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Chronik der (nicht institutionellen, "freien") Theater, Ensembles und freien Gruppen in Wien

1922 wurde die Amateurtheatergruppe Arena-Bühne gegründet, die 1928 u. a. in den Kunstspielen (dem heutigen Porgy & Bess) auftrat, wo sie noch einmal 1932 mit einer Revue anlässlich ihres 10-jährigen Bestandes gastierte.

1926 Sozialdemokratische Studenten, Mittelschüler und Arbeiterjugendliche gründeten 1926 die "Sozialistische Veranstaltungsgruppe", die ursprünglich einer innerparteilichen linken Opposition gegen die Parteiführung Ausdruck geben sollte. Einer der führenden Mitstreiter war der später berühmt gewordene Sozialwissenschaftler Paul Lazarsfeld. Nach der gelungenen Eröffnungsvorstellung (später als "Urkabarett" bezeichnet) am 18. Dezember 1926 wurde das "Politische Kabarett" zu einem schlagkräftigen Werbemittel, das in das Programm der sozialdemokratischen "Kunststelle" aufgenommen wurde. In 13 Programmen wurden die österreichischen Konservativen und ihre Praktiken an den Pranger gestellt.
Autoren der Gruppe waren u. a. Viktor Grünbaum (Victor Gruen), Robert Ehrenzweig (Lucas) (Neon), Ludwig Wagner, Karl Bittmann, Jura Soyfer, Edmund Reismann. Schauspieler: Walter Harnisch, Fritz Halpern, Lise Halpern, Klara Kaiser, Trude Kaiser, Arnold Meiselmann, Fritz Steiner, Alois Wagner u. a.

1927 wurde von Oscar Teller, Victor Schlesinger und Fritz Stöckler das "Jüdisch-Politische Cabaret" im Saal des Porrhauses in der Treitlstraße (1010 Wien) gegründet. Unter dem Pseudonym "Victor Berossi" verfassten die Gründer neben Benno Weiser auch die meisten Texte, die sich vorwiegend an jüdisches Publikum wendeten.
Programme bis 1938 waren: Juden hinaus!, Rassisches und Klassisches, Ho-Ruck nach Palästina!, Sorgen von morgen. Nach der Annexion Österreichs gründete Teller in New York das "Jüdisch-Politische Cabaret Die Arche".
Schauspieler des Ensembles waren Leopold Dickstein, Otto Presser, Kurt Riegelhaupt, Rosi Safier u. a.

um 1930 warben vor allem die "Blaue Blusen"-Gruppen für die Sozialdemokratische Partei (der Name bezog sich auf die damalige Uniform der Sozialistischen Arbeiterjugend.

1931 Gründung des Kabarettes Der liebe Augustin.

1932 entstanden die "Roten Spielern" (Leitung Edmund Reismann) durch den Zusammenschluss verschiedener Arbeiter- und Bauerntheatergruppen sowie der "Blauen Blusen". Die ingesamt acht Gruppen des Verbundes, zu denen auch Laienschauspieler wie Hans Magschok, Alois Wagner u. a. zählten, spielten in vierzig Orten in Wien und Umgebung, u. a. Werke von Mühsam, Brecht, Kästner, Soyfer, Toller u. a. m.
Die Zeitschrift Die politische Bühne, herausgegeben von der Sozialistischen Veranstaltungsgruppe Wien (Redaktion: Robert Ehrenzweig) wurde zum ffiziellen Organ der "Roten Spieler".

1934 wird der 1932 gegündete Verein der Schulen gelöscht und an seiner Stelle der Verein Theater der Jugend gegründet.

1935 Gründung des Kabaretts "Literatur am Naschmarkt".

1937 Gründung des Insel am Parkring durch den Wiener Schauspieler und Regisseur Leon Epp. Das Theater muss aufgrund seiner kritischen Haltung im Frühjahr 1938 geschlossen werden.

1939 Gründung des Kabaretts "Wiener Werkel" in der Walfischgasse (1010 Wien), das ab 1945 als Theater im Moulin Rouge weitergeführt wird.

1945 Rückkehr des Theaters in die Kinosäle: Hatten sich in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts zahlreiche Wiener Kinos an die Stelle ehemaliger Varietés und Theater angesiedelt, so machte sich bereits kurze Zeit nach Ende des Krieges eine Art "Rückkehr der Theater" in die Kinosäle bemerkbar. So reichte etwa 1946 Gustav Lenau für das Margaretner Bürger Kino um die Genehmigung ein, im Anschluss an die Filmvorführungen von 21 bis 23 Uhr Veranstaltungen mit "Groß- und Raubtieren" ein, und im Apollo- und Philadelphia Kino wurden auch auf der vor der Leinwand platzierten Bühne neuerlich Varieté- und Theatereinlagen gebracht. 1947 veranstaltete Margarete Gölles Varieté-Vorstellungen im Park, Löwen, Haydn und Stadtlauer Kino. (Quelle u.a. Grafl 1993, S. 141)
Die sog. Theater der 49 bleiben auch nach 1945 ein vorerst fester legistischer Bestandteil des Wiener Theaters: Ein Theater bzw. eine Vorstellung mit unter 50 Sitzplätzen benötigte keine behördliche Bewilligung, sondern lediglich eine Anmeldung der Veranstaltung beim Magistrat.
Zu den kleineren und kleinsten Theaterräumen in Wien nach 1945 zählten u. a. das Ateliertheater am Naschmarkt oder ab 1953 "Die Tribüne" im Soutterain des Café Landtmann am Ring.

Im Oktober 1945 eröffnet in den Räumen der ehemaligen Komödie das Theater "Die Insel" in der Komödie >. Leiter des ambitionierten freien Theaters ist Leon Epp, der nach dem Ende der Insel 1951 ab 1952 bis zu seinem Tod 1968 Intendant des Volkstheaters wird, und hier u. a. das heute noch existierende "Theater in den Außenbezirken" initiiert.

Auch das ehemalige Wiener Werkel > eröffnet wieder in den Räumen des heutigen Moulin Rouge (Innere Stadt), muss jedoch auf Anweisung des Wiener Magistrats seinen Namen auf Literatur im Moulin Rouge ändern, da Namen, die im Dritten Reich verwendet worden waren, zu diesem Zeitpunkt verboten sind.

Das Simpl eröffnet wieder in der Wollzeile (1010 Wien), das Kleine Brettl in der Rotgasse und der Liebe Augustin im Café Prückel.

1946 wird das Studio des Theaters in der Josefstadt gegründet. Im 15. Bezirk eröffnet für wenige Monate das "Kleine Theater", und im selben Bezirk ziehen die Stephansspiele in den Saal des Kalasantinerklosters.
Am 19. September des Jahres eröffnet das Junge Theater in der Kleinen Akademie (1140 Wien) mit einer Inszenierung von Shakespeares Des Widerspenstigen Zähmung.

1947 erste Diskussionen um die Einführung des Kulturgroschens im Anschluss an die beginnende Krise nach der Währungsreform

1948 gründeten Schüler des Konservatoriums, darunter der Schüler Walter Firners, Helmut H. Schwarz, das Studio junger Schauspieler. Man eröffnete mit Hans Weigels Barabbas in der VHS Alsergrund. Es folgten 10 Aufführungen an Volkshochschulen und in Klostersälen, u. a. eine Produktion von Jura Soyfer und mit Das sind wir eine selbst erarbeitete Produktion im Studio der Hochschulen >. Kurz nach der Gründung fusioniert das Studio junger Schauspieler mit einer Gruppe rund um Walter Davy zur Szene 48. Auch die weiteren Produktionen fanden an unterschiedlichen Orten in Wien statt.

Im selben Jahr wurden das Theater der Courage sowie das Kleine Haus des Theaters in der Josefstadt eröffnet.

