| < zurück Das ehemalige Ladenkino zählt zu den ältesten bespielten Kinos der Stadt. Es wurde 1911 als „Invalidendank“ Kino gegründet und in den ersten Jahren von der Invalidendank-Bankverein betrieben. Bis 1938 gehörte das Kino zu gleichen Teilen Mathilde Weiss und deren Tochter Luise Salzer. Nach dem „Anschluss“ Österreichs wurde das Kino im August 1938 dem damaligen Gauhauptstellenleiter und Träger des goldenen Ehrenzeichens der NSDAP Nr. 54.911, PG. Anton Ochsenmayer, auf dessen Antrag hin von der Reichsfilmkammer, Außenstelle Wien, zugewiesen. Im Herbst 1938 wurden die beiden Eigentümerinnen zum „Verkauf“ ihres Kinos an Ochsenmayer – über Vermittlung des damaligen Verwalters, PG. Hans Siederer, gezwungen. Der Verkauf zog sich über einen längeren Zeitraum und wurde vorerst in Raten abgewickelt, nachdem Ochsenmayer im Juni 1939 gestorben war, übernahm seine Frau das Kino und suchte um verringerte Zahlungen an Weiss an. Nachdem Weiss 1942 ihren „,Wohnsitz‘ nach Theresienstadt verlegt“ hatte, wurden die Zahlungen an sie ganz eingestellt und das Vermögen „zu Gunsten des Großdeutschen Reiches eingezogen“. Weiss überlebte den Krieg und kehrte nach 1945 nach Wien zurück, ihre Tochter Luise war in die USA emigrierte, wo sie geheiratete hatte und als Luise Braun in Fairfield, Connecticut, lebte. Durch Vermittlung der US-Behörden wurde Weiss – nachdem vorerst Frieda Mayer diese Funktion inne hatte – bis zum Ende des Rückstellungsverfahrens öffentliche Verwalterin. Das Rückstellungsverfahren wurde mit Ende 1947 abgeschlossen, musste jedoch aufgrund einer Berufung von Hermine Schwarz bis 1948 weitergeführt werden. Schließlich wurde jedoch Schwarz’ Berufung in Hinblick auf „Schadensersatzansprüche“ abgelehnt. Weiss selbst wurde als öffentliche Verwalterin abberufen und zugleich erneut Eigentümerin des Kinos im Zuge der Rückstellung. Schwarz legte ihrerseits Berufung ein und blieb auf ihrem Standpunkt, dass Weiss ihr Investitionen in der Höhe von 75.000 Schilling zurückzuzahlen habe. Bereits 1966, in der ersten Phase des Wiener Kinosterbens, begann man sich hier auf die Wiederholung von Filmschlagern der Vor- und Nachkriegszeit zu spezialisieren – ein Konzept, das von den Beständen des kinoeigenen Czerny-Verleihs getragen wurde und bis zur Schließung des Kinos aufrecht erhalten werden konnte, wobei in den letzten Jahren, vor allem in den Abendvorstellungen, auch aktuelle Filme gezeigt wurden. Nach zweijähriger Schließung begann 2022 ein Crowdfunding-Projekt unter Beteiligung des Votiv Kinos und zweier Gastronomiebetriebe zur Rettung des Bellaria Kinos. < zurück |