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Das von Elias Jubal gegründete 1. Wiener "Theater für 49" wurde am 14. März 1934 im Haus Maria-Theresien-Straße 4 eröffnet. Jubal wurde 1901 als Benjamin, auch Benno Neumann in Wien (andere Angaben: Horodenka in Galizien) geboren und gilt heute als "Erfinder" des "Theater für 49". Er emigrierte umgehend nach dem "Anschluss" im Jahre 1938, lebte in Australien und in den 50er-Jahren in Ceylon. "Jubal betonte in seinen Ankündigungen, wahrscheinlich, um von vornherein schon, trotz dem Schauplatz im Hôtel de France, dem Gedanken, es handle sich bei seiner Gründung um ein Cabaret, zu begegnen, dass im 'Theater für 49' keine Speisen und Getränke verabfolgt würden." (!) Der Vorverkauf fand im Café de France statt, aufgeführt werden sollten "vor allem Werke österreichischer Dichter", die noch gesucht werden sollten, so dass das Theater anlässlich seiner Eröffnung in den Pressemitteilung bat, "wirkliche Begabungen" mögen sich doch bei der Direktion melden. Obwohl in einem Hotel untergebracht, verstand sich das Theater für 49 nicht als Kleinkunstbühne oder gar Kabarett. Als Eröffnungsvorstellungen wählte man* Eine florentinische Tragödie von Oscar Wilde und George Dandin von Molière. In den folgenden Jahren unter Jubals Direktion gab es 35 Premieren an der "Jubal-Bühne". Am 8. Mai 1936 gab das Ensemble der "Insel", damals noch ohne festes Haus, ein Gastpiel mit Robert Brownings Pippa geht vorüber in der Regie von Leon Epp. Um das Interesse des Publikums zu steigern, begann man in diesem Jahr auch mit musikalischen Stücken. Ab 17. Jänner 1937 fand hier ein Gastspiel (insg. 6 Vorstellungen) der >Gruppe Frisch-Gerlach statt, man gab die Komödie Himmlische Karriere von Theo Frisch-Gerlach, u. a. mit Hilde Weinberger, die später selbst ein Saaltheater in Wien-Ottakring gründen sollte (Regie: Erich Nikowitz). Am 18. Mai dieses Jahres fand dort die Uraufführung von Waldemar Jollos Die Vergeltung statt, Regie führte Elias Jubal, das Bühnenbild stammte von Gustav Manker; es spielten Rudolf Weiss, Charlotte Kollerth, Ludwig Blaha, Emy Wendt, Johannes Braun, Hans Schwarz und Hans Pall. Am 14. Juni 1937 fand hier eine Vorstellung von Molnàrs Liliom statt - der Programmzettel verwies darauf, dass die Produktion "Für Kinder!" sei. "Während der Sommerferien 1937 dachte Jubal daran, den Sitz seines Theaters zu verändern [...], und der im 'Theater für 49' tätige Schauspieler Kurt Reding übernahm dieses als verantwortlicher Veranstalter. Die behördliche Genehmigung dazu erhielt er am 16. Oktober 1937. Am 2. November war in den Zeitungen zu lesen: 'Direktor Waldmann führt im Theater für 49 in der Maria-Theresien-Straße ständige Vorstellungen in englischer und französischer Sprache ein. Für die Leitung der englischen Vorstellungen wurde Karl W. Fernbach, für die fanzösischen Leo Askenasy verpflichtet." Damit waren die ursprünglichen Ideale fallen gelassen, und das 'Theater für 49' in der Maria-Theresien-Straße war zum bloßen Geschäftsunternehmen herabgesunken." (Prosl 1949, S. 109) Der gemischte Spielplan in der Direktion Waldmann reichte von Komödien über Schauspiele, Revuen, Studioaufführungen bis hin zu Varietévorstellungen. Das Theater gab am 3. März 1938 sein letztes Stück: Liebe unmodern. "Der diensthabende Beamte berichtete: 'Abendvorstellung beigewohnt, kein Anstand. (Anwesend waren 12 Zuhörer!)' Das Theater für 49 am Schottentor war ans Ende seines Bestandes gelangt." (Prosl 1949, S. 110) Direktionen: Elias Jubal (1934-1937) Kurt Reding (1937) ? Waldmann (1937/38) Texte: Das musste ein spleenige Angelegenheit sein, dachte ich mir, so ähnlich wie der "Klub der 13" oder der "Selbstmörderklub", wohl eine ganz exeptionelle Angelegenheit mit Darbietungen für Feinschmecker, zu hohen Eintrittspreisen. Schon erwog ich, ob ich mich zur Premiere in den Frack werfen sollteoder ob wohl Smoking genügen würde? Tags darauf erschien im Kunstteil der Wiener Zeitungen eine Notiz, die mich dieser Sorge enthob, in dieser Mitteilung hieß es nämlich: 'Eine Gruppe junger Schauspieler, die bereits durchwegs in exponierten Stellungen tätig waren, baut sich mit großen Hoffnungen und ehrlicher Besessenheit im Souterrain des Hôtel de France ein originelles Theater, das nur 49 Personen Platz bietet. (Gemäß dem Theatergesetz sind nämlich Aufführungen, die vor mindestens 50 Personen stattfinden, konzessionspflichtig.)'" (Robert Maria Prosl in einem Vortrag am Institut für Theaterwissenschaft am 22. März 1946) Quellen & Links: (1) Robert Maria Prosl: Die "Theater für 49". Vortrag, gehalten im Institut für Theaterwissenschaft an der Universität Wien am 22. März 1946. In: Jahrbuch der Gesellschaft für Wiener Theaterforschung 1946-1947. Wien: Verlag Jugend und Volk 1949, S. 102-136, hier s. 104. |