1949 gründete das Ensemble der Szene 48 im Café Dobner (Linke Wienzeile 4, 1060 Wien) ein neues festes Theater: das Theater der 49. Die Räume befanden sich nicht in der ehemaligen Literatur am Naschmarkt, in der später das Kaleidoskop und das Ateliertheater beheimatet waren, sondern in einem größeren Saal im Zwischengeschoss. Der neue Name verwies auf eine "Tradition" der Zwischenkriegzeit und die Zahl der genehmigten Zuschauerplätze: Man nannte sich von nun an Theater der 49 (Theater der 49 gab es in den 30er-Jahren u. a. in der Neubaugasse, im Hotel de France am Schottentor oder mit der "Kleinen Insel" 1938/38 im Palais Erzherzog Eugen am Parkring). Die Leitung des neuen Theaters übernahm erneut Helmut H. Schwarz, man spielte 5-mal in der Woche, musste jedoch bereits in den ersten beiden Wochen zwei Vorstellungen absagen, da kein Publikum kam.

Es gab in diesem Jahr in Wien 30 aktive Ensembles, daneben eine Reihe Gastspielunternehmungen, Sommerstegreiftheater und Laienspiele (siehe Privattheater und Gruppen in Wien um 1950 >)

Während ein Teil des Ensembles rund um Davy, Schwarz und Erich Neuberg als Theater in der Kolingasse blieb, zogen die Mitglieders des Studios der Hochschulen weiter und gründeten noch im selben Jahr Das Experiment, Theater der 49 im Konzerthaus (1030 Wien).

1950 wird das Kleine Theater im Konzerthaus eröffnet. Am 12. November kommt es nach 5,5 Jahren Spielzeit zur Schließung des schwer verschuldeten Studios in der Kolingasse. Der Leiter des Theaters wechselt in die Kulturabteilung der Stadt Wien.

Privattheater und Gruppen in Wien um 1950 >

Nicht nur die Währungsreform 1947, auch der Bedarf einer "Standortbestimmung" der "Theaterstadt Wien" und der hier seit 1945 wiederaufgebauten Theater, aber auch die "Abwanderung" zahlreicher SchauspielerInnen zum Film und die Eröffnung zahlreicher neuer Kinos führten zu einer der ersten schweren Theaterkrisen der Nachkriegszeit.
Sport Tagblatt, 21.08.1950 >

50er-Jahre eine beliebte Bühne in den 50er-Jahren war u.a. die Wielandbühne, eine Gratisbühne in Favoriten.
Die Wiener Gruppe rund um Konrad Bayer, Friedrich Achleitner, H. C. Artmann und Gerhard Rühm setzt in den 50er-Jahren nicht zuletzt theaterhistorische neue Impulse, etwa in den Bereichen Performance und Happening, aber auch in der Bespielung neuer Orte und (nicht theatraler) Räume. Neue Impulse beginnt ab den 50er-Jahren u. a. auch der österreichische Künstler Hermann Nitsch mit seinem Orgien-Mystherien-Theater.

1951 wird das Theater am Parkring gegründet, das bald zur führenden Wiener Kellerbühne wird.

1953 Gründung der Tribüne im Soutterain des Café Landtmann, Wien I, durch den Regisseur Otto Ander
(heute Die neue Tribüne). Die Kleine Komödie wird ebenso gegründet wie das Kaleidoskop in der Secession.

1954 im Juni fand im Rathaus eine Kellerbühnenausstellung statt; im Theater am Parkring zeigt man Warten auf Godot von Samuel Beckett mit Otto Schenk, Kurt Sowinetz und Günter Haenel; im selben Jahr bringt das Theater auch Caligula von Albert Camus heraus; im Theater Courage zeigt man Die Rakete von Erich von Sternheim. Im Kaleidoskop konnte man in diesem Jahr Invasion von A. Adamov sehen

1955 hat am Theater am Parkring Oedipus von André Gide Premiere; das Theater Courage zeigt Abrechung von Sauvajon; in der Tribüne konnte man in diesem Jahr u. a. 1955 Orpheus von Jean Cocteau und Schillers Kabale und Liebe sehen. Das Kaleidoskop am Naschmarkt wird eröffnet.

1956 wird das Experiment am Liechtenwerderplatz während der Wiener Festwochen eröffnet, das spätere Theater im Palais Erzherzog Karl und heutige Theater Experiment.

1957 sah man am Theater Courage Brise aus Korsika von Georges Neveux.
Die Komödianten werden ebenso gegründet wie das Kleine Theater des Josefstadt.

1960/61 wird das Ateliertheater am Naschmarkt (1060 Wien) vom Schauspieler und Regisseur Veit Relin in den Räumen des ehemaligen Theaters Kaleidoskop gegründet. (Heute befindet sich das "Neue Ateliertheater" in Wien-Neubau - vorerst in der Lerchenfelderstraße, seit 2006 in der Burggasse.) In der Inneren Stadt wandert das Theater der Courage an den Franz-Josefs-Kai, das Theater am Börseplatz wird gegründet, ebenso das Theater im Zentrum, das noch heute im Verbund des Theaters der Jugend existiert.

1960er-Jahre in den Sechzigerjahren des 20. Jahrhunderts entstanden weltweit neue ästhetische Avantgardebewegungen, aber auch neue Tendenzen in strukturller und organisatorischer Hinsicht; während in Wien Wiener Gruppe und Hermann Nitsch zu den Avantgarde-Bewegungen der Stadt gezählt wurden, arbeiteten in den USA v. a. politisch motivierte Formationen wie das Open Theatre, Living Theatre, das Theater La Mama oder das Bread and Puppet Theatre, die auch in Europa zahlreiche Nachahmer und strukturelle Folgeerscheinungen nach sich zogen; nicht zuletzt wurden Begriffe wie "freies Theater" und "antibürgerliches Theater" geprägt, die - so Brauneck 1992 in seinem Theaterlexikon (S. 372) - vorerst v. a. von "dilettantischen Nachahmern der professionellen Theater" weitertraditiert und in ihren regionalen und lokalen Arbeiten neu begriffen wurden; mit der Zeit entwickelten sich neue, vorwiegend dem "Experiment" aufgeschlossene Gruppen, in deren künstlerischem Zentrum nicht zuletzt immer wieder die Schauspieler und KünstlerInnen selbst standen, der Prozess und die "(Selbst-)Erfahrung", so dass es ab den 60er-Jahren einen wahren "Künstlerboom" gab, der in einem "Sinnfindungsboom" (Aschböck 1989, S. 12) in den Siebzigerjahren mündete und nicht zuletzt zur Gründung zahlreicher neuer Organisations- und Strukturformen auch im Theaterbereich führte, der in weiterer Folge auch ein politischer Definitionswandel und Änderungen in der öffentlichen Förderpolitik folgen sollten.

um 1968 entstehen im Zuge der internationalen Studentenbewegungen auch in Wien eine Reihe von Studententheater-Gruppen, die zum einen strukturell, personell und nicht zuletzt topografisch innerhalb der Stadt Wien auf der Tradition der Wiener Kabarettbühne basierten, zum anderen Anleihen an die damaligen ästhetischen Neubwertungen des Theater, etwa als Ort von sozialkritischer und politischer (tagesaktueller) Prozessarbeit nahmen.
So wurde in Wien rund um Götz Fritsch, Hilde Berger und Dieter Haspel das Cafétheater im Café Einfalt in der Goldschmiedgasse, Wien I, gegründet, bei dem die Körperarbeit vor die Arbeit am Stück selbst gestellt wurde und ohne vorgegebene Texte "prozesshaft" gearbeitet wurde. Knapp 1,5 Jahr nach der Eröffnung (am 13. Jänner 1968) verließ die Gruppe das Café Einfalt und spielte an unterschiedlichen Orten in Wien, u. a. bei der Festwochenarena 70/1 und im Rahmen der Arena 70/2 in der Casanova-Bar. Durch Abspaltungen Ende der 60er-Jahre entstanden weitere Gruppen wie das Wiener Aktionstheater rund um Heinz Granzer und die Gruppe Torso von Reiner Fink. Spielstätten für alle diese Gruppen waren Cafés und andere Lokale sowie Studentenhäuser, aber auch der öffentliche Raum, Straßen und öffentliche wie private Orte in der Stadt.

