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Das Wiener Bioscop (9., Nussdorfer Straße 84) – auch Lichtenwerder Kino – wurde 1909 in einem 1905 errichteten Neubau eröffnet und hatte einen schmalen Saal mit einem Fassungsraum für vorerst 196 Personen.

1911 erwarb Josef Pomberger das Kino. 1914 hatte das Kino einen Fassungsraum für 230 Personen, 1921 für 221. 1922 erfolgte ein Umbau mit einer Vergrößerung der Kapazitäten für 233 Personen. 1934 hatte das Kino Platz für 237 Personen.

Im März 1938 befand sich das Kino in Besitz von Josef Pomberger (50 %) und Julius Polsterer (50 %), der bereits vor 13. März illegaler Nationalsozialist war. Am 15. März 1938 verkaufte Pomberger 25 % seiner Anteile an Polsterer, der von da an über 75 % Anteile des Betriebes verfügte. Das Kino hieß während des NS-Zeit Lichtspiele Lichtenwerd.

Nach dem Tod Pombergers im Jahr 1941 gingen seine Anteile an seine Witwe Margarete Pomberger (Jg. 1903), die ab 1944 auch als Geschäftsführerin des Kinos fungierte und diese Position auch nach Kriegsende behalten konnte, da ihr Mann als politisch unbelastet eingestuft wurde.

Das Kino konnte bereits am 15. Mai 1945 wiedereröffnet werden und wurde zu diesem Zeitpunkt mit einer Sitzplatzzahl von 238 Stühlen angegeben.

Am 8. Oktober 1945 wurde Dr. Alfred Migsch für die 75 Prozent Anteile des zu diesem Zeitpunkt geflohenen ehemaligen NSDAP-Mitglieds Polsterer als öffentlicher Verwalter eingesetzt. Die 25 Prozent Anteile von Margarete Pomberger blieben in deren Besitz.

1947 übergab Migsch die öffentliche Verwaltung der Anteile Polsterers an Otto Stöhr, der den Betrieb von nun an gemeinsam mit Margarete Pomberger führte. Wie aus einem Bericht Pombergers aus dem Jahr 1948 hervorgeht, war Stöhr jedoch nie im Kino, sondern verwaltete nur die 75 % Anteile Polsterers – daneben zwei weitere Kinos sowie zwei Trafiken (vgl. Margarete Pomberger in einer Niederschrift v. 15.11.1947). Polsterer erhielt seinerseits 500 Euro aus den Erträgen des Kinos. Ein Antrag um mehr Anteile aus den Einnahmen wurde jedoch abgelehnt.

Nach dem Tod Stöhrs kam es erneut zu Konflikten, da dessen Erben um Nachzahlung angeblich nicht ausbezahlter Anteile ansuchten.

Schließlich scheint Margarete Pomberger ihre Anteile am Betrieb 1953 verkauft zu haben, was zu einem weiteren Rechtsstreit zwischen ihr und Julius Polsterer, der nun als „Kraftfahrer“ in Wien aufscheint, führte.

Das Kino wurde zuletzt als Kolibri Kino geführt und musste 1989 schließen. Nach mehrjähriger Nutzung als Solarium wurde das Gebäude generalsaniert und aus dem ehemaligen Kino ein Verkaufslokal.

http://www.immomanagement.at/altbausanierung/umbau-ehemaliges-kolibri-kino/

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