gez. Körner) wurde mit 11. August 1939 ausgestellt, eröffnet wurde die neue Spielzeit am 28. September 1939; Leon Epp wurde zum Spielleiter des Hauses und blieb es bis zu dessen direkte Übernahme durch die NS-Behörden. Versucht wurde ein literarisch gehobener Spielplan, wie ihn Epp auch nach 1945 am selben Standort wiederbelebte.

Bereits 1938 war Haybach auch Leiter der Abteilung „Kunst und Theater“ der NS-Organisation „Kraft durch Freude“ (KdF) sowie kommissarischer Leiter der Österreichischen Kunststelle.
Im Juli 1941 wurden die bisher als Probenräume genutzten Kellerräumlichkeiten des nunmehrigen „KdF-Theaters“ der „Deutschen Arbeitsfront“ durch Abmauerung von drei Türen vom Theater getrennt und der städtischen Musikakademie zur Verfügung gestellt. In den offiziellen Schreiben der Deutschen Arbeitsfront zur von ihr betriebenen Komödie scheint Haybach nicht mehr auf, wiewohl dieser noch bis August 1943 Vertreter des Generalintendanten Walter Bruno Iltz des KdF-Theaters Deutschen Volkstheaters blieb, das die Komödie neuerlich als zweite KdF-Bühne Wiens übernahm.

Die „Insel“ in der Kömödie: Neuübernahme durch Leon Epp, 1945
Der Wiener Schauspieler, Regisseur und Intendant Leon Epp hatte bereits 1936 die Idee für ein literarisch ambitioniertes, paneuropäisches, humanistisches und zeitkritisches Literaturtheater gehabt. In der Spielzeit 1936/1937 eröffnete der Die Insel am Parkring in der ehemaligen Sattelkammer des Deutschmeisterpalais, musste diesen ersten ambitionierten Versuch jedoch im Zuge des „Anschlusses“ wieder aufgeben.

Leon Epp arbeitete danach unter anderem an der Komödie in der Johannesgasse 4, die damals von Rudolf Haybach geleitet wurde. Als Haybach das Theater finanziell nicht halten konnte und an die NS-Organisation „Kraft durch Freude“ übergab, musste Epp das Haus verlassen. Er arbeitete in zuerst Deutschland und danach in Graz, wo er auch sofort nach Kriegsende erfolglos versuchte, wieder Fuß zu fassen. Währenddessen hatte seine Frau Elisabeth Epp in Wien erfahren, dass die schwer beschädigte Komödie frei stand. Sie war es auch, die vorerst auf eigene Faust mit einem ehemaligen Mitarbeiter mit den Anträgen für eine Konzession und dem Wiederaufbau der Bühne begann.

Nachdem Leon Epp seine Grazer Pläne aufgeben musste, kehrte er nach Wien zurück, stieg im Mai 1945 in die Verhandlungen um die Wiedereröffnung der Räume der ehemaligen Komödie ein, sprach ehemalige Schauspielerinnen und Schauspieler der "Kleinen Insel“ am Parkring an und bemühte sich um Stücke. Die Aufbauarbeiten zogen sich weit über den Sommer, und auch die Zusammenstellung eines Spielplanes erwies sich als schwieriger als erwartet. Noch zum Zeitpunkt der geplanten Eröffnung waren die Aufbauarbeiten nicht fertig und mussten Tag um Tag verschoben werden. In ihren Lebenserinnerungen schildert Elisabeth Epp die letzten Stunden vor der Wiedereröffnung des Theaters: „Da kam plötzlich Hilfe! Ein ganzes Team einer Redaktion kam mit Lastautos! […] und am Morgen des 18. Oktober war ein Meter breiter Weg durch Stiegenhaus und Hof zum Bühneneingang gebahnt. Die Forderung der Behörde war erfüllt, der Eröffnung am Abend stand nichts mehr im Wege.“

Schließlich konnte an diesem Abend mit einer Dreierpremiere das neue, 450 Personen fassende Theater, das Leon Epp nun "Die Insel in der Komödie“ nannte – zum einen, um auf seine frühere „Insel-Idee“ hinzuweisen, dessen Konzeption er an der neuen Insel weitertrug, zum anderen auf den in Wien bereits etablierten Standort, die Komödie. Gespielt wurden: Onkel Wanja von Anton Tschechow, Zu wahr um schön zu sein von Bernard Shaw und Legende eines Lebens von Stefan Zweig.