1970 im Mai und Juni fand im Rahmen der Wiener Festwochen im Museum des 20. Jahrhunderts die Festwochenaren 70/1 statt (Organisation: Alfred Schmeller), bei der u. a. Studententheater, Café-Theater, politisches Straßentheater, das "Wiener Aktionstheater" und andere freie Gruppen gemeinsam auftragen. Im Oktober/November 1970 folgt die Arena 70/2 die in der Art eines "Open Houses" organisiert war und als "Kommunikationszentrum" für "freie" Theater- und Kulturschaffende dienen sollte. Neben Theater und Film gab es während der Arena 70 auch Konzerte, Lesungen, Ausstellungen und Diskussionen im Casanova in der Dorotheergasse (Wien I). Der spätere Professor am Institut für Theaterwissenschaft der Universität Wien und selbst freier Theaterschaffender Ulf Birbaumer schrieb über diese beiden Veranstaltungen 1971 in der Zeitschrift Maske und Kothurn: "Es ist für Wien das erste Mal, dass nicht etablierte Theater an einem Spielort zusammentreffen." (Maske und Kothurn 1971, S. 224)

1971 wird an der Ecke Seidengasse/Zieglergasse in Wien-Neubau das Dramatische Zentrum errichtet. Das "Theatelabor" für "Aktions- und Alternativtheater" besteht bis 1989 (danach wird hier das Literaturhaus mit Dokumentationsstelle für neuere österreichische Literatur und IG Autoren einziehen, Eröffnung 1991). Im selben Jahr wird Johannes Tomek für ihre Darstellung in Yvonne, Prinzessin von Burgund am Ateliertheater mit der Josef-Kainz-Medaille der Stadt Wien ausgezeichnet. Im Museum des 20. Jahrhunderts wird von einer freien Gruppe in Wien rund um Götz Fritsch Lorcas Bluthochzeit gezeigt.

1972 eröffnete Hilde Weinberger (die u. a. nach 1945 im Studio in der Kolingasse tätig gewesen war) mit einer Collage von Edgar Lee Masters das Theater im Werkraum im Souterrain einer Volkshochschule in Wien-Ottakring (1160 Wien).

1973 zogen in das ehemalige Theater am Kärtnertor, das der damalige Generalsekretär der Bundestheater, Robert Jungbluth, zur Verfügung stellte, 2 Gruppen ein: die Werkstatt rund um Hans Gratzer und das Cafétheater rund um Dieter Haspel (das sich 1973 in Ensemble Theater umbenannte).
Nachdem der Mietvertrag ausgelaufen war, trennten sich die Wege der beiden Gruppen: Hans Gratzer übernam das ehemalige Heimatkino in Wien IX und eröffnete das Schauspielhaus, die Gruppe des Ensemble Theaters teilte sich für kurze Zeit, man ging u. a. getrennte Wege, die auch in den internationalen Theaterraum führten, oder arbeitet in temporären Produktionsräumen wie etwa im Künstlerhaus, das damals noch keine eigene Bühne - das spätere Künstlerhauskino - hatte.

Im selben Jahr entstand auch das PupoDrom rund um Erwin Piplits (* 1939) und Ulrike Kaufmann (*1953), ursprünglich ein wanderndes Puppentheater. Die Gruppe zog später unter dem Gruppennamen Serapionstheater in feste Räume am Wallensteinplatz und ab 1988 als Odeon Serapionstheater in die ehemalige Produktbörse in Wien II.

1973 werden erstmals Gelder an nicht institutionelle Theaterschaffende und Gruppen mit festen Häusern durch das Wiener Kleinbühnenkonzept von der Stadt Wien subventioniert. Laut "Rathauskorrespondenz" (Bl. 352/20.09.1973) sah diese gemeinsam Förderung durch Stadt und Bund folgende Richtlinien vor: "Dieses Konzept ist eine zwischen dem Bund und der Stadt Wien koordinierte Förderungsmaßnahme, wo Bühnen, die von einer Jury > [vgl. dazu die Studie "Freies Theater", 2003, die das Jury-Modell als neue innovative Maßnahme im Bereich Theaterförderung vorschlägt!] ausgewählt werden, für jeden Monat, in dem der volle Spiel- und Probenbetrieb läuft, eine Grundsubvention erhalten."
Da in diesen Jahren v. a. Avantgarde-Autoren der Nachkriegszeit bzw. des sog. "Theater des Absurden" oder der politischen Theaters wenig bis gar nicht an den etblierten Häusern gespielt wurden, war damals noch weniger die Rede von neuen "Theaterformen", die künstlerischen Forderungen gingen eher in Richtung einer Etablierung von Autoren wie Brecht, Satre, Ionesco, aber auch Dürrenmatt und Beckett auf dem Wiener Spielplan.
Die 1973 zum ersten Mal mit dieser neuen Subvention geförderten Häuser waren Ateliertheater, Theater am Belvedere, Cafétheater, Theater der Courage, Experiment am Liechtenwerd, Theater am Börseplatz / Die Komödianten, Die Tribüne und - als einzige Bühne außerhalb der Bundeshauptstadt - das Linzer Kellertheater.
Die Fördersumme betrug ca. 13.000 Schilling im Monat, darüber hinaus gab es Prämien für besondere künstlerische Leistungen.
Das Fördersystem hielt sich - mit einer Reihe von Änderungen und Ergänzungen ab 1983 > bis 1990.
Über das Kleinbühnenkonzept schreibt Doris Hirschbüchler in ihrer Diplomarbeit 1990: "Natürlich ist dieses System nicht gefeit vor etwaigen Freunderlwirtschaften, und besonders Theaterleute mit tüchtigem Geschäftssinn können diese Juroren leicht für sich gewinnen. Künstlerischer Wert ist dabei nicht unbedingt ausschlaggebend." (Hirschbüchler 1991, S. 78)

1974 eröffnet das Theater im Künstlerhaus.

1975 wird in Wien-Neubau ein ziemlich heruntergekommes Biedermeier-Haus am Spittelberg, in dem u. a. zuletzt eine Klavierfabrik beheimatet gewesen war, besetzt und die Gründung eines unabhängigen Kunst- und Kulturzentrums gefordert. Aus der einmonatigen Aktion mit Theateraufführungen, Lesungen, Konzerten u. a. m. im Sommer 1975 entsteht das sog. Amerlinghaus, das als "Verein Kulturzentrum Spittelberg" noch heute besteht.

1976 wird der ehemalige Schlachthof von St. Marx in Wien-Simmering besetzt, aus der, nicht zuletzt in Anlehnung an die beiden Großveranstaltungen des Jahres 1970, die heutige Arena hervorging. U. a. während der Wiener Festwochen wurden auf dem Areal u. a. auch freie Theaterproduktionen, Konzerte und Lesungen gegeben und gemeinsam auf das Bedürfnis nach der Etablierung eines unabhängigen Kultur- und Kommunikationszentrums aufmerksam gemacht. Heute ist die Arena kaum noch als Theaterraum bekannt und wird vorwiegend für Konzerte, Partys - und im Sommer als Open-Air-Sommerkino - genutzt.

