1870 entwickelten der Begründer der Neuen Freien Presse (1856), der Journalist Max Friedländer (18.06.1829 in Pleß/Pszczyna, Polen - 20.04.1872 Nizza), und der Schriftsteller, Dramaturg und Theaterleiter Heinrich Laube (18.09.1806 Sprottau/Szprotawa, Polen - 01.08.1884 Wien), der von 1849-1867 das Wiener Burgtheater geleitet hatte, den Plan, ein neues bürgerliches Theater für klassische Stücke, moderne Tragödien und Lustspiele in Konkurrenz zum k. k. Hofburgtheater, das Laube nach der Übernahme der Generalintendanz der Hoftheater durch seinen Gegner Franz Halm verlassen hatte, zu eröffnen. Das Wiener Stadttheater wurde in den Jahren 1871/72 nach Plänen von Ferdinand Fellner d. Ä. erbaut und 1872 eröffnet. Laube leitete das Haus in den Jahren 1872 bis 1874 und von 1875 bis 1880; 1884 brannte das Haus völlig aus. 1887/88 wurde es von den Architekten Ferdinand Fellner d. J. (19.04.1847-22.03.1916, Wien) und Hermann Helmer (13.07.1849 Harburg/Deutschland - 02.04.1919 Wien), die gemeinsam das Atelier "Fellner & Helmer" gegründet hatten (es bestand bis 1920) im Auftrag von Anton Ronacher zu einem "Concert- und Ballhaus" (Varietétheater), einer Kombination von Theater, Ballsaal, Hotel, Restaurant und Kaffeehaus, umgebaut und im Eröffnungsjahr 1888 in Etablissement Ronacher umbenannt. Ab 1891 gab es hier einen ständigen Theaterbetrieb, v. a. mit Revuen, Varieté. 1945 bis 1955 war das Etablissement Ronacher Spielstätte für das in den letzten Kriegstagen ausgebrannte Burgtheater, danach wurde er neuerlich als Varieté geführt. Von 1960 bis 1976 wurden hier ORF- und Studioproduktionen realisiert. 1987 ging das Haus in den Verband der Vereinigten Bühnen Wien Ges. m. b. H., wurde 1988 mit dem Musical Cats wiedereröffnet und in den Jahren 1991-1993 generalsaniert.

In den Jahren 2004 bis 2006 wurde das Ronacher neuerlich für über 40 Millionen Euro umgebaut. Das traditionelle Wiener Theater wurde damit in den letzten Jahren mehrmals renoviert und auf den modernen Stand der internationalen Theater- und Musicaltechnik gebracht - und dies, obwohl die Einspielergebnisse im Bereich Musical, zumal im deutschsprachigen und heimischen, nicht unbedingt erfolgsversprechend aussehen.
Im Sommer 2006 wurde das Ende des Umbaus neuerlich verschoben: "Der Umbau des Ronachers verzögert sich bis zum Frühjahr 2008. Das Theater kann aufgrund eines Rechtsstreits mit einem Anrainer nicht wie geplant am 27. Oktober 2007 eröffnen. Planung uns Ausschreibung unter der Federführung von Günther Domenig seien aber im Zeitplan. Die Baubehörde habe dem Projekt die Genehmigungsfähigkeit attestiert, und die Beschlussfassung durch den Bauausschuss werde in Kürze vorliegen. Durch den Einspruch werde es aber zu einer möglichen Verzögerung der Umbauarbeiten kommen. Die Kosten für den Umbau sind mit 34,1 Millionen Euro veranschlagt. (APA in Der Standard, 15./16.07.2006, S. 33)


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Website: www.musicalvienna.at

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