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< zurück Das zuerst als „Kino Oeser“ wie auch „Kino-Theater Oeser“ vorgestellte wurde am 22. März 1913 von Franz Josef Oeser eröffnet. Oesers erstes Kinounternehmen datiert nach einer Reihe von Quellen auf das Jahr 1896 zurück und war zu diesem Zeitpunkt noch in Wanderkinobetrieb. Um 1900 war Oeser mit seinem „The Oesers Royal Biograf Co.“ unter anderem ins Hotel Stefanie in der Taborstraße zu Gast, ehe er an der Schönbrunner Straße 12 seinen ersten festen Kinostandort etablierte. Bereits ein Jahr nach der Eröffnung übernahm Marie Demmer den Betrieb, den sie bis 1926 besaß und setzte Josef Tula als tagesbetrieblichen Geschäftsführer ein. Oeser behielt jedoch seine Lizenz und zog mit dieser in die Auhofstraße 134, wo er im Dezember 1914 ein weiteres Oeser Kino eröffnete – das spätere Auhof Kino. Demmer nannte ihren Betrieb zuerst City Kino und erst ab 1919 Franzens Kino. Im Mai 1921 kam es zu einem Lokalaugenschein, bei dem festgestellt werden sollte, ob der Standort für dessen Betrieb noch immer sicherheitspolizeilich zugelassen werden konnte. Den Antrag hatte Maria Demmer bereits im Dezember 1920 gestellt, da sie plante, das Kino ab dem Folgejahr mit einer neuen wirtschaftlichen Partnerin zu führen. In den Monaten danach wurden die Räume daher adaptiert und modernisiert, und nach mehreren Begehungen, bei denen immer weitere bauliche Maßnahmen seitens des Wiener Magistrats vorgeschrieben wurde, konnte das Franzens Kino endlich im Spätfrühling 1921 wiedereröffnet werden. Demmer war weiterhin Lizenzinhaberin des Betriebs, ihre Gesellschafterin Marie Reif jedoch Inhaberin des Inventars und wohl auch Mieterin des Lokals, in dem sich das Kino befand. Der diesbezügliche Gesellschaftsvertrag wurde von beiden Seiten am 29. Dezember 1921 unterzeichnet. Darin hieß es: Frau Marie Demmer besitzt eine Kinematographenlizenz mit der Spielberechtigung bis zum 26. März 1924, und zwar mit dem Standorte in Wien V., Schönbrunner Straße Nr. 12 (Franzens Kino). Da Frau Maria Demmer die nötigen Mittel zur Anschaffung eines Inventares und zum Betriebe des Kinos nicht besitzt, vereinigt sie sich mit Frau Marie Reif zum gemeinschaftlichen Betriebe dieses Kinos. Frau Marie Reif bringt in das gemeinschaftliche Unternehmen das gesamte zum Kinobetriebe gehörige Inventar zwecks Benützung für den Kinobetrieb während der Dauer des Gesellschaftsverhältnisses und behält sich das ausschließliche Eigentumsrecht vor, was auch von Frau Demmer hiermit ausdrücklich anerkannt wird. Demmer brachte ihre Spielbewilligung ein, das Mietrecht lag bei beiden Frauen gleichermaßen, die finanzielle Führung lag bei Reif, die Vertretungsfunktion nach außen gegenüber den Behörden übernahm hingegen Demmer, die mit 30 Prozent Anteilen Juniorpartnerin wurde und im Falle einer Auflösung der Vereinbarung darauf bestehen durfte, die Lizenz für sich allein geltend zu machen. Geführt wurde das Kino wiederum von der am 19. März 1886 in Wien geborenen Hermine Knapp als operativer Geschäftsführerin, die damit nach außen hin auch als „Kinobesitzerin“ bezeichnet wurde. Nach fünf Jahren, in denen