1977 Gründung der Theatercooperative zur Schaubude durch Werner Stolz, die, angelehnt an die Arbeiten der 70er-Jahre und J. Grotowskis, vor allem im Bereich politisches Theater arbeitete. Die Gruppe verfügte nie über eine feste Spielstätte. weiter >

Im Theater im Konzerthaus, der ehemaligen Studiobühne des Theaters in der Josefstadt, zieht das Ensemble Theater rund um Dieter Haspel ein; es bleibt an diesem Standort bis zur Schließung des Theaters 1981.

1979 Aus der sog. "Arena-Bewegung" ensteht der Verein WUK - Werkstätten- und Kulturhaus -, der 1981 seinen festen Standort in den Räumen eines industriellen Gebäudekomplex aus dem 19. Jahrhundert in Wien IX etablieren wird, heute ist das WUK als alternatives Arbeits- und Kulturzentrum zu einem festen Ort innerhalb des Stadtbildes von Wien geworden, dient jedoch, ähnlich der Arena, vorrangig als Veranstaltungsort für Konzerte (Theaterproduktionen nehmen knapp 1/4 der Produktionen des Hauptveranstaltungsraumes ein, kleinere Räume, etwa Im_flieger, auf dem Gelände dienen ebenfalls für Theater-, Tanz- und Performanceproduktionen)

Im selben Jahr 1979 wird auch das GemeindeHOFtheater bzw. Fo-Theater, u. a. von den Schauspielern Otto Tausig und Didi Macher sowie den Wiener Theaterwissenschafter Ulf Birbaumer, gegründet, das - nicht zuletzt in der Tradition der alten (u. a. auch kommunistisch geprägten) Arbeitertheater und des seit 1951 bestehenden Volkstheaters in den Außenbezirken des SPÖ-nahen Volkstheaters -, so die Gründer, im Sinne ihres Vorbildes Dario Fos ein "Theater außerhalb des Theaters" sein wollte. Man spielte an unterschiedlichen Stellen in Wien und war bemüht, auch Publikumsschichten zu erreichen, die sonst im üblichen Theaterbetrieb der Stadt keinen Platz bzw. keinen Zugang zu zeitgenössischer Theaterarbeit fanden. So stand auch auf künstlerischer Ebene vor allem das kritische (politische) Volkstheater im Zentrum der Arbeit des "Fo-Theaters", das ab 1980 vor allem während der Wiener Festwochen im Mai und Juni Open-Vorstellungen in Höfen der Wiener Gemeindebauten zeigte. Vgl. dazu u. a. Ulf Birbaumers Text über die Arbeit des Fo-Theaters in Maske und Kothurn, Jg. 1987.
"Beim Wiener Fo-Theater in den Außenbezirken werden gleich zwei Modelle ineinander vereint, nämlich das Modell der Basiskultur und jenes des dezentralen Kulturarbeit." (Doris Hirschbüchler 1991, S. 9)

1980 Gründung des Ensembles Gruppe 80 durch Helga Illich, Helmut Wiesner, Dieter Hofinger, Waltraud Kutschera, Rosemarie Müller-Melchers und Ottwald John; die SchauspielerInnen hatten sich kurz davor von den Komödianten um Conny Hannes Meyer und das Künstlerhaustheater getrennt. Kurze Zeit später stießen auch Werner Schönolt und Manfred Schedl zum Ensemble.
Von dieser Gruppe wiederum splittete sich in Folge ein Teil des ersten Ensembles von Angelus Novus (Waltraud Kutschera) und des U-Theaters (Alfred Schedl) ab;
Karl Welunschek, ein ehemaliger Assistent am Schauspielhaus unter Hans Gratzer, gründete in diesem Jahr das Wiener Ensemble.
Ebenfalls in diesem Jahr wurde die Theatergruppe Till gegründete, die sich später in Jura-Soyfer-Theater umbenannte. Die Gruppe hatte zwar keine feste Spielstätte, erhielt jedoch Subventionen in der Höhe einer Mittelbühne.

Laut einer statistischen Untersuchung zur Situation der sog. "freien Theaterszene" der Stadt Wien aus dem Jahr 1987 wurden 89 % der sog. "freien Gruppen" in den Jahren nach 1980 gegründet, was nicht zuletzt in den vorangegangenen vehementen kulturpolitischen Forderungen ab den 70er-Jahren, in Wien etwa im Zuge der Arena/70-Bewegung, begründet lag, nicht jedoch eine völlig Neudefinition bzw. einen "Geburtsmythos" des "freien Theaters" in Wien legitimierte, der seither, auch aufseiten der freien Theaterschaffenden selbst, in der Wiener Theatergeschichte des 20. Jahrhunderts seinen festen Platz einnimmt.

1981 gab es die ersten sog. "Arbeitskreise" der nicht institutionell organisierten Theaterschaffenden in der Stadt Wien. Der erste Arbeitskreis nannte sich Freie Theatergruppen - freie Produktionen und umfasste 15 Wiener Theatergruppen, darunter die Gruppe 80 (Illich/Wiesner), Showinisten (Kramar), Theaterbrett (Brettschneider/Karvin), Paravent, Domino sowie ab 1982 Angelus Novus (Szeiler).

Das Ensemble Theater verlor seinen festen Standort im Theater im Konzerthaus. Die Gruppe 80 präsentiert sich in der Kulisse mit der Produktion Talisman von Johann Nestroy (Regie: Helmut Wiesner; Bühne: Werner Schönolt) und wird in kürzester Zeit zu einer der wichtigsten frühen "freien Gruppen" der Stadt.

In diesem Jahr und im Zuge der Neukonstituierung der Wiener Theaterszene kam es zum ersten Mal zur Bezeichnung "freie Gruppen". Wesentlich war dabei die Tatsache, dass Gruppen ohne festes Haus zu diesem Zeitpunkt noch keine bzw. nur sehr schwer Förderungen erhielten, da es bis dahin nur das sog. "Kleinbühnenkonzept" bzw. die Kleinbühnenförderung gab, die das Vorhandensein eines die Theaterarbeit begleitenden eigenen Hauses vorsah.

Am 14. Dezember dieses Jahres fand eine Pressekonferenz statt, bei der der Arbeitskreis in der Öffentlichkeit auf die prekären finanziellen und ökonomischen Arbeitsbedingungen hinwies und neben einer grundsätzlichen Änderung der Subventionspolitik eine gemeinsame Arbeitsstätte mit mehreren Proben- und Spielräumen sowie ein gemeinsames Management, v. a. im Bereich Orgaisation und Werbung, forderte.

Gründung des Tanztheaters homunculus durch Manfred Aichinger. weiter >
Gründung des Theaters Drachengasse Zwei Theater durch die feministische Theatermacherin Emmy Werner und eine Gruppe weiterer Frauen, darunter Johanna Tomek, die 2 Jahre später selbst die Theater m.b.H gründet, jedoch erst 1986 aus dem Theater Drachengasse ausscheidet. Das Theater arbeitete in den ersten Jahren streng nach der Devise "Theater von Frauen und für Frauen" - ähnlich dem knapp 20 Jahre danach gegründeten Kosmos Theater >.
Im selben Jahr gründete auch die sardinische Schauspielerin Assunta Spissu eine eigene Theatergruppe in Wien.
Gründung der freien Gruppe Showinisten rund um Hubert Kramar.

Ebenfalls im Jahr 1981 wurde das Volkstheater-Studio (bis 1987) als kleine Bühne des Hauses gegründet, in dem vor allem Zeitstücke und Gegenwartsdramatik gezeigt werden sollen.

1981-1984 pausiert die Schaubude, danach beginnt sie mit Arbeiten im soziopolitische und -kulturellen Umfeld, etwa mit Aidskranken oder zu antiken Themen, z. B. Prometheus.

