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Gründung und Eröffnung
1898 wurde anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Regierungszeit von Kaiser Franz Joseph I. ein provisorischer Holzbau am Beginn der in den Prater führenden Praterstraße errichtet, in dem von nun die Sternwarte beheimatet war, daneben Ausstellungen gezeigt sowie im großen Saal, der 800 Personen fasste, Vorträge gehalten werden sollten.
Träger des neuen multifunktionalen Ortes war der Bildungsverein "Urania", der im Sommer auch im Prater präsent war.
Bald nach der Eröffnung wurde klar, dass ein fester Standort sinnvoll wäre, und so wurde mit den Mitteln der Gemeinde Wien, der dem Bildungsverein auch den Baugrund überließ, ein festes Gebäude nach den baulichen Vorgaben der Zeit errichtet. Die Schlusssteinlegung des neuen stehenden Urania-Gebäudes fand nach einjähriger Bauzeit am 6. Juni 1910 statt, als Architekt fungierte der Otto-Wagner-Schüler Max Fabiani.
Bereits in der ersten Phase und vor allem ab der Eröffnung des Neubaus wurden hier Filme gezeigt, die man vorerst "Kinematogramme" nannte. 1912 wurde auch hier ein Film aus dem internationalen Verleih der Brüder Pathè gezeigt, der von Publikum wie Presse positiv aufgenommen wurde und die erste Skepsis am neuen Wiener "Kino" nahm. Im selben Jahr begann der Verleih der Urania von Kultur- und Lehrfilmen.
1928 wurde das Urania Kino zu einem Tonfilmionier in Wien, als man hier den ersten Film mit dem neuen Lichttonverfahren "Tri-Ergon" vorstellte. 1929 folgte der Einbau der Tobis-Klangfilm-Appatur, mit der man noch im selben Jahr Walter Ruttmanns Melodien der Welt in der musikalischen Bearbeitung von Wolfgang Zeller.

NS-Zeit und erste Nachkriegsjahre
Nach dem "Anschluss" wurde die Urania und so auch ihr Kino Teil der "Ostmärkischen Erwachsenenbildung", der eigene Filmverleih wurde dabei aufgegeben. 1944 musste der Betrieb nach schweren Bombentreffen am 5. November gänzlich eingestellt werden.
Nach Kriegsende kam das Kino in öffentliche Verwaltung, ab 1947 wurde Leopold Langhammer Konzessionär des Kinos (Konzession von 31.12.1946). Für den Kinobetrieb wurden zu diesem Zeitpunkt bereits zwei Säle genutzt, von denen der Mittlere Saal bereits ab 1945 wieder bespielt wurde, der Große Saal jedoch erst im September 1946 wiedereröffnet wurde.
1956 zeigte man im Urania Kino als ersten Film mit dem neuen CinemaScope-System Walt Disneys Susi und Strolch (Lady and the Tramp).

Neugestaltung durch den Wiener Theaterarchitekten Otto Niedermoser
Von 1955 bis 1957 wurde das Gebäude vom renommierten österreichischen Architekten und Bühnenbildner Otto Niedermoser umgestaltet. Niedermosers Karriere hatte 1924 am neuen Theater in der Josefstadt in der Direktion Max Reinhardts begonnen, mit dem er auch in den folgenden Jahren als Bühnenbildner zusammenarbeitete. 1950 wurde Niedermoser so auch mit der Umgestaltung des Theaters in der Josefstadt betraut, dessen Sträuselsäle er gänzlich neu adaptierte. 1955 folgte der Auftrag der Stadt Wien zur Umgestaltung der Innenräume der Urania, 1960 bis 1962 leitete der die Renovierung des Theaters an der Wien, 1963 jene der Urania, und 1973 beauftragte ihn die damaligen Direktoren des Theaters in der Josefstadt, Franz Stoß und Ernst Haeusserman, mit dem Umbau der Wiener Kammerspiele, die nunmehr als feste zweite Bühne des Theaters genutzt wurden.
Niedermoser gestaltete den neuen Großen Kinosaal der Urania zeittypisch modernistisch reduziert um, ließ die Decke absenken, um die Akustik zu verbessern und einen intimeren Eindruck zu vermitteln, und reduzierte auch die Sitzplatzzahl von 653 auf 587, indem er wesentlich breitere, bequemere Stühle einbauen ließ. Eröffnet wurde der neue moderne Kinosaal mit Martin Schließlers Dokumentarfilm Heiße Straße. Kairo - Kapstadt (BRD 1960/1961).

Erneuter Umbau
1983 folgte der neuerliche Umbau des Kinos im Auftrag des neuen Pächters, der Gemeinschaftsfirma Jupiter und Concorde Filmverleih. Die ehemaligen gepolsterten Klappstühle wurden durch feste Polsterstühle ersetzt, der Abstand zwischen den Reihen erneut erweitert und der ehemalige Mittelgang verbaut, das Kino erhielt eine neue Dolbi-Stereo-Anlage, und im Foyer wurde ein zeittypisches Innenstadt-Café eingerichtet. Die Eröffnung des neuen Kinos fand am 15. September 1983 mit Carlos Sauras Carmen statt. Wenige Wochen später, im Jänner 1984, wurde auch die neue Fassadengestaltung offiziell vorgestellt, und im Herbst diesen Jahres war nach längerer Pause auch wieder das Festival Viennale hier zu Gast, das seither in der Urania einen festen Spielort hat.

Neuübernahme 1991 und Neuadaption des Kinosaales 2000-2003
1991 übernahm die Constantin Film die Pacht des Kinos.
Ab dem Jahr 2000 wurde das Kino neuerlich wesentlich umgebaut und konnte erst am 7. Mai 2003 wiedereröffnet werden, nach dem sich aufgrund eines Konkursverfahrens einer Baufirma die Umbauarbeiten über Monate hinweg verzögerten.
Erneut wurde die nun ganz in Rot gehaltene Bestuhlung noch bequemer gestaltet und die Sitzplätze auf nur noch 252 Plätze reduziert, das Kino wurde mit einer digitalen Tontechnik ausgestattet und zudem auch der Kassenraum mit großen Fenstern und hellem Terrazzoboden wesentlich erneuert. 2004 erhielt das neu gestaltete Urania Kino gemeinsam mit dem Kepler Kino den Wiener Kino-Preis.

Seit der Schließung des letzten eigenständigen Kinos für junges Publikum der Stadt Wien, dem Cinemagic im ehemaligen Opern Kino (davor hatte sich das "Kinderkino" Wien im Kosmos Kino befunden) werden in der Urania in Kooperation mit dem Constantin-Filmverleih auch Programme für junges Publikum im Rahmen einer eigenen Programmschiene angeboten.