das Kino in dieser Konstellationen geführt wurde, bat Knapp den Wiener Magistrat im Sommer 1926, ihr die nunmehrige Konzession zu verleihen, da sie zum einen das Kino am 28. März 1926 „käuflich erworben“ habe und zudem Demmer als „bisherige Lizenzinhaberin und Staatsbeamtenwitwe“ „finanziell in das Unternehmen nie etwas eingebracht“ hätte. Nachdem Knapps Ansuchen vonseiten des Bundes des österreichischen Lichtspiel-Theater positiv unterstützt wurde, erteilte der Wiener Magistrat tatsächlich Knapp und nicht mehr Demmer die Konzession, worauf Demmer über ihren Anwalt Dr. Alexander Marschik scharfen Protest gegen dieses Vorgehen einlegte. In ihrem Berufungsschreiben an den Magistrat der Stadt Wien argumentierte Demmer, dass sie „seit mehr als einem Jahrzehnt eine Kinolizenz besessen habe“ und das sie „Mieterin des Kinolokals“ sei. Demmer erläuterte, dass Knapp nur den halben Anteil ihrer bisherigen Gesellschafterin Marie Reif gekauft habe und daher kein Grund vorliege, sie zu „enteignen“: Es lag daher kein Grund vor, mich zu enteignen, mir die Kinokonzession zu verweigern und der Frau Hermine Knapp zu verleihen, weil einerseits Frau Hermine Knapp erst wenige Monate Besitzerin des Inventars [!] ist und die Rückstände an Lustbarkeitsabgabe nicht Frau Hermine Knapp, sondern Frau Marie Reif, die frühere Besitzerin des Inventars, bezahlt hat. Tatsächlich war Knapp auch an einem anderen Kino, den Laudon Lichtspielen in Hadersdorf-Weidlingau, beteiligt. Dennoch ging sie aus dem Konflikt als Siegerin hervor und erhielt die Konzession zur Führung des Franzens Kinos als Konzessionärin. Als Geschäftsführer und ihren Stellvertreter stellte sie im März 1926 den am 6. Juni 1893 in Wien geborenen Alfred Schiller ein. Im August ging Knapp bereits auf Urlaub und übergab die Leitung ihrem Mitarbeiter und Geschäftsführer Schiller; von 8. bis 13. August wurde das Kino „wegen Personalbeurlaubung“ ganz geschlossen. Währenddessen wechselte Demmer ihren Anwalt und bemühte sich in den folgenden Monaten mit ihrem neuen Vertreter, Dr. Richard Popper, erneut um Berufung gegen den Bescheid zugunsten von Knapp im Jahr zuvor. Das folgende Verfahren wurde jedoch im Juni 1928 mit einem erneut ablehnenden Bescheid gegen Demmer beendet, Knapp blieb Konzessionärin, Schiller Geschäftsführer. Noch im selben Jahr ließ Knapp eine Wand aufziehen und drei weitere Klappsessel der niedrigsten Preiskategorie anbringen. Im Herbst desselben Jahres wurde ein Windfang über dem Eingangsportal errichtet. Auch 1929 wurde das Kino im Sommer geschlossen, u. a. auch, um es in dieser Zeit zu renovieren. Ab diesem Jahr vermerkte Knapp gegenüber dem Magistrat auch immer wiederkehrende Nachtvorstellungen der sozialdemokratischen Bezirksorganisation des Bezirks. Knapp scheint gegenüber diesen technischen Neuerung vorerst skeptisch gewesen zu sein, wie aus einem Schreiben an den Wiener Magistrat von 12. Februar 1931 hervorgeht, in dem Knapp festhielt: „Der konstante Rückgang der Besucherfrequenz zwingt auch mich, meinen Betrieb auf den Tonfilm umzustellen.