1982 Gründung von Angelus Novus > rund um Josef Szeiler.
Im selben Jahr gründete Justus Neumann, ein ehemaliger Assistent bei Hans Gratzer am Schauspielhaus, die "freie Gruppe" Narrenkastl, die sich selbst auch als "fahrendes Theater" bezeichnete. Über seinen Zugang zu Theaterräumen meinte er 1985 in einem Interview >
Rund um Peter Whochegger und Erwin Kisser wird die Gruppe Wiener Theatery gegründet, die in den folgenden Jahren u. a. im Salle de Bal 1985, im Künstlerhaustheater, in der Theater m.b.H. und in der Wiener Diskothek U4 (1987) spielen.
Das Ensemble Theater zog in diesem Jahr in den ehemaligen Club "Fatty's Saloon" am Petersplatz und gründete den Treffpunkt Petersplatz (aus dem Kleinen Theater/ Ensembletheater) - ganz in die Nähe des Kaffeehauses, in dem im Jahre 1968 mit der Gründung des Cafétheaters die Geschichte dieses Ensembles seinen Anfang genommen hatte. Das Ensemble Theater befindet sich noch 2007 an diesem Standort und zählt damit zu den "traditionellsten" Wiener "Mittelbühnen" mit Mehrjahresförderung der Stadt Wien.

Im selben Jahr wurde das Moulin Rouge (1010 Wien) zum ersten Mal von "freien Gruppen" bespielt; Michael Schottenberg und sein TiK (Theater im Kopf) brachten dort Samuel Becketts Warten auf Godot heraus. In den folgenden Jahren zeigten hier u. a. die 1985 gegründete Gruppe Theater zum Äußersten Extremities (1986), die 1987 gegründete Gruppen Theater zum Fürchten (Theater Scala) Die Rächer und 1990 das Ensemble 90 Jean Paul Sartres Geschlossene Gesellschaft.

1983 wurden noch immer keine Gelder an nicht institutionell tätige Theaterschaffende ohne festes Haus vergeben, es gab immer noch nur den sog. "Kleinbühnentopf" des Jahres 1973; in diesem Jahr wurden damit bereits 16 Bühnen bundesweit, davon 12 Klein- und Mittelbühnen allein in Wien, gefördert. Die jährliche Gesamtsubventionshöhe war dabei von 1 Mio. (1973 für 8 Theater) auf 4 Mio. Schilling (für 16 Häuser) gestiegen, das Etat für Prämien war von 400.000 Schilling (1973) auf 750.000 Schilling gestiegen.
Einzelproduktionsförderungen waren nur in Ausnahmefällen möglich.

In diesem Jahr wurde der Kleinbühnentopf insofern erweitert, als von da an auch freie Gruppen darin einreichen konnten.
Die Jury bestand damals aus Kritikern, Vertretern des ORF, Theaterwissenschaftern, Dramaturgen von Wiener Großbühnen, Vertretern der Stadt und des Bundes sowie der Wiener Festwochen. Bewertet wurde nach einem Punktesystem.
Ab 1983 gab es darüber hinaus auf Initiative des in diesem Jahr gegründeten "Arbeitskreises zur Verbesserung des bestehenden Kleinbühnenkonzepts" einen jährlich zu vergebenden Preis für die beste Aufführung im Bereich "Kleinbühnen", der auch Produktionen "freier Gruppen" mit einbezog.
Und schließlich wurden Klein- und Mittelbühnen ab diesem Jahr dazu verpflichtet, ihre Häuser 60 Tage im Jahr "freien Gruppen" zur Verfügung zu stellen.
Das System hielt sich, trotz damals schon laut werdender Kritik, v. a. aufseiten der Kulturschaffenden selbst, bis 1990.

Im Oktober dieses Jahres zog das bis dahin ohne Haus tätige Ensemble Gruppe 80 in ein ehemaliges Kino in Wien IX, das von nun an als fester Theaterstandort unter diesem Namen existierte. Damit hatte auch dieses 1980 gegründete Ensemble, wie bereits Dieter Haspels Ensemble Theater am Petersplatz, eine feste Spielstätte bekommen.
Die Gruppen Beinhardt Ensemble (Meret Barz) und Theater m.b.H. rund um die Schauspielerin Johanna Tomek (* 1940), den Regisseur Götz Fritsch und die beiden Bühnenbildner Werner Schönolt (* 1951) und Lena Illgisonis (gest. 1994) wurden gegründet. Über ihre Motive meinte Tomek 1990 anlässlich einer Enquete: weiter >

1984 betrug die Subvention aus dem Kleinbühnenfonds 8 Mio. Schilling (eine Verdoppelung gegenüber den Jahr davor), die Höhe der jährlichen Prämien-Gelder war von 750.000 Schilling auf mehr als das Doppelte - 1,8 Mio. S. - gestiegen. Zusätzlich gab es erste Projektfördermittel für "freie Gruppen" in der Höhe von 3,5 Mio. Schilling.
Im selben Jahr wurde die Gruppe NetzZeit von Michael Scheidl gegründet und die Courage in der Drachengasse (das heutige Theater Drachengasse) wird eröffnet.
1984 wir die bis 1996 existierende Schauspielschule des Volkstheaters gegründet.

1985 wird die "IG Freies Theater" gegründet. Die Arbeitsgemeinschaft hat vorerst 31 Mitglieder und arbeitet in den Räumen des Instituts für Theaterwissenschaft in der Gölsdorfgasse in Wien I.

Auslöser für die Konstitution war das Ende der Komödianten rund um Regisseur Conny Hannes Meyer, die keine Subvention mehr vonseiten der Wiener Kulturpolitik erhielten.
Die ersten Aufgaben der neu gegründeten Interessengemeinsacht der nicht institutionell tätigen Theaterschaffenden der Stadt Wien war die Erarbeitung eines "Förderpapiers", das man den kulturpolitischen Verantwortlichen noch im November 1985 vorlegte.

Auszüge aus dem Forderungspapier der "IG Freies Theater" 1985 >

Nach dem Auszug der Komödianten aus dem Künstlerhaustheater besetzte die IG Freies Theater das Haus sechs Tage lang und veranstaltete eine Reihe von öffentlichen Konferenzen und Gesprächen.

U. a. forderte man in einer gemeinsamen Willenserklärung die alleinig Zurverfügungstellung des Künstlerhaustheaters für "freie Gruppen": weiter >

Doch der damalige Kulturstadtrat Franz Mrkvicka sprach sich gegen das vorgelegte Konzept für eine gemeinsame Bespielung des Künstlerhauses durch die neue "freie Szene" der Stadt aus, mit dem Verweis auf das Scheitern des selbstverwalteten "Rockhauses" kurz zuvor.

Gründung der Gruppen gangart rund um Simonette Ferfoglia und Heinrich Pichler und Kiskililla Theater von Gernot Lechner.

Die Stadt Wien förderte in diesem Jahr 5 sog. "freie Gruppen".

1986 gibt es Ideen, den neu konstituierten "freien Gruppen dss Renaissancetheater in Wien VII zu überlassen, das sie sich im Verbund der Stadt-Wien-Organisation des Theaters der Jugend teilen sollten (das Theater der Jugend selbst sollte in das Raimundtheater, Wien VI, übersiedeln). Die Pläne scheiterten jedoch an der ablehnenden Haltung der "freien Szene" gegenüber der Idee eines Institutionalisierung wie auch am Gegenkonzept der "Freien Bühnen Wien", das einen Verbund von Raimundtheater, Theater an der Wien und Ronacher vorsah, der sich v. a. auf die Produktion von Großmusicals konzentrierte - und letztlich auch unter der ersten Direktion Peter Weck realisiert wurde.

Die Gruppe Angelus Novus erzielt mit ihrem Projekt Homer lesen im von der Stadt Wien verwalteten Künstlerhaus zum ersten Mal größere Aufmerksamkeit.

Im selben Jahr wird das Panta Rei Theater rund um die Tänzerin Inge Kaindlsdorfer (seit 1994 Lux Flux) und Beate Mathias gegründet (das Ensemble besteht bis 1994).