Leon Epp bot in den folgenden sechs Jahren engagiertes zeitgenössisches Theater. Zu den hier gespielten Autoren zählten unter anderen Gerhart Hauptmann, Henrik Ibsen, Rainer Maria Rilke, Stefan Zweig, Hermann Bahr, Hugo von Hofmannsthal, Arthur Schnitzler, August Strindberg, Franz Molnár, Rudolf Weys, John Galsworthy, Georg Kaiser, A. A. Milne, Clifford Odets, John Patrick, Emmanuel Roblés, Romain Rolland, Jean Anouilh, Marcel Achard, André Birabeau, Paul Claudel, Maxim Gorki, A. N. Afinogenow, A. Galitsch/K. Issajew, Jan de Hartog und Luigi Pirandello sowie ältere und jüngere Klassiker von William Shakespeare, Friedrich Schiller, Lope de Vega, Nestroy, Anton Pawlowitsch Tschechow und Bernard Shaw; zu en wenigen weiblichen Autorinnen zählten Lilian Hellmann, Mary Chase, Friederike Faßl, Grete Simmetinger und Emma Urban.

Und Leon Epp begann, Theateraufführungen der Insel auch in den „Außenbezirken“ der Stadt zu spielen und gründete damit ein „Theater in den Außenbezirken“, das er ab 1952 auch am Wiener Volkstheater mit Erfolg weiterführen sollte.

Doch spätestens in der Spielzeit 1948/1949 geriet das Theater in eine schwere finanzielle Krise, da mit dem wachsenden Kauf- und Kulturangebot in der Stadt das Interesse an dem immer öfter als zu ernst und zu trocken beschriebenen Programm der Insel sank. Die Übernahme der Renaissancebühne als zweitem Spielort für „leichte Kost“ und mit Publikumslieblingen wie Hans Moser oder Gisela Werbezirk im Jahr 1949, gegen die sich seine Frau von Beginn an vehement wehrte, führte nicht zur erhofften Rettung des Hauses in der Johannesgasse, sondern zu weiteren massiven finanziellen Problemen. Im Mai 1951 war die Insel in der Komödie, der auch die finanzielle Hilfe aus dem „Kulturgroschen“ nicht mehr in der nötigen Höhe genehmigt wurden, nicht mehr zu retten. Zeitgleich interessierte sich die Gemeinde Wien in Form der Kiba für den Betrieb, um hier ein weiteres gediegenes Wiener Innenstadtkino eröffnen zu können. Noch 1951 wurde hier das Metro Kino als Kiba-Betrieb eröffnet.

Leon Epp wurde 1952 als neuer Direktor des Wiener Volkstheaters bestellt, dessen Intendanz er bis zu seinem frühen Tod in Folge eines Autounfalls im Dezember 1968 innehatte.

Quellen
Angela Eder [Heide]: Zwischen Avantgardetheater und Papierrose. Die Insel in der Komödie, 1945–1951. Diss. Univ. Wien. Wien 2005.
Elisabeth Epp: Glück auf einer Insel. Leon Epp – Leben und Arbeit. Wien 1974
Robert Maria Prosl: Die "Theater für 49". Vortrag, gehalten im Institut für Theaterwissenschaft an der Universität Wien am 22. März 1946. In: Jahrbuch der Gesellschaft für Wiener Theaterforschung 1946-1947. Wien: Verlag Jugend und Volk 1949, S. 102-136.

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