“ Im März 1931 führte sie daher im Wien-Vergleich verhältnismäßig spät in ihrem Kino den Tonfilm ein und installierte eine „Klangfilm“-Apparatur. Nach einer mehrwöchigen Schließung des Kinos (16. März bis 4. April 1931), um die notwendigen Adaptionen durchzuführen, eröffnete das nunmehrige Franzens Tonkino am Ostersamstag dieses Jahres mit Georg Jacobys Der keusche Josef (D 1930) und Publikumsstar Harry Liedtke in der Titelrolle. Ab 1934 hieß das Kino erneut schlicht Franzens Kino. Im September 1932 brachte Knapp in ihrem Kino den Tonfilm Kismet, im April 1933 zeigte sie den Film Aktion „Die gute Hausfrau“. Hermine Knapp blieb auch während der NS-Zeit Inhaberin der Spielbewilligung und leitete den Betrieb bis in das Jahr 1959. Nach knapp 40 Jahren, in denen sie im Franzens Kino als Geschäftsführerin, Teilhaberin und schließlich Eigentümerin tätig gewesen war, holte Knapp ihren Sohn Karl in den Betrieb und änderte die Eigentümer:innen-Verhältnisse dahingehend, dass das Franzens Kino nun von einer OHG geführt wurde, deren Teilhaber:innen sie selbst sowie ihr Sohn waren. 1961 starb die langjährige Wiener Kinobetreiberin 75-jährig. Karl Knapp, der seit 1957 die Tagesgeschäfte führte, hatte im Jahr seines Einstiegs den Einbau einer CinemaScope- bzw. VistaVision-Anlage in die Wege geleitet, um der wachsenden Konkurrenz durch Fernsehen und verbesserte Technologien zu begegnen. Das Franzens Kino konnte so die erste Welle des „Wiener Kinosterbens“ überstehen. Knapp und seine Frau Margareta hielten den Familienbetrieb noch bis 1972 aufrecht. In diesem Jahr verpachteten sie jedoch das Kino an die „Favorit Film-Verleih KG, Pollak & Co.“ Neue Geschäftsführerin wurde Renate Brichta, der in rascher Folge Kurt Schramek und zuletzt Leo Moser folgten. Schramek hatte das Kino bereits 1979 programmiert, 1984 kaufte er es, verkaufte es aber nur etwas mehr als ein Jahr später weiter an Leo Moser. Ab dem Einstieg Schrameks wurde auch der letzte Name des Kinos eingeführt: Movie. Man bemühte sich ab nun, ein alternatives, junges Kino anzubieten, mit Retrospektiven, Themenschwerpunkten, wie etwa einem frühen Lesben- und Schwulenfilmfestival in Zusammenarbeit mit der HOSI, und publizistischem Begleitangebot. Moser ließ zudem die Bestuhlung modernisieren und die alten Holzstühle durch bequemere Polstersessel ersetzen. Man hoffte, mit dem Movie-Kino einen neuen relevanten lokalen „Player“ in der damaligen Wiener Alternativkino-Landschaft anbieten zu können. Doch bereits nach fünf Jahren war auch dieser Versuch Geschichte: Moser schloss das ehemalige City-, Franzens- und Movie-Kino nach fast 80 Jahren durchgehendem Spielbetrieb mit Slava Tsukermans Sci-Fi-Komödie Liquid Sky (USA 1982) am 3. August dieses Jahres und zog von hier weiter stadteinwärts in das Schikander Kino, das er weitere fünf Jahre mit einem ähnlichen Konzept weiterführte. Quellen und Links Wiener Stadt- und Landesarchiv (WStLA), M.Abt. 104, A11 – Kino, einzelne: Franzens-Kino Wiener Stadt- und Landesarchiv (WStLA), Reichsfilmkammer, Außenstelle Wien, A1 – Kinoakten: 36 Franzens-Lichtspiele Thomas Jelinek, Florian Pauer: Die Wiener Kinos. Bd. 2. Wien 2022, S. 83–87. homopoliticus.at www.geschichtewiki.wien.gv.at/Auhofkino < zurück |