1987 wurde der Unmut über die Situation der nicht institutionell produzierenden Theaterschaffenden in Wien aufgrund der angespannten existenziellen Lage, aber auch in Hinblick auf die ungeklärte bzw. für alle Seiten unzufriedenstellende Diskussion um das Künstlerhaustheater derart stark, dass sich noch einmal eine größere Gruppe an Theaterschaffenden zusammenfindet und die Konfliktkommission Theater gründet.
Ausschlaggebend war die Gründung des Verbundes der "Freien Bühnen Wien", zu denen Ronacher (Wien I), Theater an der Wien (IV) und Raimundtheater (VI) zählten und die durchgehend mit Produktiionen aus dem Musicalbereich bespielt wurden.
Die Intendanz hatte der Schauspieler und Regisseur Peter Weck übernommen, sodass man in Wien auch vom "Weck-Imperium" sprach und eine Gegenforderung vonseiten der unabhängig produzierenden Theaterschaffenden unumgänglich geworden schien.
Zu den Mitgliedern der "Konfliktkommission Theater" zählten u. a. Reinhard Auer vom Jura-Soyfer-Theater, Johanna Tomek von der Theater m.b.H., Didi Macher vom GemeindeHOFtheater und Ulf Birbaumer (Universität Wien und GemeindeHOFtheater), die Autoren Peter Turrini, Heinz R. Unger, Gustav Ernst, Arthur West und Gerhard Ruiss (IG Autoren) sowie Johannes A. Vyoral (IG Autoren), der Journalist Erwin Kisser und der Regisseur und Schauspieler Erhard Pauer.

Das erste Symposion der Konfliktkommission wurde gemeinsam mit der IG Autoren im damaligen Haus des Buches in der Skodagasse (der späteren Zentrale der Städtischen Büchereien, heute Wiener Singschulen) organisiert und hatte das Motto "Konflikttheater - Theaterkonflikte".
Ganz im Tenor der damaligen Diskurse um ein "neues Volkstheater" diskutierte man vor allem Themen wie Commedia dell'arte, radikal-politische Theaterarbeit oder Theater und Basiskultur.
Die Tagung war klein angelegt und wurde vor allem von VertreterInnen der "Szene" selbst besucht. Wenige Wochen später, Anfang 1988, setzte man öffentlichere Impulse für die Neubewertung der unabhängig produzierenden Theaterschaffenden der Stadt.

Im Herbst 1987 findet das Festival heftiger herbst statt, der von der Stadt Wien und Festwochenintendantin Ursula Pasterk ausgerufen worden war, um hier an wenigen Wochen und an sieben Spielorten in der Stadt die "alternative Szene" zu präsentieren. Gespielt wurde im Künstlerhaustheater, im ehemaligen Rabenhof-Kino (das erst 1990 in den Verbund des Theaters in der Josefstadt als dritter Spielort kommt), in der Arena, im WUK, in der Szene Wien, im Dramatischen Zentrum, im Salle de Bal des französischen Kulturinstitutes sowie im Museum Moderner Kunst und in der Ottakringer Brauerei.
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Die Gruppe Wiener Ensemble (Karl Welunschek, Beatrice Frey, Andrea Braunsteiner, Michael Zerz u. a.) wurde gegründet. Noch in diesem Jahr brachte das Ensemble ohne festes Haus im Serapionstheater am Wallensteinplatz Helmut Qualtingers Ihr werd's euch noch an Wien erinnern heraus und im Theater "Der Kreis" (Schauspielhaus Wien) Nestroys Der Talisman. Für die Produktion im Serapionstheater erhielt die Gruppe im Jahr darauf die sog. "Erfolgsprämie" der Stadt Wien.

Hatte es 1980 noch 5 "freie Gruppen" gegeben, so waren es 1987 bereits 65, die unter dieser Bezeichnung bei der Stadt Wien um Subventionen einreichten. Noch gab es außer de amtierenden Kulturstadträtin, Ursula Pasterk, und der für den Theaterbereich zuständigen Mitarbeiterin des Kulturamtes der Stadt Wien, Erika Kaufmann, keine über Vergabe und Höhe der Subventionen entscheidende Instanz. Doch die Menge an Einreichungen und die immer stärker werdende Präsenz sog. "freier Gruppen" erforderte auch eine gesetzlich Neubestimmung im Bereich Fördervergaben und deren Verwaltung, diese sollte 1988 unternommen werden.

Ende der 1980er-Jahre Die Schaubude bringt ihre Produktion Prometheus oder Die Olympi sinken im damaligen Konzerthauskeller (dem heutigen dietheater Konzerthaus) heraus (die Gruppe erhielt 1990 erstmals eine Jahressubvention). Andreas Ceska (theatro buffo / theater stromboli) beginnt sein Programm Dreckige G'schichten in der öffentlichen Bedürfnisanstalt der Schottentorpassage. Die Gruppe W.U.T. (Wiener Unterhaltungstheater bringt Gao Xinggions Komödie Die Busstation in der damals noch nicht eröffneten U3-Station "Bellaria" (Volkstheater). Der Wienr Regisseur Robert Quitta (Österreichisches Theater) zeigt in einem Bräunungsstudio Rimbaud im Bräunungsstudio und auf dem Gelände des Wiener Eislaufvereins die "Ingeborg-Bachmann-Eisrevue" Malina auf dem Eislaufplatz. Das 1988 gegründete Theaterbureau (künstlerischer Leiter: Stephan Bruckmeier) realisiert in den Simmeringer Gasometern Woyzeck von Georg Büchner. Im Hörsaal der Technischen Universität spielt Alexander Strobele (Regie: Michael Gampe) Kampf der Fliegen von Marcelle Rautier und Gérard Desalles.
Neben leer stehenden Gebäuden wie den damals noch nicht sanierten Gasometern in Wien III oder dem "Wasserturm" in Wien X, Museen oder dem Moulin Rouge werden Ende der 1990er-Jahre - nicht zuletzt in der Wiener Tradition der Bespielung von Wirtshäusern - auch Discos für freie Theaterproduktionen genutzt. Bereits 1987 spielt etwa die Gruppe "Wiener Theatery" im "U4" Büchners Woyzeck, und das Theaterbureau (Regie: Stephan Bruckmeier) im "P1" Joe Ortons Seid nett zu Mister Sloane.

1988 Im April folgte das zweite Symposion der Konfliktkommission Theater gemeinsam mit der IG Autoren unter dem Titel Gegenkonzepte im Künstlerhaustheater selbst, das zu einem der zentralen Diskussionspunkt der damaligen Debatten geworden war, nachdem die Verwaltung durch die Stadt Wien zu schwerwiegenden Problemen und Schwierigkeiten in Planung wie Nutzung geführt hatte.
Unter dem Titel "Gegenkonzepte" stellte man neue Ideen für die Bespielung des Raumes vor, die man auch der damaligen Kulturstadträtin Ursula Pasterk vorlegte.
Vorgestellt wurden dabei auch neue Fördermodelle, die eine stärkere Einbindung von VertreterInnen der "freien Szene" bereits vorsahen.

Im Herbst 1988 wurde zum ersten Mal der neue "Beirat" gebildet, der von nun an über die Förderung im Bereich "freie Gruppen" - in diesem Jahr lagen allein 120 Produktionen zur Bewertung seitens des Kulturamtes vor - verwalten und koordinieren sollte. Der Beirat war, ähnlich der Jury im Bereich feste Häuser - aus Dramaturgen, Beamten und Journalisten besetzt, traf sich viermal im Jahr und besprach gemeinsam alle eingereichten Projekte. "Um eine Lobbybildung zu vermeiden, sollte der Beirat alle zwei Jahre neu bestellt werden." (Hirschbüchler 1991, S. 80)

Im selben Jahr organisierte sich der sog. Theaterverbund "Politisches Theater", der ein Konzept für die Bespielung der Künstlerhaustheaters vorlegte.
Ebenfalls vorgelegt wurde ein Beiratsmodell, das eine paritätische Bestzung mit Mitgliedern der Stadtverwaltung (Beamte) und "Betroffener" (nicht institutionell produzierender Theaterschaffender) vorsah.

Neben der Förderung einzelner Projekte - von 120 Einreichungen wurden 83 (and. Ang.: 75) in diesem Jahr gefördert - gab es auch für Gruppen, die eine nachhaltige Arbeit belegen konnten, von nun auch die Möglichkeit zur Jahresförderung. Und es gab ab diesem Jahr sog. "Basisförderungen" für Gruppen, die zum ersten Mal arbeiteten.

Als neue, feste Spielstätte wurde den "freien Gruppen" ab dem Jahr 1989 der Verbund Künstlerhaustheater und Konzerthaustheater (in den kommenden Jahren kurz "dietheater" genannt) zur Verfügung gestellt, Immobilien, die sich in Besitz der der Stadt Wien befanden und auch von dieser durch den neu gegründeten Theaterverein Wien, Leitung 1989-2007: Christian Pronay, organisatorisch verwaltet wurden.

Im selben Jahr zieht das in Anlehnung an E. T. A. Hoffmans Erzählung Serapionsbrüder aus dem ehemaligen PupoDrom (gegr. 1973) entstandene Serapionstheater von Erwin Piplits und Ulrike Kaufmann in die ehemalige Produktbörse der Stadt, das "Odeon" in der Praterstraße, Wien II.
Im Jahr 1988 beginnt auch das Künstlerkollektiv gangart rund um die Bühnenbildnerin Simonetta Ferfoglia und den Maler und Musiker Heinrich Pichler mit Performances zwischen Theater, Film und bildender Kunst,wobei v. a. Arbeiten in nicht theatralen Räumen im Vordergrund stehen, so etwa IM NU im Teppichsaal des Museums für angewandte Kunst, Fiat! im Autohaus Fiat am Kärntner Ring oder später (1996) zu Hause.
Das Wiener Ensemble (Regie: Karl Welunschek) bringt im Technischen Museum Larry Kramers The Normal Heart und in den Simmeringer Gasometern Pasolinis Porcile heraus. Neben dem Wiener Ensemble spielt im Technischen Museum später auch die Gruppe "Gegensätze" (Yvonnes, die Burgunderprinzession von Witold Gomborwicz). Andere Museen, etwa das Tabakmuseum oder das Museum des 20. Jahrhunderts ("Zwanz'ger Haus") werden als neue Spielstätten in wien entdeckt.

Zahlen 1988 >

1989 präsentierte die neu konstituierte "freie Szene" bei einem "Hearing" in den Räumen des Haus des Buches ihr Konzept für ein neues Fördersystem. Doch die Veranstaltung ekladierte, als einzelne VertreterInnen untereinander in Konflikt gerieten und der anwesenden Kulturstadträtin sowie der damals verantwortlichen Mitarbeiterin in der Kulturabteilung, Erika Kaufmann, Einzelinteressen vorgetragen wurden.

Aus den erhoffenten kulturpolitischen Entscheidungen wurde vorerst nichts, dennoch konnte sich auf Basis der Gespräche und Veranstaltungen der Jahre zuvor die "IG Freie Theaterarbeit" als nachhaltiges bundesweites Vertretungsorgan der "freien Szene" etablieren.

Am 1. Jänner 1989 wird der Verein Kulturkontakt - Kontaktstelle für Kulturförderung ins Leben gerufen. "Seine Aufgabe besteht in der Vermittlung und anschließenden Zusammenarbeit zwischen Künstlern und Unternehmen." (Hirschbüchler 1991, S. 102) Präsidentin des Vereins war die damalige Bundesministerin Hilde Hawlicek, die, so das Faltprospekt des Vereins aus dem Jahr 1990 - "ein Garant" dafür, "dass ihre Tätigkeit als Kunstsponsor eine breite Öffentlichkeit errwichen wird". Ziel des Vereins war die Unterstützung heimischer Kunst- und Kulturschaffender im Bereich Sponsoring, Marketing und Öffentlichkeitsarbeit.
(2007 heißt es über das Profil der Bundesorganisation im Bereich Kulturförderung + Sponsoring: "KulturKontakt Austria fördert mit ausgewählten Programmschienen in allen Kunstsparten zeitgenössische Projekte des kulturellen Dialogs zwischen Ost- und Südosteuropa und Österreich. [...] Die Aktivitäten reichen von Individualförderungen, Startförderungen für innovative Initiativen bis hin zu Kooperationen mit Veranstaltern." Die Unterstützung "freie Gruppen" bei der Suche nach Sponsoren und Entwicklung eigener Marketingkonzepte findet sich einzig noch in den jährlich Angebotenen Marketing- und Sponsoringseminaren der Institution.)

Im selben Jahr werden die beiden neuen Bühnen für "freie Gruppen" der Stadt Wien eröffnet: das dietheater Künstlerhaus (ehemaliges Künstlerhaustheater) und das dietheater Konzerthaus (ehemaliges Theater im Konzerthauskeller). 1989 erhält das Ensemble Theater m.b.H. in der Zieglergasse, Wien VII, eine feste Spielstätte. Das Theater trägt, ähnlich wie im Falle der Gruppe 80, denselben Namen wie die 1983 gegründete freie Gruppe. (Das Theater besteht bis 2005.)
Im Salle de Bal >, einem um 1990 von "freien Gruppen" mehrfach genutzten Raum im Französischen Kulturinstitut, Wien IX, zeigt die 1984 gegründete Gruppe NetzZeit Delirium von Ionesco.

1988/89/90 gab es folgende Subventionen durch die Stadt Wien:

Starthilfesubvention 1990>
Produktionsförderung 1989>
Jahresförderung 1989 u. 1990>
zur Prämienvergabe 1988, 1989 u. 1990 >

Zahlen 1989 >

1990 hatte die bundesweite Interessengemeinschaft freier Theaterschaffender (IG Freie Theaterarbeit), damals noch mit ihren Büroräumen am Institut für Theaterwissenschaft in der Gölsdorfgasse in Wien I, im Sommer 150*, im Herbst bereits 196** Mitglieder. Die Zahl "freier Gruppen" in Wien war trotz der prekären Situation dieser Jahre wesentlich angestiegen: 120 Subventionsansuchen lagen im Arbeitsjahr 1989/90 bei der Gemeinde Wien zur Begutachtung vor.

Im Jänner 1990 wurde Vienna Acts gegründet (Austrian Contemporary Theatre Section Vienna), zu deren Gründungsmitgliedern u. a. Heide Gramser und Christian Pronay (Stadt Wien) zählten. Die Agentur verstand sich als Modell zur Verwaltung freier Gruppen nach den Modellen in Belgien (Vlaams Theater, Brüssel) und den Niederlanden (Netherland Theatre Institute). Das Service der Agentur sollte sich auf Imagepflege, Anerkennung in der Öffentlichkeit, Veranstaltungsorganisation, Sponsoring und internationale Kontakte beziehen. Der jährliche Mitgliedsbeitrag für diese Serviceleistungen betrug zwischen 2.000 und 6.000 Schilling pro Gruppe. 1998 findet sich ein Verweis auf den Verein unter den Sitzungsprotokollen des Stadtsenats (Genehmigung einer Förderung in Höhe von 500.000 Schilling für ein Gastspiel der Amici Dance Theatre Company); 2004 taucht der Name "Vienna Acts" unter den Subventionsempfehlungen des damaligen Beirats mit der Produktion Antigone in New York.

Im Frühling fand in der Kulisse die erste Pressekonferenz der nunmehr unter dem Namen "IG freie Theaterarbeit" agierenden Interessengemeinschaft statt.
Die als Verein strukturierte bundesweite Interessenvertretung hatte sich bereits bei seiner Gründung als eines seiner Ziele eine "Verbesserung der sozialen Rahmenbedingungen" und eine verstärkte soziale Absicherung gesetzt und gründete im Herbst 1990 das sog. IG Netz. Im selben Jahr erschien eine von IG freie Theaterarbeit initiierte Studie zur Lage der Theaterschaffenden.

Im September 1990 fand in St. Pölten in der Bühne im Hof eine Diskussion mit dem Titel Kultur ohne Netz statt, die die damalige Situation freier Kunstschaffender in Österreich thematisierte.

Ebenfalls in diesem Jahr findet eine von der IG freie Theater organisierte Theaterenquete statt, bei der es u. a. zu heftigen Diskussionen mit dem damaligen Burgtheater-Direktor Claus Peymann kommt, der das Burgtheater bei dieser Veranstaltung selbst als "Wiens größtes freie Gruppe" bezeichnete und den freien Theaterschaffenden unterstellte, selbst alle das Ziel zu haben, "ins Burgtheater zu kommen". (Hirschbüchler 1991, S. 45)

Anfang der 90er-Jahre beginnen auch die großen Häuser, das wachsende künstlerische Interesse in der "freien Szene" und nicht zuletzt des Publikums an "nicht theatralen" Räumen in der Stadt aufgreifend, Forderungen zu stellen, neue - in ihrem Falle feste - Räume zur Verfügung zu stellen und zu adaptieren, die für "Avantgarde" und "Experimente" genutzt werden sollen.
Das Burgtheater z. B. eröffnet noch 1990/91 als neue Spielstätte die Probebühne im Arsenal (sie wird in den kommenden Jahren nur mäßig genutzt), das Volkstheater erhält neben kleinen Räumen innerhalb des Theaters selbst u. a. für einige Zeit in der U3-Station "Volkstheater" einen Sonderraum, und das Theater in der Josefstadt spielt von 1990 bis 1993 im ehemaligen Rabenhofkino in Wien III, wo u. a. das Wiener Ensemble bis zu seiner Auflösung 1993 einige Produktionen zeigen wird (von 2000 bis 2003 leitet das Theater schließlich das Gründungsmitglied des Wiener Ensembles, Karl Welunschek, 2003 muss er das Rabenhof Theater aufgrund finanzieller Unstimmigkeiten aufgeben).

Im WUK zeigt dieses Jahr das "Trotz Allem Theater" Federico Garcia Lorcas Yerma.

Seit dem Jahr 1990 gibt die Stadt Wien auch einen "Leitfaden für Fördernehmer" heraus, der Angaben zu Einreichung und Abrechnung einzelner Projekte beinhaltet.

Seit 1990 war der Beirat der Stadt Wien mit Entscheidungen über Projektförderungen und Jahresförderungen betraut. Wer ab diesem Zeitpunkt mit der Vergabe von Prämien befasst war, konnte von uns noch nicht dokumentarisch recherchiert werden.

Zur den Veränderungen im Förderbereich in den Jahren 1989/90 hält Doris Hischbüchler in ihrer Diplomarbeit aus dem Jahr 1991 fest: weiter >

Zahlen 1990 >

1990er-Jahre eine Reihe von Formationen bewegen sich weg vom Text/Wort und verstärken ihre Arbeiten in Tanz und Performance, etwa das Serapionstheater rund um Erwin Piplitz und Ulrike Kaufmann.
Im Museum des 20. Jahrhunderts wird im Herbst dieses Jahres die Produktion Eine Frau am Punkt Null der Gruppe "Kult" herausgebracht.

Der Wunsch, eine gemeinsame "Theaterfabrik" zu gründen - angedacht waren bereits Ende der 80er-Jahre die Räume des Dramatischen Zentrums, das jedoch 1989/90 schließen muss, da sich die "freie Szene" selbst über dessen Weitergang und Struktur im Unklaren war, und durch die Autoren-Vertretung, die IG freie Autoren, gemeinsam mit der Dokumentationsstelle für neuere österreichische Literatur als "Literaturhaus" 1991 wiedereröffnet wird.

1993 verzeichnete das Kulturamt der Stadt Wien 700 Einreichungen aus dem Bereich "freie Gruppen".

2002 Beginn der Wiener Theaterreform durch die Wiener Stadtregierung. Der Reform im Bereich freies Theater ging eine von der Stadt Wien in Auftrag gegebene 45-seitige Studie (Autor*innen: Günther Lackenbucher, Theater der Jugend, Anna Thier, dietheater, Uwe Mattheiß) voran. Die drei AutorInnen des Berichtes wurden kurz nach deren Präsentation zu den ersten Kurator*nnen der Stadt Wien ernannt. Ein dreiköpfiges Kurator*innen-Team evaluiert seither alle unabhängigen Produktionen innerhalb Wiens. Die Reform, die unter anderem eine Neustrukturierung und -besetzung der stadtwieneigenen Immobilien zum Ziel hat, wurde in den folgenden Jahren vielfach diskutiert. Folgen waren u. a. die Übernahme folgender Theater in die öffentiche Verwaltung (vertreten durch den Wiener Theaterverein): Theaterhaus für junges Publikum GmbH (Dschungel Wien(, Koproduktionshaus Wien GmbH (brut), Kulturzentrum Kabelwerk GmbH (Werk X), Theater an der Gumpendorfer Straße GmbH (das TAG), Theater Petersplatz GmbH (seit 2018 Werk X Petersplatz, davor: Eldorado)

2005 wurde in den Räumen der ehemaligen Gruppe 80 das Theater an der Gumpendorfer Straße - TAG - durch die Theaterformation High Tea eröffnet.
Günther Lackenbucher wechselte im selben Jahr vom Kurator zum Berater des amtierenden Kulturstadtrates.

2006 wechselte Günther Lackenbucher in den Bund. Seine ehemalige Kollegin am Theater der Jugend, Marianne Vejtisek, folgte ihm als eine der Anfang 2006 offiziell bestellten drei neuen Wien Theater-KuratorInnen nach, Lackenbuchers ehemalige Kuratoriumskollegin Anna Thier wurde von ihm in den Bundestheaterbeirat gerufen.
Die beiden weiteren neuen Kurator*nnen ab 2006 heißen Angela Glechner und André Turnheim. Glechner verließ die Funktion frühzeitig, um die künstlerische Leitung des Szene Salzburg zu übernehmen. Es folgten seither u. a. Andrea Amort, Silke Bake, Kolja Burgschuld, Genia Enzelberger, Bettina Hagen, Angela Heide, Andreas Hutter, Wolfgang Kralicek, Jürgen Weishäupl. (Quelle: www.kuratoren-theatertanz.at/team/)


2007
Die kulturpolitische Diskussion um die Entscheidungen der neuen KuratorInnen setzt sich im Jahr 2007 fort:
Diskussion um die Mehrjahresförderung des Theaters im Augenblick, 29.06.2007 >
Gegendarstellung der KuratorInnen auf den Artikel von Robert Quitta, 19.06.2007 >
Robert Quitta über ein Gespräch mit den drei neuen KuratorInnen, 15.06.2007 >
Öffentliche Debatten in Wien zu den Entscheidungen der drei neuen KuratorInnen, 13.06.2007>
Wiener Theaterreform - Empfehlungen der drei neuen KuratorInnen für das Arbeitsjahr 2008/09, 29.05.2007 >
Zur Diskussion um die Theaterreform 2007, 23.05.2007 >
Artikel der IG freie Theaterarbeit zum Stand der Wiener Theaterreform, 21.05.2007 >

zur Definitionsgeschichte >

zum Fördersystem ab den 80er-Jahren >